Bad Brückenau
Fahrradmuseum

Das Fahrrad feiert Geburtstag, Bad Brückenau mit

Zum Beginn des 200. Jubiläumsjahres des Fahrrads lohnt sich ein Blick ins deutsche Fahrradmuseum in Bad Brückenau und eine Vorschau auf das Jahr 2017.
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Expertin Mona Buchmann führt die Besucher ausführlich durch die chronologisch angelegte Ausstellung. Foto: Julia Raab
Expertin Mona Buchmann führt die Besucher ausführlich durch die chronologisch angelegte Ausstellung. Foto: Julia Raab
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Vielen ist der Name Freiherr von Drais nicht geläufig, obwohl er vor fast genau 200 Jahren eine der großen Erfindungen der Menschheitsgeschichte gemacht hat. Das Fahrrad gehört zum alltäglichen Leben, kaum einer macht sich noch besondere Gedanken darum, allenthalben nehmen wir die rasante technische Entwicklung wahr, die auch vor dem Fahrrad nicht Halt gemacht hat.
Doch die Geschichte des Fahrrades ist so eng mit wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und sozialem Geschehen und mit vielen persönlichen Emotionen verbunden, dass es sich lohnt, zum Geburtstag des Fahrrades einen neuen Blick auf dieses Kulturgut zu werfen.


In eine andere Zeit versetzt

Museumsbesuche haben zuweilen etwas Verstaubtes. Betritt man hingegen das alte Jugendstilgebäude "Villa Füglein" im Staatsbad von Bad Brückenau, wo sich das Deutsche Fahrradmuseum seit dem Jahr 2004 befindet, dann fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Im ersten Stock beginnt die chronologisch aufgebaute Ausstellung, auf dem Weg dorthin begegnet man vielen Zweirädern, die Erinnerungen an Kindheit oder Jugend aufkommen lassen. Je älter der Besucher, desto nostalgischer sei die Verbindung zu den Zweirädern, sagt Mona Buchmann, mitarbeitende Gesellschafterin des Deutschen Fahrradmuseums. Skurrile, historische und praktische Räder zieren den Aufgang und die Flure des Museums. Der Weg durch das Haus mit den vielen, aneinandergereihten Räumen ist ideal, um die Epochen der Fahrradgeschichte dazustellen.


Entstehung des Museums

Das Deutsche Fahrradmuseum ist aus einer persönlichen Sammelleidenschaft des Geschäftsführers Ivan Sojc entstanden. Verständlich, dass persönliches Interesse am Thema dazu führte, dass Sojc und Mitinitiatorin Buchmann im Jahre 2004 mit ihrem Museum nicht in eine Großstadt ziehen wollten, wo sie sich vielen Vorgaben hätten beugen müssen. "Wir wollten autark bleiben und hier in Bad Brückenau haben wir die idealen Bedingungen gefunden", erklärt Buchmann. Zentral gelegen an der A 7 mitten in Deutschland, sei es für viele Besucher gut zu erreichen. Doch ihr größter Erfolg sei, dass es sie nach 14 Jahren überhaupt noch gebe, ergänzt die Gesellschafterin, die für die museumspädagogische Arbeit zuständig ist. Das technische Knowhow, die Restauration und die große Sammelleidenschaft stammen von Ivan Sojc.


Eine lange Durststrecke

Erfahren und lebendig beschreibt Buchmann die Anfänge des Ur-Fahrrads, der Laufmaschine und Drais selbst, der wegen seiner demokratischen und anti-adeligen Einstellung verfolgt und gedemütigt wurde. Erst 100 Jahre nach seiner Erfindung kam das Fahrrad in den Alltagsgebrauch. "Durch industrielle Fertigung und der gesellschaftlichen Entwicklung konnten nun auch normale Arbeiter auf ein Fahrrad sparen", erklärt Buchmann. Und dann spricht die Expertin die vielen persönlichen Geschichten an, die das Thema so lebendig machen.


Skurile Zusammenhänge

"Hätten Sie gewusst, dass es weniger Inzucht gab, weil die Menschen mit dem Fahrrad in die weiter gelegenen Dörfer radeln konnten?", fragt sie amüsiert. Oder dass die Arbeiter von den Fabriken wegzogen und sich dabei die Lebensqualität für viele verbesserte? Sie konnten weitere Wegstrecken in Kauf nehmen und sich einen eigenen Garten anlegen. Diese - sicherlich nicht neuen, aber dennoch interessanten - Details bekommen in diesem Museum eine ganz neue Note. Wie eng das Leben des Menschen im letzten Jahrhundert mit der Fortbewegung auf zwei Rädern verknüpft ist, zeigt diese Ausstellung und viele kleinere Wanderausstellungen des Museums, die in ganz Deutschland zu finden sind. "Wir haben momentan sehr viele Anfragen. In Mannheim und Karlsruhe beispielsweise - der Herkunftsregion von Drais - gibt es im Jubiläumsjahr viele Angebote rund ums Fahrrad. Auch dort sind wir unter anderem mit dabei", erklärt Buchmann.


Stadt ist Gesellschafter

Finanziert wird das Museum Mithilfe der Stadt Bad Brückenau, die Gesellschafterin der GmbH ist und sich an den alljährlichen Betriebskosten beteiligt. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) ist stolz, das Museum in Bad Brückenau zu haben: "Unser Fahrradmuseum als das Deutsche Fahrradmuseum, bildet einen ganz wichtigen Mosaikstein in der Kulturlandschaft unserer Stadt. Mit dieser großartigen Einrichtung können wir den Gästen unserer Stadt interessante Einblicke in die Gründungszeit der Mobilität geben und gibt uns die Möglichkeit, ein kleines Alleinstellungsmerkmal in der touristischen Welt anzubieten".


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