Bad Brückenau
Fasching

Narren stürmen Brückenauer Rathaus

Sie kamen, um den Amtssitz der Bürgermeisterin zu sprengen. Doch Brigitte Meyerdierks hatte vorgesorgt. Mit ein paar verbündeten Stadträten verwandelte sie den Marktplatz kurzerhand in eine Baustelle.
Artikel drucken Artikel einbetten
"Wir verteidigen doch nicht das Rathaus, wir helfen beim Abbruch!", sagte die mit Schaufel anmarschierende Bürgermeisterin. Foto: Thomas Dill
"Wir verteidigen doch nicht das Rathaus, wir helfen beim Abbruch!", sagte die mit Schaufel anmarschierende Bürgermeisterin. Foto: Thomas Dill
+13 Bilder
Allenthalben in Bad Brückenau wird gebuddelt und gebaut, vom Schwimmbadloch des neuen Waldenfels, der Bald-Baustelle Sinnaucenter, der aktuellen Baustelle Unterhainstraße, der hoffentlich bald Baustelle Kissinger Straße und nun noch das Rathaus am Marktplatz?

Rotes Flatterband, Warnlampen, "Gesperrt"-Schilder, eine verklebte Eingangstüre, für Uneingeweihte ein Anblick wie auf dem Bau. Für Insider aber der Auftakt des alljährlichen Wortgeplänkels der närrischsten Art, dem Rathaussturm mit seinen hitzigen Dialogen zwischen verteidigenden Angestellten und Stadträten und angreifenden Karnevalisten.

Standhafte Vorzimmerdame

Verstärkt durch die Gesellschaften aus Ebenhausen, Bad Neustadt, Hammelburg, Schlüchtern und Fulda-Ascheberg, angeführt vom neuen Prinzenpaar Monique und Matthias marschierte die erste große Karnevalsgesellschaft zum 60. Mal in seiner Geschichte unter den Klängen der "heimlichen Stadtkapelle", den Georgibläsern, vom alten Rathaus gen Marktplatz.

Ziel der Aktion: "Wir sprengen das Rathaus einfach weg, damit die Bröggenäer trotz Sperrpfosten auf kurzem Weg durch die Baulücke hindurch durch die Stadt abkürzen können". Entsprechend war das Rathaus wohl auch schon präpariert, denn statt der Bürgermeisterin lugte nur eine verängstigte aber um so standhaftere Vorzimmerdame aus dem Fenster. Erst nach einem langen Wortgefecht mit der Belohnung von Sonderurlaub und Faschingsorden räumte diese dann das Rathaus als Letzte.

Unterdessen mischte sich ihre Chefin, Brigitte Meyerdierks (CSU), als Bauarbeiterin unter die Sturmtruppen vor dem Rathaus. "Ich bräuchte sowieso eine neue Büroeinrichtung, der Teppich ist verschlissen, also reißt ruhig alles weg, das alte Gehöck", so die Hausherrin, "und das Prinzenpaar baut mir dann ein neues Rathaus auf der grünen Wiese."

Drei Pfennig mehr in Stadtkasse

Angesichts der sehr kleinen Anzahl von Stadträten und solchen, die es im kommenden Kommunalwahlkampf werden wollen, die Meyerdierks bei der Verteidigung halfen, wähnte sich die Bürgermeisterin wie im Märchen: "Die Stadträte erzählen auf einmal viel, grad wie im Märchen - es ist halt schon Wahlkampf." Entsprechend hatten die Damen vom Bürgerbüro selbiges als ein Märchen aus 1001 Nacht umdekoriert.

Unter dem Applaus der Sturmtruppen und zahlreicher Neugieriger ergreift Meyerdirks einen Miniabbruchhammer und löchert symbolisch ein eigens herangekarrtes Stück Kissinger Straße. Unterdessen wurde der Rathauseingang von den Gardistinnen erobert, nun blieb auch der Amtsinhaberin nichts anderes mehr übrig, als den Rathausschlüssel von Frau zu Frau an die Prinzessin zu überreichen.

Aus ihrem Overall tief unter ihrem Herzen zog sie eine winzige Kasse hervor: "Die Stadtkasse ist mir schon immer eine Herzensangelegenheit", sagte sie und überreichte die Kasse dem Prinzen. Präsident Dieter Seban zeigte sich nach kurzer Sichtkontrolle zufrieden: "Da sind drei Pfennig mehr drin wie letztes Jahr!". Na immerhin!

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren