Riedenberg
Jubiläum

Nimmermüder Maler auf dem Rad

Otto Breitenbach wollte eigentlich Fliesenleger werden, nun ist er schon 40 Jahre Maler und Verputzer - und das mit großem Spaß.
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An wirklich jedem Arbeitstag fuhr Otto Breitenbach in den letzten 40 Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Fotos: Evelyn Schneider
An wirklich jedem Arbeitstag fuhr Otto Breitenbach in den letzten 40 Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Fotos: Evelyn Schneider
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"Dass ich mal so lange als Maler und Verputzer bei der Firma Dorn in Riedenberg arbeite, hätte ich mir vor 40 Jahren, als ich als Lehrbub dort anfing, niemals träumen lassen", schmunzelt Otto Breitenbach.

Schließlich war sein Berufswunsch im Jahr 1973 ein ganz anderer. "Fliesenleger wollte ich werden. Unbedingt! Aber da ich keine Möglichkeit hatte, zu dieser Arbeitsstelle hinzukommen, da ja kein Auto vorhanden war - und auch sonst keine Mitfahrgelegenheit - ließ ich mich auf den Vorschlag meines Vater Konrad ein. Ich begann am 15. August meine Lehre als Maler und Verputzer bei Bonifaz Dorn. Schon mein Vater hat dort gearbeitet", erzählt der Riedenberger. Nun erreichte er in wenigen Minuten seine Lehrstelle mit dem Fahrrad.

Das tut er übrigens heute noch genauso. "An wirklich jedem Arbeitstag kommt er mit dem Fahrrad. Ich kann mich an keinen einzigen Tag erinnern, an dem er mal mit dem Auto oder zu Fuß eintraf", weiß sein jetziger Chef Edwin Dorn. Am Beginn seiner Ausbildung war er erst 15 Jahre und damals noch ein recht schmächtiger Bub. "Ich weiß noch genau, dass ich den Jägerzaun des Kothener Forsthauses als allererste Arbeit streichen musste."

Dass die Arbeit in diesem Beruf wirklich kein Zuckerschlecken war, musste er kurz darauf am eigenen Leib erfahren. "Da gab es noch keinerlei technische Hilfsmittel. Und es war immer die Arbeit des Lehrbuben, den Mörtel für den Putz anzumischen und dann den zentnerschweren Kübel mit dem Seil am Gerüst hochzuziehen. Spätestens am Mittag warst du dann fix und fertig."

Abenteuerliche Bedingungen

Auch die Sicherheitsvorkehrungen waren damals mehr als abenteuerlich. Aus Fichtenstangen und Holzbohlen wurden die Gerüste an die Hauswände gestellt. Heute undenkbar. Viel zu erzählen weiß Otto Breitenbach auch über seinen einstigen Chef Bonifaz. "Das war schon ein Original in Riedenberg. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er beim Verputzen der Riedenberger Kirche den Kranfahrer, der sein Fahrzeug ungünstig geparkt hatte, derart 'zusammenfaltete', dass der sich schließlich weigerte, unsere schweren Kübel mit Verputzmaterial auf den über 25 Meter hohen Kirchturm zu befördern. Also mussten wir alles per Hand hochziehen." Daran kann sich auch Bonifaz' Sohn Edwin, der 1989 das Geschäft übernahm, erinnern. "Das war der Grund für mich, technisch schnellstens aufzurüsten ", erzählt er.

Überhaupt hat sich im Laufe der langen Jahre viel geändert in diesem Berufszweig. "Früher war man hauptsächlich damit beschäftigt, zu verputzen und anzustreichen. Die Arbeit war zwar schwer, aber es gab niemals diesen Zeit- und Leistungsdruck, den die Auftraggeber heute fordern. Mittlerweile sind wir sehr oft auch im Trockenbau und der Wärmedämmung tätig. Wir müssen aber auch das Doppelte in der gleichen Zeit wie früher schaffen." Aber Spaß gemacht hat es ihm bis heute, obwohl er das zu Anfang gar nicht dachte. Am schönsten waren immer die Kirchenrenovierungen für ihn. "Wir sind ein eingespieltes Team in der Firma, das auf freundschaftlicher Ebene zusammenarbeitet. Deshalb bleibe ich auch ganz sicher weiter da."

Bis heute hat Otto Breitenbach alle seine Arbeitsstunden, sowie die Art und den Ort der jeweiligen Tätigkeit fein säuberlich aufgeschrieben. Eine ganze Kiste voller Büchlein hat sich schon angesammelt. Auf der weihnachtlichen Betriebsfeier überreichte Chef Edwin Dorn die wohlverdiente Urkunde mit ganz vielen Dankesworten.
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