Bad Brückenau
Energiewende

Elektromobilität: Wo steht Bad Brückenau?

Immer mehr Menschen steigen auf Elektroautos um, auch in der Rhön. Familie Müller lädt ihre Fahrzeuge mit Solarstrom - aus der Anlage vom eigenen Dach.
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Sonne im Gesicht, Solarstrom im "Tank": Mit Strom aus der eigenen Solaranlage laden Jochen Gayer (von links) und Sandra Müller ihr Fahrzeug auf. Auch Karl Müller hat auf seinem Haus eine Solaranlage installieren lassen - für 100 Prozent schadstofffreies Fahren. Foto: Ulrike Müller
Sonne im Gesicht, Solarstrom im "Tank": Mit Strom aus der eigenen Solaranlage laden Jochen Gayer (von links) und Sandra Müller ihr Fahrzeug auf. Auch Karl Müller hat auf seinem Haus eine Solaranlage installieren lassen - für 100 Prozent schadstofffreies Fahren. Foto: Ulrike Müller
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Man merkt ihm an, dass ihn das Thema umtreibt. "Ich bin ein sehr naturverbundener Mensch und ich weiß, wie es um unsere Umwelt steht", sagt Karl Müller, 73 Jah re alt und Brückenauer, wenn auch gebürtig aus dem Schondratal. Sein Leben widmete er der Elektrotechnik, als Unternehmer konstruierte und baute er Elektromotoren für Mannesmann in Lohr und Braun in Marktheidenfeld. Er spricht über den Klimawandel, er spricht über den Abschied vom Öl. "Es ist viel zu schade, das Öl zu verfahren oder gar zu verheizen", sagt er. Man versündige sich an der nächsten Generation.


Zu 80 Prozent energieautark

Deshalb stehen in seiner Garage nun zwei Autos, ein Hybrid für ihn selbst und ein Elektroauto für seine Frau Renate. Die Batterie lädt er über die eigene Solaranlage auf dem Dach. Eine Ersatzbatterie steht im Keller für Tage, an denen die Sonne nicht scheint. Zumindest nachts reiche diese Batterie, um das gesamte Haus mit Energie zu versorgen. Karl Müller sagt, er sei zu 80 Prozent energieautark. Hans-Josef Fell freut das.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Grünen stammt aus Hammelburg und hat maßgeblich am Erneuerbare-Energien-Gesetz mitgewirkt. Alle Menschen, so sein Credo, müssten in ihrem privaten Verhalten versuchen, den Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran zu vermeiden. Natürlich verbrauche die aufwendige Entwicklung neuer Technologien ebenfalls Ressourcen, dennoch gibt es für Fell keine Alternative. "Schon heute ist ein Elektroauto mit Solarstrom ökologischer als die mit Erdöl betriebenen Benziner oder Diesel."


Elektrische Familienkutsche

Karl Müller jedenfalls hat seine Überzeugung bereits weitergetragen: Seine Tochter Sandra Müller und ihr Mann Jochen Gayer haben ebenfalls ein Elektrofahrzeug angeschafft, die Solaranlage haben sie schon länger. "Für 90 Prozent der Fahrten, die man als Familie macht, reicht das aus", sagt Sandra Müller. Sie wünscht sich, dass noch mehr Leute auf Elektromobilität umsteigen und Solarenergie nutzen, "um mit der Zeit zu gehen. Es ist die neue Technologie." Deshalb sei für sie selbstverständlich, dass Ladestationen nicht nur im Stadtgebiet (siehe Info-Kasten), sondern auch auf dem Parkplatz großer Lebensmittelmärkte zu finden seien. In Bad Neustadt, erzählt sie, gebe es gleich mehrere Ladestationen vor dem Tegut.


Rewe plant E-Tankstellen

"Bad Neustadt ist ja eine Modellstadt für Elektromobilität", erklärt Stella Kircher von der Unternehmenskommunikation der Lebensmittelmarktkette. In Bad Brückenau sei nie eine Ladestation geplant gewesen, deshalb werde dort auch keine installiert. "Bei der Entscheidung, ob Ladesäulen eingeplant werden, ist auch immer die Flächendeckung mit bereits angemeldeten E-Autos vor Ort ausschlaggebend", sagt Kircher.

Zudem gibt sie zu Bedenken, dass sich bei einer durchschnittlichen Einkaufszeit von etwa 30 Minuten eine effektive Ladezeit von 20 Minuten ergebe, denn die Batterien müssten erst anlaufen. Der Betreiber des neuen Rewe-Markts scheint das nicht so zu sehen. "Derzeit ist vom Mieter geplant, zwei E-Tankstellen zu errichten", teilt Jasmin Stöcklhuber vom Projektentwickler, der Firma Gaschler, mit.


Elektromobilität: Wo steht die Stadt Bad Brückenau?

Stadtwerke Eine Ladestation, an der man zwei Fahrzeuge gleichzeitig aufladen kann, gibt es bereits auf dem Sinnauplatz. Sie soll bald auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Weitere Ladestationen sind in Planung. Außerdem nutzen die Stadtwerke einen gemieteten E-Transporter. Zwei weitere sind bestellt worden.

Parkplatz Aktuell plant die Stadt den Ausbau des Parkplatzes gegenüber vom neuen Haus Waldenfels. Zwei Ladestationen seien vorgesehen, die Verlegung der Leerrohre sei bereits in die Kostenkalkulation eingeflossen, berichtet Leo Romeis, Bereichsleiter Finanzen und Tourismus am Rathaus. Die Ladestationen selbst sind nicht Teil des Kostenvoranschlags, ein Förderantrag ist noch nicht gestellt worden. Der Parkplatz an der Obermang ist schon im Jahr 2014 fertiggestellt worden. Dort gibt es keine Ladestation für Elektroautos.

Stadtverwaltung Bisher ist die Stadt Bad Brückenau noch nicht mit eigenen Elektroautos ausgestattet. Für dieses Jahr stehen aber Haushaltsmittel bereit, um ein Fahrzeug anzuschaffen. Was für Initiativen der Landkreis Bad Kissingen zur Elektromobilität plant, lesen Sie hier.

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