Bad Brückenau

Bad Brückenaus Tafel ist viel mehr als das tägliche Brot

Organisationsvermögen und Improvisationstalent sind gefragt, wenn im Altlandkreis bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden. Hier leistet seit zehn Jahren die Brückenauer Tafel ganze Arbeit.
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Nichts geht ohne eine exakte Organisation: Vorsitzender Hans-Jürgen Schelle (links) und dessen Stellvertreter Klaus Hartmann besprechen den Tourenplan zur Abholung der Lebensmittel.  Foto: Rolf Pralle
Nichts geht ohne eine exakte Organisation: Vorsitzender Hans-Jürgen Schelle (links) und dessen Stellvertreter Klaus Hartmann besprechen den Tourenplan zur Abholung der Lebensmittel. Foto: Rolf Pralle
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Das sprichwörtliche tägliche Brot wird leider viel zu oft einfach weggeschmissen. Verbraucher verwechseln noch immer das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Verfallsdatum. Größtenteils einwandfreie Lebensmittel landen in der Biotonne. Dabei gibt es etliche Menschen im Altlandkreis, die froh sind, überhaupt etwas auf dem Tisch zu haben. Ihnen hilft seit nunmehr schon zehn Jahren die Brückenauer Tafel. "Zur Zeit haben wir zwischen 70 und 90 Kunden, wobei hinter vielen Kunden in der Regel mehrere Familienmitglieder stehen", sagt Hans-Jürgen Schelle, der dem Verein seit knapp zwei Jahren vorsteht. Er hat hochgerechnet, dass von ihm und seinen Mitstreitern zur Zeit im Schnitt rund 220 Personen versorgt werden.

65 Freiwillige

Ohne fleißige Helfer läuft da natürlich nichts. Insgesamt packen 65 Freiwillige mit an, die sich bei der Arbeit im drei- bis vierwöchigen Turnus abwechseln. Und Arbeit gibt es im Verein, der im Augenblick 95 beitragspflichtige Mitglieder zählt, wahrlich genug. Die Palette an Aufgaben reicht von der Abholung der Lebensmittel bei den einzelnen Unternehmen über die Sortierung bis hin zur Verteilung, die jeweils mittwochs im alten Landratsamt in der Kirchgasse über die Bühne geht.

"Die Vorbereitung bis zur Warenausgabe am Mittwoch nimmt sehr viel Zeit in Anspruch", weiß der stellvertretende Vorsitzende Klaus Hartmann. So sind bereits schon montags immer fünf Helfer aktiv. Bei der reinen Verteilung machen dann 15 Personen mit. Hartmann hat in seine Unterlagen geschaut und addierte über 4000 Arbeitsstunden, die von den Ehrenamtlichen allein im vergangenen Jahr eingebracht worden sind "Da ist die Zeit für Verwaltung und Organisation noch nicht einmal mitgerechnet". Denn organisiert und vor allem improvisiert werden muss fast jede Woche. "Wir wissen nie, wie viel wir bekommen", so Hartmans Erfahrung.

Rund 30.000 Kilogramm Waren

Und noch ein paar interessante Zahlen hat der stellvertretende Vorsitzende parat. Im vergangenen Jahr hätten Großspender der Brückenauer Tafel rund 15 000 Kilogramm an Waren zur Verfügung gestellt, etwa die gleiche Menge hätten noch einmal die örtlichen Supermärkte und Läden gestiftet. 10.000 Kilometer sei man 2014 unterwegs gewesen, um die Lebensmittel einzusammeln. Für den Transport konnte der Verein 2007 einen Fiat Kombi und 2009 zusätzlich ein Kühlfahrzeug anschaffen.

"Das alles wäre ohne durch das enorme Engagement meiner Vorgängerin Jutta Leidenberger, die den Verein bis Juli 2013 leitete, gar nicht möglich gewesen", unterstreicht der aktuelle Vorsitzende Schelle. Mit dem Verhalten ihrer Kunden, deren Bedürftigkeit von den Verantwortlichen einmal im Jahr genau geprüft wird, sind Schelle und Hartmann im Großen und Ganzen zufrieden. Es würde, anders als das beispielsweise in Großstädten der Fall ist, fast keine Reibereien geben. "Die Kunden kennen sich untereinander und erziehen sich so praktisch schon selbst", haben beide übereinstimmend beobachtet. Natürlich würden hier und da spezielle Wünsche geäußert, "aber wir können nur das ausgeben, was wir haben". Schwierig gewesen sei es am Anfang bei den Asylantenfamilien, die auch zur Tafel kommen, "aber nicht regelmäßig", so Hartmann. Er habe für diesen Personenkreis durchaus Verständnis, "denn die kannten viele unserer Lebensmittel ja gar nicht".

Luft nach oben

Und einen kleinen Wunsch hat er auch noch: "Es wäre schön, wenn wir mehr Salat und Gemüse verteilen könnten". Hier gebe es noch Luft nach oben. Darüber hinaus seien jederzeit weitere Helfer bei der Brückenauer Tafel willkommen.

Organisation Die mehr als 900 Tafeln in Deutschland sind gemeinnützige Organisationen. Bundesweit unterstützen sie regelmäßig 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln - knapp ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Unterstützung
Bedürftig sind für die Tafeln alle, die nur über wenig Geld im Monat verfügen können, zum Beispiel weil sie eine kleine Rente haben, Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen.

Nachweis
Damit die Hilfe auch da ankommt, wo sie am dringendsten benötigt wird, lassen sich die Tafeln dieBedürftigkeit ihrer Kunden durch offizielle Dokumente nachweisen.

Quelle: Bundesverband
                       DeutscheTafel



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