Bad Brückenau

Gedanken zur Rettung der Stadt Bad Brückenau

Das Motto der St. Georgs-Prozession "Sucht der Stadt Bestes" ist auch heute aktuell. Jeder ist angehalten, die Stadt und deren Leben zu gestalten.
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Unter dem biblischen Satz "Sucht der Stadt Bestes" fand die diesjährige St. Georgs-Prozession in Bad Brückenau zu Ehren des Schutzheiligen statt. Foto: Marion Eckert
Unter dem biblischen Satz "Sucht der Stadt Bestes" fand die diesjährige St. Georgs-Prozession in Bad Brückenau zu Ehren des Schutzheiligen statt. Foto: Marion Eckert
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"Sucht der Stadt Bestes" - unter diesen Titel stellten die katholischen und evangelischen Christen in Bad Brückenau in diesem Jahr ihre traditionelle St. Georgs-Prozession, die an Rettung aus seiner Notlage vor langer Zeit erinnert. Nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern der Blick in die Zukunft, prägt diese Prozession seit vielen Jahren.

"Stadtluft macht frei" - schon Jesus sei diesem Ruf gefolgt, habe das kleine Nazareth verlassen und sei in die damalige Metropole Kafarnaum gegangen, erinnerte Pastoralreferentin Johanna Schießl an biblische Erzählungen. Als moderne Stadt habe dort sicherlich ein ganz anderer geistiger Horizont geherrscht, als im eher überschaubaren kleinen und ländlich geprägten Nazareth. In Kafarnaum habe Jesus die Chance gehabt, viele verschiedene Menschen anzusprechen und zu begeistern. "Er wollte wirken in dieser Stadt und hat es auf vielfältige Weise getan." Er habe für ein offenes, einladendes Leben geworben, habe in der Stadt einen Raum für christliche Werte gesehen. "Geben wir der Stadt eine gute Chance", ermunterte Schießl, dies in die heutige Zeit zu übertragen.


Bürgermeisterin hält Lesung

Die St. Georgs-Prozession führte vom Georgshäuschen in den Sinnauen hin zur Stadt Bad Brückenau. Die erste Statio wurde in der evangelischen Friedenskirche gehalten. Von dort ging es zum alten Rathaus und weiter zur katholischen Kirche. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks oblag es vor dem alten Rathaus, die Lesung aus dem Alten Testament, aus dem Buch Jeremia vorzutragen, der der Titel der diesjährigen Prozession "Sucht der Stadt Bestes" entnommen wurde.

Wie Ute von Landenberg ausführte, hat der Prophet Jeremia vor 2600 Jahren ganz konkrete Aufträge übermittelt: baut Häuser, pflanzt Gärten, erntet. Jerusalem war zerstört, die Israeliten nach Babylon deportiert. Die Botschaft des Propheten lautete: Trauert nicht der Vergangenheit nach, wartet nicht auf bessere Zeiten, sondern tut dort etwas, wo ihr seid. Suchet der Stadt Bestes, heißt bei Jeremia nicht: kämpft, streitet, befehlt, bestimmt, erlasst Gesetze und Verordnungen, sondern sucht. Das heißt: hinhören, hinsehen, mit offenen Ohren und mit weitem Herzen, sich austauschen und neugierig bleiben.

Das Leben heute, in einer Stadt wie Bad Brückenau, sei sicherlich anders als vor 2600 Jahren, doch auch nicht ohne Herausforderungen. Groß seien die Herausforderungen, wenn es gelte, eine Stadt zu gestalten, in der Menschen nicht nur ihr Dasein fristen, nicht nur schuften, essen und trinken, sondern leben sollen. Leben, das heiße, Heimat haben, sich zu Hause fühlen, Wohlergehen, Auskommen, Frieden, Feste feiern, unbeschwert sein können. Aber die Umstände sind widrig, politische Spielräume eng, Geld keineswegs im Überfluss vorhanden. Alles beim Alten lassen oder Neues wagen? Das Bewährte über Bord werden oder beim Vertrauten bleiben?


Auch heute der Auftrag

Für die Teilnehmer der St. Georgs-Prozession war klar, dass der Auftrag Gottes "Sucht der Stadt Bestes" auch heute an sie ergeht. Es gehe dabei nicht darum, Prachtstraßen und Paläste zu bauen, sondern in den eigenen Möglichkeiten, so beschränkt diese auch sein mögen, die Stadt und deren Leben zu gestalten. Gottes Auftrag laute: mitwirken und einmischen. Das sei in den unterschiedlichen Bereichen der Stadt möglich, im Elternbeirat, im Sportverein, im Kulturverein oder im kirchlichen Kontext.

Natürlich gehöre auch der Meinungsaustausch dazu, die Diskussion, doch auch hier gelte: trotz unterschiedlicher Meinungen Gemeinsamkeiten entdecken, Kompromisse finden, weil sich eine Stadt nur im Miteinander gestalten lasse. Um dieses Miteinander, um die Kraft der Gemeinsamkeit wurde während der Prozession immer wieder gebetet.

Musikalisch begleitet wurde die St. Georgs-Prozession auf ihrem Gang durch die Flur und die Stadt durch die Georgibläser. Mit dabei war eine Abordnung der Feuerwehr, politische Vertreter der Stadt, Geistliche und Gläubige beider Konfessionen.


St. Georgs-Prozession

Am 24. April 1400 überfielen die Ritter Bibra, Ebersberg, Steinruck und Thüngen die kleine Ortschaft Brückenau. Grund war die Verweigerung der Stadt, verschiedene Gläubiger auszuzahlen. Der offene Angriff wurde aber ob der hohen Mauern gescheut. Mit List schmuggelte man aber Ritter in leeren Weinfässern in die Stadt. Nach der Überlieferung konnte dieser Angriff erfolgreich abgewehrt werden, als die Bürger zum Heiligen Georg um Hilfe flehten, und er in Ritterrüstung hoch zu Ross eingriff. Dieses Geschehen soll am 23. April passiert sein, dem Namenstag des Heiligen. Anlässlich dieser wunderbaren Rettung aus der Notlage des Überfalls gelobten die Bürger Brückenaus eine jährliche Georgi-Prozession und erhoben ihn zum Schutzpatron der Stadt.

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