Zeitlofs
Feierlichkeiten

Handylos bei der Kirmes in Zeitlofs

Nur das gute alte Schnur-Telefon darf von den Burschen und Mädels während der Festivitäten verwendet werden. Und - kommt bald die Maut in Zeitlofs?
Artikel drucken Artikel einbetten
Lena Schmitt, unterstützt von Nico und Niels Böhm, brauchte viel Stimmkraft, um sich durch die dicken Sprüchebücher durchzuarbeiten. Foto: Gerd Schaar
Lena Schmitt, unterstützt von Nico und Niels Böhm, brauchte viel Stimmkraft, um sich durch die dicken Sprüchebücher durchzuarbeiten. Foto: Gerd Schaar
+18 Bilder
Knapp 200 Neugierige interessierten sich am Sonntag für die Kirmessprüche in Zeitlofs - traditionell an zwei verschiedenen Orten, nämlich an der Gaststätte "Fränkischer Hof" und am Rathaus. Schon am Samstag wurde der Plobaum mit Burschenkraft aufgestellt, begleitet von den Zeitlofser Musikanten.

Etwa eine Stunde lang, aufgeteilt in zwei Hälften, dauerten die Kirmessprüche. Lena Schmitt, unterstützt von Nico und Niels Böhm, brauchte viel Stimmkraft, um sich durch die dicken Sprüchebücher durchzuarbeiten. Die hatten eher den Umfang von Doktorarbeiten. Was die Lachmuskeln von Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) ganz besonders beanspruchte, waren die närrischen Zukunftsprognosen der Kirmesleute: "Klaus Diller kandidiert zur kommenden Bürgermeisterwahl und wird gewinnen." Weiterhin war von sanierten Straßen zu hören, "außer im Umkreis von Zeitlofs". Erwartet die Autofahrer aus Detter irgendwann eine Maut für die Durchfahrt in Zeitlofs? Die Zukunft birgt für die Kirmesleute noch viele Überraschungen.

Kirmestradition hoch im Kurs

"Auf die Kirmes sollte man nicht verzichten", steht Zuschauer Bert Behling voll und ganz hinter dieser festen Tradition. "Die Jugend ist begeistert und überhaupt: Alle Leute aus der Gegend kommen zusammen und man freut sich aufeinander", meint er. Die Kirmes erhalte die Dorfgemeinschaft.

"Nein, auf keinen Fall will ich auf die Kirmes verzichten", beteuert Yvonne Granzin. Diese Tradition müsse aufrecht erhalten werden. "Alles ist bei der Kirmes noch von Hand gemacht, sowohl das Baumaufstellen, als auch die mit viel Aufwand gefertigten Kirmesbäume sowie die sorgsam gesammelten Sprüche", sagt sie. "Ich finde es klasse und bin gerne dabei", steht auch Joachim Weichert zur Zeitlofser Kirmes. Für junge Leute von heute sei es schwierig, die Tradition aufrecht zu erhalten. "Es werden immer weniger Aktive im Zeitalter von Computer und Internet", sagt er und weist darauf hin, dass während der Kirmes Handy-Verbot für die beteiligten Burschen und Mädchen gelte.

So ging zum Beispiel eine Pizzabestellung in diesen Tagen über das Telefon des Pfarramtes.
"Wam´ g´hört die Kirmes?", lautet wie andernorts auch in Zeitlofs die häufig gestellte Frage. Dann heben die sieben Kirmesburschen und ihre vier Mädchen kurz die Hüte und antworten nach altem Brauch: "Die Kirmes wird gehalle - und wenn die Stern´ vom Himmel falle!" Die Sterne bleiben oben und die Kirmes wird nach alter Gewohnheit am Montagabend wieder vergraben. Wehmutstränen dürfen dann durchaus gerne fließen.
Die Kirmesmädchen wurden nach altem Brauch schon am Freitag versteigert. Matte- und Zwiebelplootz, frisch aus dem Ofen, ist neben den zumeist alkoholischen Getränken stets angesagt.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren