Bad Brückenau
Ausstellung

Im Mittelpunkt steht der Mensch

"Landjudentum in Unterfranken" präsentiert die wechselvolle Geschichte der Juden in unseren Gefilden.
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Ein Gottesdienst in der Würzburger Synagoge. Foto: Stephanie Elm
Ein Gottesdienst in der Würzburger Synagoge. Foto: Stephanie Elm
Die Wanderausstellung "Mitten unter uns - Landjudentum in Unterfranken" macht in Bad Brückenau Station. Den Menschen und ihrer Kultur, die einst die hiesige Region bereichert haben, zollt die Ausstellung Respekt und ein Andenken.

"Mitten unter uns" wuchsen die jüdischen Gemeinden, die sich vor zirka 900 Jahren erstmals in Unterfranken angesiedelt hatten. Charakteristisch sei die Verbreitung auf dem Land, bis die Nationalsozialisten die Juden fast vollständig ausrotteten. "Wie gut, dass es ihnen nicht ganz gelungen ist", heißt es auf einer der zahlreichen Informationstafeln in der Georgi-Kurhalle.

Inmitten des ständigen "Miteinander und Gegeneinander", das sowohl chronologisch als auch nach Regionen geordnet ist, bekommt der Besucher Einblicke in die "reiche jüdische Welt". Das Bewusstsein für die "reichhaltige jüdische Geschichte" möchte Projektmanagerin Rebekka Denz stärken. Reste jüdischen Lebens könne man entdecken, wenn man "aufmerksam durch Unterfranken fährt".

Nach den ersten Ansiedlungen zirka 1100 in Würzburg wuchs die jüdische Gemeinde, bis sie Ende des 13. Jahrhunderts von Vernichtungswellen vertrieben wurde. Aus der Stadt flüchteten die Juden aufs Land, wo auf Grund der gemischt herrschaftlichen Verhältnisse die Ansiedelung für sie geeignet war.

Handelsbeziehungen

Die einzelnen Herrscher profitierten von deren Handelsbeziehungen. Bis ins 19. Jahrhundert hatte sich die Situation der Juden stetig verbessert, Synagogen wurden gebaut, Landesjudenschaften wurden gegründet. 1816/1817 gewährte das Judenedikt den Juden zwar Bürgerrechte und Grundbesitz, schränkte sie jedoch in ihrem Wohnsitz ein. 1900 waren die Juden gesellschaftlich hoch akzeptiert.

Die Deportation von 2063 Juden aus Unterfranken im Nationalsozialismus überlebten nur 60, von denen die meisten 1945 wieder in ihre Heimat zurückkehrten. 1948 lebten im DP-Camp (Displaced persons, entwurzelte Menschen) in Giebelstadt 1800 Juden.

Im Gegensatz zum 17. Jahrhundert, als in 217 Orten circa 17000 Juden lebten, ist die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg heute mit zirka 1000 Mitgliedern die einzige jüdische Gemeinde in Unterfranken.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Mensch. Die vier Lebenswege von Julius Frank, Sara - die Ärztin, Lore Fleischmann und Jakob Kohnstamm, die für das jeweilige Jahrhundert charakteristisch sind, werden präsentiert.

Für jede Region werden Lebensbausteine einzelner jüdischer Mitbürger aufgezeigt. In Bad Brückenau, Geroda und Zeitlofs waren Juden beheimatet, deren Leben und Schicksale in der Ausstellung ein Gesicht bekommt.
Eine Audiostation gibt Hörbeispiele in hebräischer und jiddischer Sprache.
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