Gersfeld (Rhön)
Gedankenaustausch

Ministerin besucht die Rhön

Die hessische Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser besuchte das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Die hessische Landesregierung wollte damit ihr starkes Interesse an der Arbeit des Biosphärenreservats dokumentieren.
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Kürzlich halfen auf der Wasserkuppe untergebrachte Flüchtlinge in der Rhön bei der Apfelernte. Hier überreichen Vertreter der Gruppe der Staatssekretärin einen Behälter mit frischem Apfelsaft aus diesen Äpfeln. Foto: Michael Müller
Kürzlich halfen auf der Wasserkuppe untergebrachte Flüchtlinge in der Rhön bei der Apfelernte. Hier überreichen Vertreter der Gruppe der Staatssekretärin einen Behälter mit frischem Apfelsaft aus diesen Äpfeln. Foto: Michael Müller
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Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön hatte kürzlich hohen politischen Besuch. Dr. Beatrix Tappeser, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz nahm sich einen ganzen Tag Zeit, um sich über den Arbeitsstand in der Hessischen Verwaltungsstelle zu informieren.
Zunächst wurde die Staatssekretärin auf der Wasserkuppe von allen Mitarbeitern des Biosphärenreservats und des Vereins "Natur und Lebensraum Rhön" begrüßt. Zum Rundgang durch das Groenhoff-Haus, dem Dienstsitz und Informationszentrum des Biosphärenreservats in Hessen, zählte auch der Besuch des Regionalladens des Vereins "Rhöner Durchblick". Sonja Wuchert stellte das Rhöner Frauenprojekt und die Fortbildungs- und Vermarktungsinitiativen des kleinen Vereins vor. Anschaulich ergänzt wurden die Ausführungen durch die aktuelle Kartoffelausstellung.
Christof Schneider, Mitarbeiter der Caritas, und Ranger Arnold Will berichteten der Staatssekretärin vom Ernteeinsatz von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen. Um etwas Abwechslung in das Leben der Flüchtlinge zu bringen, die momentan auf der Wasserkuppe untergebracht sind, wurden kürzlich gemeinsam mit den Jugendlichen einige Tonnen Rhöner Äpfel geerntet. Sie wurden zu Saft verarbeitet oder der Fuldaer Tafel zur Verfügung gestellt. Zwei der Jugendlichen überreichten der Staatssekretärin einen Fünfliterbehälter mit frisch gepresstem Apfelsaft.


Dringender Sanierungsbedarf

Torsten Raab, Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle, nutzte die Gelegenheit, um über Auftrag, Ziele und aktuelle Projekte des Biosphärenreservats zu informieren. Ein Schwerpunkt lag auf der noch in Arbeit befindlichen Machbarkeitsstudie zur ehemaligen Wasserkuppenkaserne, die als denkmalgeschütztes Objekt dringend einer Sanierung und Erweiterung bedarf. Dabei sollen auch die Räumlichkeiten für das Biosphärenreservat optimiert und der Informations- und Ausstellungsbereich ausgebaut werden.
Breiten Raum der Beratungen nahm auch der aktuelle LIFE-Antrag des Landkreises ein, der von Jutta Katz vorgestellt wurde. Für den Zeitraum 2016 bis 2022 ist eine Summe von rund sieben Millionen Euro (60 Prozent von der EU, 40 Prozent vom Land Hessen) vorgesehen bzw. beantragt, um das Berggrünland mit seiner außergewöhnlichen Artenvielfalt zu schützen. Katz zeigte auf, welche Maßnahmen und Projekte von Naturschutz und Landwirtschaft geplant wurden, um die Rhöner Bergwiesen, die dank ihrer Artenfülle von nationaler Bedeutung sind, in die Zukunft zu retten.
Nach einem Imbiss mit regionalen Spezialitäten stand der Besuch der kleinen Hofkäserei Richter in Gersfeld-Brembach auf dem Programm. Landwirtschaftsberaterin Janet Emig und die Käseexpertin Katja Richter erläuterten den langen Weg von der Idee bis zur Realisierung der Bauernhofkäserei. Neben der Mobilen Käserei des Biosphärenreservats zeigt die Hofkäserei, dass auch in der Rhön vor Ort eine Veredelung von Milch zu fairen Preisen möglich ist.
Bei einem Termin, bei dem es um das Berggrünland der Rhön geht, durften die Hute- und Gemeinschaftsweiden des oberen Ulstertals nicht fehlen. Stefan Hohmann, Vorsitzender des Vereins Rhöner Biosphärenrind, empfing die Staatssekretärin bei dichtem Nebel auf der Wüstensachsener Hute am Steinkopf. Diskutiert wurde die Weidehaltung von Rindern, die Vermarktung der Tiere und die Chancen, die sich für die landwirtschaftlichen Betriebe ergeben. Modellhaft konnte der Verein Rhöner Biosphärenrind eine großflächige Beweidung auf über 100 Hektar realisieren und zeigen, dass dies auch wirtschaftlich darstellbar ist.
Am Ende des Besuchstages im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön stand eine Einkehr bei "krenzers rhön" in Seiferts auf dem Programm. Gastronom Jürgen Krenzer erläuterte Tappeser seine Philosophie eines nachhaltigen Wirtschaftens, den Einsatz regionaler Produkte und die Realisierung einer Erlebnis-Gastronomie, die für Gäste, Personal und Wirt einen Mehrwert birgt. In diesem Zusammenhang wurden auch die schwierigen, länderübergreifenden touristischen Strukturen angesprochen, die es für die Leistungsträger im Tourismus oft sehr schwer machen, optimal wahrgenommen zu werden.


Von der Vielfalt beeindruckt

Staatssekretärin Dr. Tappeser zeigte sich bei ihrem Besuch im einzigen hessischen Biosphärenreservat beeindruckt von der Aufgabenfülle und Vielfalt der Themen, die von der Verwaltungsstelle bearbeitet werden. "Das Biosphärenreservat Rhön ist gut aufgestellt und leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft. Neue Impulse wie der LIFE-Antrag und die Machbarkeitsstudie Groenhoff-Haus sollen dazu beitragen, diese Arbeit weiter voranzubringen.", so Tappeser. Seitens der Hessischen Verwaltungsstelle dankte Torsten Raab der Repräsentantin der Hessischen Landesregierung für ihr Interesse. Die aktuelle Politik des Umweltministeriums zeige auch in der Rhön und im Landkreis Fulda entsprechende Wirkung, betonte Raab. Oliver Schmidt

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