Staatsbad Bad Brückenau
Konzert

"Brückenauer Tangoorchester" spielt mit dem Feuer

Das Bayerische Kammerorchester widmete sich in seinem Brückenauer Sommerkonzert dem Element Feuer in mehreren Facetten. Die Sopranistin Ruth Ziesak brilliert selbst in den technisch schwierigsten Passagen.
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Ruth Ziesak singt Mozarts "Ah, lo previdi! - Deh, non varcar", Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester.  Foto: Kerstin Junker
Ruth Ziesak singt Mozarts "Ah, lo previdi! - Deh, non varcar", Rezitativ und Arie für Sopran und Orchester. Foto: Kerstin Junker
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Schwefeldämpfe wabern über den Boden; Teufelchen strecken die Klauen nach Don Giovanni aus. Das hat er nun davon, der Verführer, der Lebemann, von seinem sündigen Leben. Gleich wird das Inferno losbrechen, die Höllenfahrt. Schon greift der Teufelsdiener nach ihm, wird ihn gnadenlos hinabzuziehen ins ewige Feuer.

Es ist der dritte Satz von Luigi Boccerinis bekanntester Sinfonie d-Moll, "Haus des Teufels", geschrieben 1771. Sie bedeutet den Auftakt zum Sommerkonzert des Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau im König-Ludwig-I-Saal im Staatsbad. Nachdem Dirigent Johannes Moesus und sein Orchester die zwei bisherigen Auftritte in der Vier-Elemente-Reihe dem "Wasser" und der "Luft" widmeten, spielt das Ensemble nun ganz mit dem Feuer. Und zwar in vielen Facetten.

Höllenfeuer lodert durch Musik

Bei Boccerini (1743 bis 1805), der an der Schwelle von Frühklassik zu Klassik komponierte und als ein Erfinder der Sinfonie gilt, lassen die Musiker das Höllenfeuer förmlich durch die Musik lodern. Schwere Bläser künden zu Beginn des dritten Satzes von der Übermächtigkeit und Qualen der Hölle. Schwach dagegen das Klagen Don Giovannis über sein unausweichliches Schicksal, wiedergegeben durch sanfte Streicher.

Das Stück schaukelt sich auf; Don Giovanni und der Höllenfürst scheinen miteinander zu ringen. Doch am Ende triumphiert unter dramatischen Klängen das Böse. Der Sünder fährt zur Hölle.

"Brennende Leidenschaft, feurige Augen und flammende Herzen" - Johannes Moesus zeigt in seiner Anmoderation zum zweiten Stück, dass Feuer nicht nur Materie, sondern auch Emotion sein kann. Und dass das Kammerorchester den Begriff nicht so eng auslegt.Es spielt "Libertango", geschrieben erst 1973 vom Argentinier Astor Piazzolla (1921 bis 1992). Der Tango als Inbegriff des Liebesfeuers, der lodernden Leidenschaft. Moesus erklärt seinen Klangkörper kurzerhand zum "Bad Brückenauer Tangoorchester".

Klagende Geige

Gegen Ende des Konzertes wird er einen weiteren Piazzolla-Tango dirigieren: "Oblivion" - Vergessen. Hatte mancher Zuhörer schon beim Libertango den Eindruck, er passe gut zu einer Liebesschnulze, stammt dieses Stück wirklich aus einem Film. 1984 untermalte es den Liebesschmerz von Marcello Mastroianni und Claudia Cardinale in "Henry IV".

Bei dem Stück glänzte mit seiner klagenden Geige Konzertmeister Sreten Krstic. Er spielt sonst bei den Münchner Philharmonikern.

Als Boccerini seine teuflische Sinfonie komponierte, war Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) 15 Jahre alt. Auch er hat brennenden Liebesschmerz empfunden - und ihn in Konzertarien verarbeitet. Nun sind "Bella mia fiamma - Resta, oh cara", "E Susanna non vien - Dove sono i bei momenti" (aus "Figaros Hochzeit") und "Ah, lo previdi! - Deh, non varcar" schwer zu singen, weil sie viele Halbtöne und Coloraturen enthalten.

Liebesschmerz authentisch nahe

Doch die Sopranistin Ruth Ziesak - der Star des Abends - meisterte diese technisch schwierigen Passagen. Und brachte dem Publikum den Liebesschmerz der jeweils verlassenen und verzweifelten Damen absolut authentisch nahe. Sicher der Höhepunkt des Sommerkonzerts, den die Zuhörer besonders mit Applaus bedachten.
Eigentlich nichts mit Glut und Hitze zu tun hat die Sinfonie A-Dur von Joseph Haydn (1732 bis 1809). Dennoch firmiert sie unter dem Namen "Feuersinfonie".

Ein besonders lodernder Einfall eines Verlegers, berichtete Johannes Moesus. Der einfallsreiche frühe Marketingstratege empfand "den Stil der Sinfonie als besonders feurig und temperamentvoll". Ein Eindruck, der stimmt. Beginnt das Werk doch sehr zackig. Bei der Zugabe verwandelte sich das Ensemble wieder - wie konnte es anders sein - in das Bad Brückenauer Tangoorchester. Das Lied stammt aus dem Film "Der Duft der Frauen". Al Pacino tanzt Tango dazu. Bei wem da nicht das Feuer für Filmmelodien entbrannte, war selber schuld.
Kerstin Junker und Steffen Standke

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