Bad Brückenau
Schule

Brasiliens Straßenkinder machen Brückenaus Gymnasiasten betroffen

Bad Brückenaus Gymnasiasten sind vom Michael Scholzes Vortrag über die Situation der Straßenkinder in Brasilien ergriffen.
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Sehr konzentriert lauschten die Brückenauer Zehntklässer dem Vortrag von Michael Scholze. Sie stellten viele Fragen. Foto: Brigitta Kempe-Wolf
Sehr konzentriert lauschten die Brückenauer Zehntklässer dem Vortrag von Michael Scholze. Sie stellten viele Fragen. Foto: Brigitta Kempe-Wolf
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Große Aufmerksamkeit zeigten die Schüler der zehnten Klassen im Franz-Miltenberger-Gymnasium beim Vortrag von Michael Scholze über die Situation der Straßenkinder im brasilianischen Recife. Den stellvertretenden Schulleiter Dirk Hönerlage freute das Interesse der Schüler, bei "einer ganz anderen Art von Unterricht, um den Horizont zu erweitern und dazuzulernen".

Scholze hatte einen Film des WDR mitgebracht, in dem die Situation der Straßenkinder verdeutlicht wurde. "Die Glitzerwelt, die wir bei der Fußball-WM sehen konnten, hat nichts mit der Realität dieser Kinder zu tun", sagte er, "doch der Fußball verbindet die zwei Welten". Es wurde gezeigt, wie sich Rosie, eine Sozialarbeiterin der Gruppe "Ruas e Parcas" bemühte, vier Geschwistern zu helfen, die auf der Straße leben und deren Tag bestimmt ist durch die Organisation von Essen und Drogen. Die Drogen sind das größte Problem, schildert Scholze. Er erklärt, dass inzwischen 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen von Crack abhängig sind und die Todesrate sehr hoch ist. "Crack macht unsere Arbeit unglaublich schwierig. Die Kinder und Jugendlichen sind kaum noch ansprechbar, liegen regungslos auf dem Boden oder krümmen sich vor Schmerzen", beschreibt er. "Wir wissen manchmal fast nicht mehr, was wir machen sollen."


Bauernhof außerhalb der Stadt

Die Organisation betreibt einen Bauernhof außerhalb der Stadt, dort gibt es die Möglichkeit ein geregeltes Leben zu lernen und zu führen. Keinerlei Drogen, zur Schule gehen, Verantwortung übernehmen für ein sauberes Haus, helfen in Küche, Garten und Landwirtschaft, Tiere hegen und pflegen. Maximal zwölf Kinder können aufgenommen werden, die zwei bis vier Jahren bleiben können. "Leider schaffen es nicht alle, draußen zurecht zu kommen", beantwortet Scholze die Frage eines Schülers, "momentan sind es nur etwa 20 Prozent, es waren schon deutlich mehr". Die Gruppe "Ruas e Parcas" ist die letzte Nicht-Regierungs-Organisation, die sich für die Kinder einsetzt, die Überforderung werde immer größer. Brasilien habe momentan die größte Krise zu meistern, Lehrer würden nicht mehr bezahlt, überall fehle es an Geld.


Banger Blick auf Olympia

Von Caritas und Misereor kommt Hilfe für einen Teil der Grundfinanzierung, ein Erzieher erhält 430 Euro monatlich, die Stadt Karlsruhe beteiligt sich an den Verwaltungskosten.

Die Betroffenheit der Schüler war in ihrer Fragestellung und den Ausführungen von Michael Scholze deutlich zu spüren. Ein Rückblick auf die WM 2014 und die elf neu erbauten Stadien mache die Tatsachen nicht besser, und "die Olympiade in Rio wird bitter", sei keine so angenehme Aussicht, betonte Scholze.


Engagement


Michael Scholze ist Vorsitzender der "Arbeitsgruppe Recife e.V." mit Sitz in Karlsruhe. Seit 1992 werden Partnerorganisationen der "Grupo Ruas e Parcas" in Recife bei ihrer Arbeit mit Straßenkindern unterstützt. Seit etwa zehn Jahren engagiert sich die "Eine-Welt-Gruppe Bad Brückenau" für dieses Projekt mit Spenden und setzt auf persönliche Kontakte.

Der enge Kontakt zu den Partnern in Brasilien ist der Organisation besonders wichtig. Michael Scholze verbringt dort regelmäßig seinen Jahresurlaub, um die Arbeit vor Ort aktiv zu unterstützen.

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