Bad Brückenau
Südlink

Der Netzausbau, die Politik und das lange Warten

Viel Wasser ist die Sinn hinab geflossen, seitdem in Berlin der Rahmen für den Bau der Stromtrasse Südlink festgezurrt wurde. Ein Rückblick.
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Meike aus Römershag protestiert gegen die Stromtrasse Südlink mit einem selbst gemalten Plakat. Foto: Ulrike Müller/Archiv
Meike aus Römershag protestiert gegen die Stromtrasse Südlink mit einem selbst gemalten Plakat. Foto: Ulrike Müller/Archiv
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Vor einem Jahr, da reiste Jochen Vogel regelmäßig nach München. Ilse Aigner, die bayerische Wirtschaftsministerin, hatte zum Energiedialog geladen, und der Vorsitzende der Initiative "Rhönlink" trug den Protest der Rhöner gegen den Bau der Stromtrasse Südlink vor. Damals wurde viel über den Bedarf neuer Leitungen diskutiert. Den nämlich stellte der Freistaat Bayern vehement in Frage - Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) höchstpersönlich verärgerte die gesamte Republik mit dem "bayerischen Sonderweg der Energiewende".

Nach drei Monaten - Anfang Februar dieses Jahres - ging der Energiedialog zu Ende. Wer konkrete Aussagen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Schnell wurde klar: Der Energiedialog war nicht mehr als ein Paket bayerischer Forderungen, die nun wiederum Seehofer nach Berlin zu den Koalitionspartnern CDU und SPD trug. Am 3. Juli einigte sich die Koalitionsspitze. Das Ergebnis: Südlink wird gebaut, allerdings nicht als Freileitung, sondern per Erdverkabelung. Wo es geht, soll der Strom über bestehenden Trassen geführt werden. Und: Die "Inanspruchnahme besonders schützenswerter Bereiche" solle vermieden werden. Die Rhön jubelte.


Alles auf Anfang

Was nun passierte, mutete merkwürdig an. Die CSU sagte: Wir haben die Monstertrassen verhindert. Die Grünen sagten: Das haben wir doch gleich gesagt. Die Freien Wähler sagten: Erdkabel sind auch keine Lösung. Und der Bundesverband der Bürgerinitiativen gegen Südlink sagte: Der Bedarf ist nach wie vor nicht geklärt. Und es gab noch jemand, der sich zu Wort meldete. Tennet, der Netzbetreiber, der für den Bau von Südlink verantwortlich ist. Tennet sagte: Jetzt müssen wir wieder von vorne anfangen.

Am 7. Oktober beschloss das Bundeskabinett einen Entwurf, der den Willen der Koalition in Gesetzesform gießt. Verabschiedet werden soll das Gesetz noch in diesem Jahr. Erst wenn das neue Bundesbedarfsplangesetz rechtskräftig ist, wird Tennet die Methode entwickeln, nach der Trassenkorridore für Erdkabel ausfindig gemacht werden. Dann werden Planungsellipsen gemalt, Schutzgebiete ausgewertet, Trassen und Alternativ-Trassen eingezeichnet und irgendwann wieder die Bürger befragt. Das Warten geht weiter.
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