Kothen

Mit Muskelkraft gefällt und aufgestellt

Bei der Kirmes wird in Kothen die Tradition hochgehalten: Den Baum holten die hebefähigen Männer erst aus dem Wald, um ihn dann von Hand wieder aufzustellen.
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Simon Möller (rechts) war heuer zum ersten Mal beim Fällen des Kirmes-Baumes dabei, hier mit (von links) Lukas Kraus und Jürgen Scherner.
Simon Möller (rechts) war heuer zum ersten Mal beim Fällen des Kirmes-Baumes dabei, hier mit (von links) Lukas Kraus und Jürgen Scherner.
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Kirmes ist in vielen Orten der Rhön bis heute Traditionssache: Auch die Kothener Kirmesgesellschaft rückt nicht etwa mit Motorsäge und Kran an, um einen Kirmesbaum zu fällen und im Ort wieder aufzurichten, sondern macht das so, wie seit Jahrhunderten. Trotzdem gibt es natürlich Neuerungen: Ein verhakter Baum wird auch einmal mit dem Traktor rausgezogen und seit drei Jahren feiert die Kirmesgesellschaft nicht mehr in der Gaststätte, sondern im Zelt.


Neuen Baum ausgewählt

Eine Stunde vor dem Gang in den Wald hatte es noch geschüttet, auch als die rund 15 jungen Männer im hebefähigen Alter die Fichte für ihre Kirmes fällten, regnete es immer wieder. Der Waldboden war durchweicht, aber das störte weniger. Problematischer war, dass der eigens für die Kirmes ausgesuchte Baum nicht zu finden war. Die Jungs entschieden sich kurzerhand für eine andere Fichte.

Besonders viele Kriterien musste sie auch nicht erfüllen. "Strack muss sie ein", erklärte ein Kirmesbursch, wobei strack vor allem gerade bedeutet. "Und sollte nach was aussehen", ergänzte Simon Möller. Der 16-Jährige war heuer zum ersten Mal direkt dabei. Seit seiner Kindheit hatte er immer hinter den Kirmespaaren gestanden. Fest anpacken musste er auch gleich, denn ein Baum mit einem Viertel Meter Durchmesser fällt sich nicht von selbst. Das geschieht in Kothen traditionsgemäß mit der Handsäge.

Nachdem die Fallrichtung festgelegt worden war, wurde zunächst ein Keil aus dem Baum gesägt, danach erfolgte der finale Schnitt - und: "Baum fällt!" Zwar in die vorhergesehene Richtung, aber in die Kronen der Nachbarfichten. Aus Sicherheitsgründen ist in siesem Fall doch technische Hilfe möglich: Ein Traktor zog den Stamm aus den Baumkronen heraus. Bereits im Wald ertönte der Kothener Kirmesspruch, dem zufolge es nur in Kothen richtig zünftig zugeht. Nach dem Entasten fuhren die Kothener den Stamm zum Festzelt. Dort hatten die Kirmesfrauen bereits die Kränze gebunden und geschmückt. Die Spitze des Kirmesbaumes hatten die Kirmesburschen auch gleich aus dem Wald mitgebracht und auf dem Dorfplatz geschmückt, bevor sie sie am Baum befestigen.


"Geheiratet wird nicht"

Zum Aufstellen des Baumes brauchte es deutlich mehr Männer als zum Fällen. Die Männer sollen "hebefähig" und unverheiratet sein. "Geheiratet wird nicht - Kirmes ist lustiger", ist denn auch ein Spruch einiger junger Männer.

Mit vier Stangenpaaren und Seilen drückten, hoben und zogen die Kothener ihren Kirmesbaum in die richtige Position. Alles hörte auf die Kommandos von Berthold Bug, der schon etliche Kirmesfeste mitgemacht hat. Entgegen so mancher kritischer Bemerkung von Zuhörern ist Bug der Meinung, dass auf Kosten der Sicherheit nichts überstürzt werden sollte. "Lieber eine halbe Stunde länger und dafür richtig."

Den letzten Schliff erfuhr der Kirmesbaum mit einer Reihe von Hölzern, die ihn im Loch festhalten. Zwar hatte er bereits gerade gestanden, war aber wieder in Schieflage geraten. Hölzer mussten wieder rausgenommen und an anderer Stelle rein gehämmert werden. "Als rüh, als weiter", ertönte es noch eine Weile, bis es endlich hieß: "So bleibt's."

Harald Hembacher kletterte mit Steigeisen auf den Kirmesbaum und löste die Seile, eine Theke wurde am Stamm befestigt, damit beim Kirmestanz eine Ablagefläche für die Weinflaschen vorhanden war. Der dritten Zeltkirmes stand nichts mehr im Wege.

Unter musikalischer Begleitung von der Partyband "Chilli" ging's am Samstag-Abend schon mit Feiern los. Nach dem Gottesdienst am Sonntagmorgen zog die Kirchenparade ins Festzelt. Nachmittags erfolgte das Abholen der Kirmesgesellschaft und der traditionelle Tanz um den Kirmesbaum. Die Nervosität von Simon Möller legte sich. Denn Disco Fox und Wiener Walzer hatte er schon in der Tanzschule gelernt.
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