Bad Brückenau
Gedenken

Bad Brückenaus 400 Jahre altes Versprechen

Bald prozessieren Brückenauer, Römershager und Riedenberger auf den Volkersberg. Was ist die Mauritius- Prozession, warum ist sie so unbekannt?
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Die Mauritius-Ikone von Maria Schramm hing bis zum Jahre 2012 in der Pfarrkirche St. Bartholomäus. Das Bild ist entnommen aus dem Buch von Guido Sauer (2011): Pilgerstätte Volkersberg, Kultur und Geschichte rund um den Volkersberg, Band 1. Foto: Guido Sauer
Die Mauritius-Ikone von Maria Schramm hing bis zum Jahre 2012 in der Pfarrkirche St. Bartholomäus. Das Bild ist entnommen aus dem Buch von Guido Sauer (2011): Pilgerstätte Volkersberg, Kultur und Geschichte rund um den Volkersberg, Band 1. Foto: Guido Sauer
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Eine eher unbekannte der vier jährlichen katholischen Prozessionen in Bad Brückenau findet dieses Jahr am Sonntag, 25. September, statt. Und doch prozessieren seit über 400 Jahren regelmäßig Katholiken aus Bad Brückenau, Römershag und Riedenberg auf den Volkersberg, um den heiligen Märtyrer Mauritius zu ehren. "Der Ursprung liegt im 16. Jahrhundert und wird bis heute aufgrund eines Versprechens jedes Jahr durchgeführt", erklärt Jürgen Müller, Mesner in der Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus.

Neben der ebenfalls regional verwurzelten Georgs-Prozession im Frühjahr hat die Mauritius-Prozession einen sehr regionalen Charakter. Denn im Jahr 1575 wütete in Bad Brückenau die Pest. Daraufhin gelobten die Bewohner Brückenaus, alljährlich auf den Volkersberg zu wallen, wenn Gott sie von der Pest befreien würde. Tatsächlich verbesserte sich die Lage nur kurze Zeit später.

"Es ist etwas Besonderes, dass es über eine recht kleine Prozession über so lange Zeit hinweg so viele Aufzeichnungen gibt", meint Guido Sauer, der ein Buch über die Volkerser Geschichte geschrieben und sich in diesem Rahmen mit dem Thema der Mauritiusprozession auseinandergesetzt hat. Über die lange Geschichte dieser Prozession in der Bad Brückenauer katholischen Kirche hat Sauer unzählige Dokumente ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass sie "nie über längere Zeit hinweg unterbrochen war". Denn selbst in den pilgerschwachen 1960er-Jahren gab es einige Gemeindemitglieder, die das Versprechen aus dem 16. Jahrhundert ernst nahmen.


Privat gepilgert

"Drei, vier Personen sind trotz Aussetzen der Prozession privat auf den Volkersberg gepilgert", entnimmt Sauer Zeugenberichten aus dieser Zeit. Das älteste schriftliche Zeugnis stammt aus dem Jahr 1598. "Man kann also die Wallfahrt des Mauritius über 400 Jahre nachvollziehen", ist Sauer begeistert. Und das sei sehr ungewöhnlich, denn viele Prozessionen entstammen eher aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg.

Auch im Ersten Weltkrieg wurde an dem alten Versprechen festgehalten: Im Jahre 1915 verwies der Brückenauer Anzeiger wegen allgemeinen Nahrungsmangels darauf, "das notwendige Brot selbst mitzubringen", da die Vorräte des Klosters nicht ausreichen würden.

Im Zweiten Weltkrieg fiel die Mauritius-Prozession lediglich im Jahr 1944 wegen schlechten Wetters aus, "und auch unmittelbar nach dem Ende des Krieges suchten die Menschen Beistand auf dem heiligen Berg", schreibt Sauer in seinem Buch über die Pilgerstätte Volkersberg. Es wird vermutet, dass die Mauritius-Prozession vielen nicht so geläufig ist, weil sie im Gegensatz zur Georgi-Prozession keinen repräsentativen Charakter hat. "Uns ist es wichtig, die Menschen über den Sinn der Prozession zu informieren und die Erinnerung aufrechtzuerhalten", erklärt Müller. Und natürlich, fügt er hinzu, freue er sich über großen Zulauf am 25. September.

Termin: Die traditionelle Mauritiusprozession beginnt am Sonntag, 25. September, um 9 Uhr an der katholischen Kirche St. Bartholomäus. Traditionell wird der Zug durch die Georgi-Bläser begleitet. Etwa gegen 10 Uhr treffen sich dann die Pilger aus Römershag und Riedenberg an der Bushaltestelle vor Volkers. An der Kapelle nach Volkers schließen sich die Volkerser Pilger an. Der Gottesdienst in der Klosterkirche beginnt um 10.30 Uhr.

Historie: Mauritius war der Legende nach Anführer der Thebaischen Legion und wird in der katholischen und orthodoxen Kirche seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt. Er war ein Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede und wurde angerufen vor Kämpfen, Gefechten und Schlachten. brj

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