Motten
Umbruch

Mottens Kirche verkleinern oder komplett abreißen?

Dem Bistum und der Pfarrgemeinde ist das Mottener Kirchengebäude zu groß. Wo wird Pfarrer Michael Krammer künftig seine Gottesdienste halten?
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Mottens Pfarrer Michael Krammer steht vor seiner Kirche. Der Turm bleibt sicher stehen, was mit dem restlichen Gebäude geschieht, ist ungewiss. Gewiss ist allerdings, dass die Kirche verkleinert wird. Foto: Volker Nies
Mottens Pfarrer Michael Krammer steht vor seiner Kirche. Der Turm bleibt sicher stehen, was mit dem restlichen Gebäude geschieht, ist ungewiss. Gewiss ist allerdings, dass die Kirche verkleinert wird. Foto: Volker Nies
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Das Kirchengebäude in Motten steht vor großen Veränderungen. In der Diskussion sind ein Abriss des Anbaus aus dem Jahre 1966 oder ein kompletter Abriss und Neubau des Kirchenschiffs. Nur der denkmalgeschützte Turm aus dem 17. Jahrhundert wird sicher stehen bleiben.

Das Bistum Würzburg und die Pfarrgemeinde sind sich einig: Die St.-Bartholomäus-Kirche in Motten ist zu groß. "Als Pfarrer Richard Himmelsbach in den 1960er Jahren die Kirche von 1881 auf insgesamt 700 Sitzplätze erweitern ließ, war er ein bisschen optimistisch", sagt Pfarrer Michael Krammer. Richtig voll sei die Kirche heute nur noch bei großen Beerdigungen, aber nicht einmal mehr an Weihnachten. Die bauliche Unterhaltung der Kirche und insbesondere die Heizkosten seien für die Kirchengemeinde nicht mehr zu schultern, betont der Seelsorger, der 2005 nach Motten kam. Seit 2007 wird über die Zukunft des Kirchengebäudes gesprochen. In der Zwischenzeit wurde der Turm saniert, aber über das Kirchenschiff ist noch nicht entschieden. "Es ist alles offen - von einem Abriss des modernen Anbaus bis zu einem kompletten Abriss des Kirchenschiffs", berichtet Krammer. Die Kirche suche jetzt einen Architekten, der einen schlüssigen Vorschlag erarbeitet. "Ich hoffe, dass wir dieses Jahr eine Entscheidung fällen und nächstes Jahr mit den Baumaßnahmen beginnen", sagt der für Motten und Kothen zuständige Pfarrer.

Abbruch des Anbaus genehmigt

"Unsere Experten haben den Abbruch des in den 1960er und 1970er Jahren entstandenen Anbaus der historischen Kirche vorgeschlagen, in der Kunstkommission der Diözese diskutiert und auch genehmigt", sagt Bernhard Schweßinger, Sprecher der Diözese Würzburg. Grund für den Abbruch sind bauliche Mängel und die hohen Unterhaltskosten. Wieder ursprüngliche Form. Das Bistum tendiert derzeit zu einem Abriss des Anbaus und zur Wiederherstellung des Gotteshauses in seiner ursprünglichen Form. Entschieden ist das noch nicht.

Kosten noch ungewiss

"Derzeit stehen Untersuchungen des Dachstuhls des älteren Teils des Gotteshauses sowie der kompletten Bausubstanz an. Eine verbindliche Angabe zu den Kosten ist deshalb aktuell nicht möglich", sagt Schweßinger.
Vor wenigen Wochen haben Experten des Bistums das Mauerwerk der Kirche eingehend untersucht. An drei Stellen haben sie größere Löcher in das Mauerwerk getrieben. "Wir wollten wissen, wo sich die ursprüngliche Bodenplatte der Kirche befand und in welchem Zustand sich die Mauern befinden", berichtet Arne Friedrich, Gebietsreferent des Diözesan-Bauamtes in Würzburg.

Das Ergebnis werde in etwa in vier Wochen vorliegen. Bürgermeister Jochen Vogel (CSU) hat den Gemeinderat informiert, "dass voraussichtlich ein Rück- und Neubau des Kirchenschiffs geplant ist". Die politische Gemeinde wolle sich finanziell beteiligen; die genaue Höhe des Zuschusses muss verhandelt werden. Im Gemeindehaushalt sind bereits 60 000 Euro eingeplant. Im Finanzplan sind für 2016 und 2017 als unverbindliche Annahme je 200 000 Euro eingeplant.

Nur Fragen, keine Kritik

Im Gemeinderat wurde nach den Hintergründen der Haushaltsposition gefragt. Kritik an dem Zuschuss wurde nicht geübt. Pfarrer Krammer hofft, dass die politische Gemeinde, die Kirchengemeinde und das Bistum die Baukosten zu gleichen Teilen tragen. Grund für die Verkleinerung ist nicht ein Rückgang der Gottesdienstbesucher, wobei auch das Bistum Würzburg davon betroffen ist. Zudem nimmt die Zahl der Katholiken im meist ländlich geprägten Unterfranken vor allem angesichts der demographischen Entwicklung ab. "Hinzu kommen Austritte, die auch kleinere Gemeinden treffen. Diese aktuellen Trends mögen in Motten auch spürbar sein", sagt Schweßinger.

Nicht die erste Kirche

Eine Kirche verkleinert hat das Bistum jüngst in Waigolshausen (Schweinfurt): Dort musste der Vorgängerbau abgerissen werden. Mit 660 Sitzplätzen und über 700 Stehplätzen war das Bauwerk damals extrem großzügig dimensioniert worden - viel zu groß für die heute im Schnitt 150 Gottesdienstbesucher am Sonntag. Das Beheizen war schier unmöglich. In Himmelstadt (Main-Spessart) und Sailauf (Aschaffenburg) wurden in den letzten Jahren Kirchbauten aus den 1960ern abgerissen. Dort wurden die bestehenden kleineren und älteren Vorgängerkirchen wieder aktiviert.



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