Riedenberg
Bahntrasse

Die Abrissbagger beenden in Riedenberg eine Ära

Nach 108 Jahren ist die Bahnlinie im Oberen Sinngrund nun auch in Riedenberg Geschichte.
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Die Schienen verschwinden aus dem Ortsbild. Foto: Evelyn Schneider
Die Schienen verschwinden aus dem Ortsbild. Foto: Evelyn Schneider
In der vergangenen Woche war es soweit. Die Abbruchmaschinen machten den Schienen mit viel Lärm und rasantem Tempo den Garaus.

1908 war die Bahnstrecke gebaut und am 17. Dezember des selben Jahres mit viel Aufhebens eröffnet worden. Die Bewohner der an der Bahnl liegenden Ortschaften beteiligten sich zahlreich an den angebotenen Sonderfahrten. Mit Böllerschüssen, Musikvorträgen und Gesang der Schuljugend wurde in Riedenberg der erste Zug bei seinem Eintreffen begrüßt. Das "Schwarze Gold der Rhön" hatte die Bahn in den Oberen Sinngrund gelockt und so herrschte gerade in Riedenberg ein sehr reger Zugverkehr mitten durch das Dorf. Nach dem Krieg führte die Stationierung der Amerikaner und der Bundeswehr zu einen starken Frequentierung.


Katastrophale Explosion

Zu einer großen Katastrophe kam es durch die Explosion eines Munitionszuges. Dieser Zug wurde nach dem Einmarsch der Amerikaner von Soldaten bewacht. Durch Unvorsichtigkeit im Umgang mit Schusswaffen wurde am 27. Juli 1945 die Ladung eines der Waggons entzündet. Es gab einen fürchterlichen Schlag, sogar auf dem Feld arbeitende Leute wurden von dem Luftdruck umgeworfen. Schwere Teile flogen über weite Strecken durch die Luft. Der ganze Ort wurde mit glühenden Teilen, mit Eisenbrocken und Munitionsteilen überschüttet. Diese schlugen vielfach in Gebäude ein und verursachten Brände. Bis spät in die Nacht hielten die Explosionen an. Acht Wohnhäuser brannten nieder, zwei wurden stark beschädigt. 14 Scheunen und zwölf Ställe sowie die Feuerwehrgerätehalle wurden ebenfalls ein Raub der Flammen.

Genau 80 Jahre nach der Eröffnung der Bahnstrecke wurde sie für den Personenverkehr stillgelegt. Die letzte Fahrt fand am 27. Mai 1988 statt. Der Güterverkehr wurde 1998 beendet. Die großen Firmen wie Paul & Co mussten ihren Gütertransport auf die Straße verlegen. Das war dann das endgültige Aus für die Bahnlinie.
16 Jahre kämpfte man dann um einen Radweg auf der Trasse. Nun wurden die 3557 Meter Gleis in Riedenberg innerhalb von nur zwei Tagen abgebaut. Der weitere Abbau allerdings wird sich noch verzögern, da man auf die Weiterbaugenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde warten muss. Auch wollen die Anliegergemeinden bei der Regierung von Unterfranken um eine komplette Asphaltierung und deren Bezuschussung ersuchen.


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