Bad Brückenau
Interview

Biosphärenreservat kein Trumpf gegen Südlink-Trasse

Das Biosphärenreservat Rhön wird im Landkreis Bad Kissingen als Trumpf gegen den Bau der Gleichstromtrasse Südlink gehandelt. Doch Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, dämpft die Hoffnungen der Bürger.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die schraffierten Linien zeigen die Trassenkorridore. Grafik: Franziska Schäfer, Quelle: Landratsamt Bad Kissingen
Die schraffierten Linien zeigen die Trassenkorridore. Grafik: Franziska Schäfer, Quelle: Landratsamt Bad Kissingen
+1 Bild
Wenn in Berlin über den Bau der Stromtrasse Südlink diskutiert wird, sitzt Jochen Ho mann mit am Tisch. Als Präsident der Bundesnetzagentur ist er für das formelle Verfahren zuständig, mit dem der Verlauf der Trasse endgültig festgelegt wird. Im Gespräch mit der Saa le-Zeitung spricht Homann über Tennet, die Kernzonen im Biosphärenreservat Rhön und darüber, warum sich das alles so lange hinzieht.

Herr Homann, bis zum 15. Mai können die Bürger ihre Einwände gegen den Bau von Südlink bei der Bundesnetzagentur einreichen. Wie groß ist die Beteiligung?
Jochen Homann: Aktuell haben wir etwa 5000 Stellungnahmen zum Gesamtprojekt Südlink. Es werden aber bis zum 15. Mai si cherlich noch mehr werden.

Was passiert mit den Einwänden?
Wir werden uns die Einwände der Bürger genau anschauen. Wenn das formelle Verfahren mit den Antragskonferenzen startet, sind so die wesentlichen Argumente bekannt. Das ist na türlich ein Vorteil, weil so Konflikte möglicherweise schon frühzeitig aufgelöst werden kön nen.

Eigentlich sollten die Antragskonferenzen ja im Frühling starten. Dann hieß es, im Sommer geht's los. Mittlerweile ist von Herbst die Rede. Woran hakt's?
Wir warten auf den nachge besserten Antrag vom Netz betreiber Tennet. Der Bau einer sol chen Trasse über mehrere hundert Kilometer ist ein sehr komplexes Projekt. Das braucht einfach Zeit.

Wie werden die Antragskonferenzen im Landkreis Bad Kissingen ablaufen?
Wir wollen das kleinräumig or ganisieren. Die Konferenzen müssen für die Bürger leicht zu erreichen sein. Wie und wo das allerdings konkret sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Auch Tennet hat Veranstaltungen in der Region abgehalten ... Sind die Antragskonferenzen der Bundesnetzagentur ein Feigenblatt?
Das können sie gar nicht sein. Die Antragskonferenzen sind Bestandteil und Eröffnung des formellen Verfahrens. Es ist klug, die Bürger von Anfang an in die Planungen mit einzubeziehen. Deshalb waren die Info-Märkte von Tennet auch kein Feigenblatt. Informationen wer den so transparent.

Wie zum Beispiel die Information, dass das Biosphärenreservat Rhön im vergangenen Jahr erweitert wurde. Sind Kernzonen eigentlich ein K.-o.-Kriterium für Südlink?
Es gibt kein K.-o.-Kriterium. Es wird immer Abwägungen ge ben müssen.

Immer wieder wird auch eine al ter native Trassenführung durch Thüringen gefordert ...
Wenn über Alternativen diskutiert wird, dann auf der Grundlage von Vorschlägen aus den In fo-Veranstaltungen oder spä ter bei der formellen Be tei li gung.

Unterstützt die Bundesnetzagentur die Forderung, den Trassenverlauf durch Thüringen zu prüfen?
Es ist Aufgabe des jeweiligen Übertragungsnetzbetreibers - hier also Tennet - , einen bevorzugten Trassenkorridor zu beantragen und gegebenenfalls Alternativen hierzu zu benennen. Die Bundesnetzagentur macht keine Vorgaben zu einer Trassenführung. Sie ist dazu auch gar nicht berechtigt.

Für viele sind Erdkabel die Lösung, damit die Bevölkerung den Bau neuer Leitungen akzeptiert. Wie sieht die gesetzliche Grundlage für eine Erdverkabelung von Süd link aus?
Die Erweiterung der Erdkabelverwendung in der Novelle des EEG habe ich sehr begrüßt, da gerade diese Option vor Ort die Diskussion und Akzeptanz erleichtern kann.Grundsätzlich ist Südlink aber als Freileitung geplant, wobei Teilabschnitte unter die Erde gelegt werden können, wo es technisch sinnvoll ist.

Was halten Sie von der Anti-Trassen-Klausel von Ministerpräsident Horst Seehofer? Schutzwürdige Landschaften könnten im Landesentwicklungsprogramm vom Trassenbau ausgeschlossen werden.
Ich möchte den Netzausbau im Einklang mit den Landesentwicklungsprogrammen verwirklichen. Es macht für eine Behörde keinen Sinn, gegen die Landespolitik Sturm zu laufen. Ich setze darauf, dass wir am En de einvernehmlich zu Lösungen kommen.

Die letzte Entscheidung über den Bau von Südlink treffen die Politiker in Berlin. Die Koalition lässt sich aber Zeit ... Gibt es einen Point of no Return?
Im Jahr 2022 werden die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet, bis dahin sollte ein Großteil der Leitungen gebaut werden. Das ist schon ein enger Zeit rahmen für den Bau solcher Stromtrassen. Jetzt ist der Zeitpunkt für Entscheidungen. Wir haben seit der Verabschiedung des Bun desbedarfsplangesetzes im Som mer 2013 schon etwas Zeit verloren.

Mit 525-kV-Gleichstromkabeln der Firma ABB aus Mannheim könnte die gesamte Trasse verkabelt werden. Bezieht die Bundesnetzagentur diese technische Wei terentwicklung mit ein?
Aus Sicht der Bundesnetzagentur ist es gar nicht sinnvoll, die Trasse komplett zu verkabeln. Es gibt Abschnitte, wo das nicht geht oder von den Betroffenen nicht gewünscht ist, zum Beispiel in der Landwirtschaft. An sonsten gilt für mich: Wir warten gespannt auf das neue Erdkabelgesetz, das derzeit in Berlin diskutiert wird.

Und was die Weiterentwicklung der Technik angeht ...
Darüber wird im weiteren Verfahren entschieden, so weit sind wir noch nicht. Wir reden hier ja nicht von Wo chen und Monaten, sondern von Jahren. Bis dahin sind vielleicht noch andere Ent wicklungen auf dem Markt.

Hintergrund zur Stromtrasse Südlink

Südlink ist der Name einer Gleichstromtrasse, die Strom aus dem Norden in den Süden transportieren soll. Das Projekt Südlink beinhaltet zwei Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ), die aber auf einer Trasse laufen. Die Verbindung führt einmal von Wilster nach Grafenrheinfeld und zum anderen von Brunsbüttel nach Großgartach in Baden-Württemberg.

Energiewende Mit dem Bau von Südlink soll sichergestellt werden, dass der Strom, der durch Windenergie im Norden gewonnen wird, im Süden ankommt. Dort stehen besonders viele Kernkraftwerke, die bis 2022 abgeschaltet werden.

Bundesbedarfsplan Der Bau von Südlink wurde im Sommer 2013 vom Deutschen Bundestag beschlossen. Aktuell verhandelt die große Koalition über Details des Netzausbaus. Eine Entscheidung soll vor der Sommerpause fallen.

Aktueller Stand Planer, Bauer und Betreiber von Südlink ist der Netzbetreiber Tennet. Das Unternehmen arbeitet derzeit an der Überarbeitung der Antragsunterlagen und aktualisiert die Datensätze in der gesamten Planungsellipse (ca. ein Viertel der gesamten Fläche der Bundesrepublik) - und damit in allen Korridoren unabhängig von den ersten Vorschlägen. Die Recherche wird begleitet durch einen Fachdialog mit den Ländern, Landkreisen, Verbänden und Vereinen. Nach Fertigstellung der Unterlagen wird die Bundesnetzagentur Termine für Antragskonferenzen festlegen.
uli












Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren