Volkersberg
Asyl

Junge Flüchtlinge kommen auf den Volkersberg

Anfang Dezember ziehen die ersten minderjährigen Flüchtlinge im Bungalow-Dorf auf dem Volkersberg ein, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind. Die Jugendbildungsstätte Volkersberg startet mit ihnen ein Pilotprojekt.
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Hilft schon fleißig mit: Die zweijährige Eva ist mit ihren Eltern aus der Ukraine gekommen. Sie lebt in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Nun sollen auch jugendliche Flüchtlinge in die Rhön kommen, die ohne eine Begleitung in Deutschland angekommen sind. Foto: Ulrike Müller
Hilft schon fleißig mit: Die zweijährige Eva ist mit ihren Eltern aus der Ukraine gekommen. Sie lebt in der Gemeinschaftsunterkunft in Volkers. Nun sollen auch jugendliche Flüchtlinge in die Rhön kommen, die ohne eine Begleitung in Deutschland angekommen sind. Foto: Ulrike Müller
Eine vorübergehende Bleibe über den Winter finden ab Anfang Dezember zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf dem Volkers-berg. Sie werden aller Voraussicht nach Anfang Dezember ins Bungalowdorf einziehen. Dies teilte Ralf Sauer, der stellvertretende Leiter der Jugendbildungsstätte, gestern mit.
Der Volkersberg öffnet dafür eigens das eigentlich schon für die Winterpause geschlossene Bungalowdorf. "Als uns die Anfrage des Landkreises Bad Kissingen erreichte, ob wir minderjährige Flüchtlinge aufnehmen können, war mir sofort klar, dass wir als katholische Jugendbildungsstätte keine kategorische Ablehnung geben können", berichtet der Einrichtungsleiter Klaus Hofmann.

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge stehen in Deutschland im Spannungsfeld zwischen Kinder- und Jugendhilferecht auf der einen und Aufenthalts- und Asylrecht auf der anderen Seite sowie weiteren internationalen Übereinkommen und Richtlinien. Aufgrund der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern sowie der hohen Bedeutung des Kindeswohls sind die Jugendämter seit 2005 verpflichtet, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umgehend nach der Einreise in eine Jugendhilfeeinrichtung zu nehmen und ihnen einen Vormund an die Seite zu stellen. Erst wenn dies sichergestellt ist, wird ihr ausländer- und asylrechtlicher Status geklärt.

Betreuung rund um die Uhr

Da im Landkreis Bad Kissingen alle vorhandenen Plätze in stationären Jugendhilfeeinrichtungen besetzt sind, ist man nun auf den Volkersberg zugegangen. Die Jugendbildungsstätte des Bistums Würzburg hat sich bereit erklärt, übergangsweise bis Mitte März 2015 im Bungaloworf Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die kommenden Wochen will das Jugendamt Bad Kissingen dazu nutzen, für die minderjährigen Flüchtlinge eine Perspektive in einer regulären stationären Jugendhilfeeinrichtung im Landkreis zu schaffen.

Die jugendlichen Flüchtlinge werden am Volkersberg rund um die Uhr von einem pädagogischen Team betreut. Der Volkersberg ist hier insbesondere der Diözese Würzburg sehr dankbar, dass sie der Einstellung von Fachpersonal für dieses zeitlich begrenzte Vorhaben unbürokratisch zugestimmt hat. Das Team wird sich aus vier Personen zusammensetzen, die bereits am Volkersberg ehrenamtlich aktiv sind und eine Grundausbildung als Erzieher, Sozialpädagoge sowie Erlebnis- und Zirkuspädagoge mitbringen. Neben dem Auffangen eventueller Flucht-Traumata, dem Erlernen der deutschen Sprache, wird das Einüben einer festen Tagesstruktur im Mittelpunkt stehen. Die Pädagogen werden mit den Flüchtlingen gemeinsam einkaufen, kochen und auf deren Interessen aufbauende Angebote machen. Zu einem späteren Zeitpunkt sind auch Betriebspraktika angedacht. Als Unterstützer konnte man auch den Diözesancaritasverband Würzburg mit seinen diözesanen Fachdiensten sowie dem Kinder- und Jugenddorf St. Anton Riedenberg gewinnen. Von dort bringt man sich durch die Bereitstellung von psychologischen Fachkräften in das Projekt ein.

Herausforderung gewachsen

Der Volkersberg versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zu bestehenden Jugendhilfeeinrichtungen. Man ist sich dort bewusst, dass man die Leistungen einer stationären Jugendhilfeeinrichtung nicht zu 100 Prozent ersetzen kann. Dennoch sieht man sich den Anforderungen gewachsen. "Für uns ist diese Arbeit Neuland. Bisher haben wir uns auf außerschulische Bildungs- und Freizeitangebote fokussiert, und das soll auch so bleiben", erklärt Sauer. Mit der Unterbringung im Bungalowdorf werde einerseits ein geschützter Wohnbereich für die Flüchtlinge geschaffen, andererseits der normale Bildungsbetrieb im Haus Volkersberg aber nicht beeinträchtigt. "Wir wissen, dass es eine große Herausforderung für unser Team sein wird. Wir sind uns der Verantwortung der uns anvertrauten jugendlichen Flüchtlinge wie auch der Gästen unseres Bildungshauses gegenüber bewusst."

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