Bad Brückenau
Karneval

Eine Tradition ist wiederbelebt

Der Jubiläumskostümball anlässlich 60 Jahre organisiertem Fasching in Bad Brückenau kam gut an. Das Motto "Sternenglanz" erfüllten etliche Besucher mit ihrer Verkleidung.
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Die Tänzerinnen der Nachwuchsgarde traten beim Bad Brückenauer Jubiläumskostümball in Bad Brückenau auf. Fotos: Thomas Dill
Die Tänzerinnen der Nachwuchsgarde traten beim Bad Brückenauer Jubiläumskostümball in Bad Brückenau auf. Fotos: Thomas Dill
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von unserem Mitarbeiter Thomas Dill

Bad Brückenau — "Zur Fastnacht wird unser Völklein in besonderer Stärke vom Taumel erfasst. Ergötzen sich die Alten beim Mummenschanz im Wirtshaus, so tummeln sich die Jungen maskiert auf den Straßen und sammeln von Hof zu Hof Kräbbel und was sonst die Bäuerin spenden mag", so beschreibt Fritz Dunkel den brauchtümlichen Fasching in Brückenau in seinem Heimatbuch.
"Früher wurde in der Stadt urtümlich Rhöner Schabernack getrieben, mit gefüllten Schweinsblasen, mit einfachen Musikinstrumenten, 1858 dann der Ball des Schützenvereins als erstmals dokumentierter Ball in der Rheinischen Karnevalstradition als Maskenball- und in dieser Tradition sehen wir auch den heutigen Ball", erklärte Sitzungspräsident Dieter Seban in seiner Eröffnungsrede. Während des gesamten Abends liefen im Hintergrund der Showbühne Aufnahmen aus den vergangenen 60 Jahren Fasching.

Fahnenband als Geschenk

Erfreulich fand Dieter Seban die hohe Anzahl früherer Würdenträger des Brückenauer Faschings. Dienstälteste Prinzessin ist wohl Helga Dill (77 Jahre), die 1954 mit ihrem späteren Mann Anton das Prinzenpaar stellte. "Kathi vom anderen Stern", vertrat als Sternschnuppe Bürgermeisterin Brigitte Meyerdirks. Früher ging sie in ihrem Heimatdialekt als Marktfrau Kathi in die Brückenauer Bütt. Als Gastgeschenk der Stadt, die Gründungsmitglied der Gesellschaft war, überreichte sie ein Fahnenband.
"Es war mir die ganzen Jahre ein wesentliches Anliegen, diese lange Tradition der Maskenbälle in Bad Brückenau fortzuführen", sagte Sitzungspräsident Dieter Seban, der 1981 als Prinz zur Gesellschaft kam und seitdem als Elferrat, Ordenskanzler, Sitzungspräsident und Vorsitzender den Brückenauer Fasching prägt. Seit 2000 reiht er sich für diese Verdienste in den Kreis der Brückenauer Till-Träger ein. "Trotz aller Widrigkeiten und stetigem Besucherschwund haben wir uns bis zu diesem Ball durchgekämpft und das ausverkaufte Haus, die wie wild Tanzenden und das begeistert aufgenommene Showprogramm geben uns recht."
Showdarbietungen verkürzten die Tanzpausen des Duos "Die Finkenberger". Die Garde der Jüngsten nutzte mit ihrem Tanz die ganz Bühne, den Raum brauchte auch die Gardevereinigung aus Teenies und Prinzengarde bei der gemeinsamen Präsentation. Glanzpunkt des Abends war der Showtanz der Gruppe zum Motto "Starlight Express". Jakob Euba, ein Ballgast, sagte: "Ich bin ja verwöhnt von der Showqualität etwas sinnaufwärts, aber dieser Showtanz ist nicht mehr zu toppen und war vom Allerfeinsten".
Überraschungsgäste gab es gegen Mitternacht: Ein Männerballett aus dem Ort Rosa. Rosa liegt bei Breitungen in Thüringen. Eine frühere Gardistin aus Römershag ist dorthin verheiratet, und so kommt ein "Rosa Männerballett" zum Maskenball nach Bad Brückenau, um, wie üblich, allmählich tänzerisch die Hüllen fallen zu lassen.

Pures Lokalkolorit

Walter Schöpfner, der 80-jährige Ehrensenator, Sitzungspräsident in den 60-er Jahren und Till-Träger des Vereins, trieb es jedoch nach den Showvorführungen aus dem Saal: "Es war ein toller Abend, aber in meinem Alter ist die Lautstärke eines Faschingssaals nicht mehr zu lange auszuhalten". Er ergänzte: "Die Fasnacht früher kann man nur schwer mit dem heutigen Fasching vergleichen, früher war das pures Lokalkolorit, die große weite Welt kam da nur durch die thematisch verkleideten Gäste in den Saal."
Motto der Maskenprämierung war der "Sternenglanz" des Maskenballs. Manch funkelndes Einzelkostüm und ganze Sternschnuppengruppen bevölkerten Tanzfläche, Saal und Bar, so dass der Jury die Wahl nicht leicht gemacht wurde.
"Es war die richtige Entscheidung, mit unserem Maskenball aus der Georgihalle ins Pfarrheim zu wechseln. Das Flair des Pfarrheims ist halt einfach einzigartig", sagte Vereinsvorsitzende Gabi Pankerl, seit 1976 im Verein aktiv als Gardistin, Gardetrainerin und Vorsitzende. "Vielleicht lebt mit dem heutigen Ball die lange Tradition der Maskenbälle im Pfarrheim wieder auf, und andere Vereine riskieren auch wieder einen Faschingsball." Verstärkt wird ihre Aussage durch Sätze aus dem Publikum wie: "Endlich mal wieder in der Stadt faschingsmäßig tanzen, das hat richtig Spaß gemacht." "Superstimmung, volles Haus, tolles Showprogramm, da freuen wir uns schon auf den Faschingszug".
Der Faschingszug wird Abschluss der Jubiläumssession sein und sicher wieder einer der größten Züge im nördlichen Unterfranken bilden. Jedenfalls hat auch der Faschingszug eine Tradition bis zurück ins späte 19. Jahrhundert, die von den rührigen Karnevalisten um Dieter Seban und Gabi Pankerl erfolgreich in der heutigen Zeit weitergeführt wird.

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