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Bad Brückenau
Energiewende

Bad Brückenau: Windräder in Sichtweite

Hessen weist Vorranggebiete für Windkraft aus. Einige Flächen grenzen unmittelbar an Unterfranken und ignorieren bayerische Abstandsregeln - mit Recht.
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Vom Volkersberg aus sind die Windräder in der Nachbargemeinde Sinntal gut zu sehen. Bald könnten neue hinzukommen. Foto: Ulrike Müller
Vom Volkersberg aus sind die Windräder in der Nachbargemeinde Sinntal gut zu sehen. Bald könnten neue hinzukommen. Foto: Ulrike Müller
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Lange Zeit war es ruhig geblieben um die hessischen Windkraftpläne. Nun aber liegt der zweite Entwurf des Teilplans Erneuerbare Energien des Regierungspräsidiums Darmstadt vor. Zum Teil wird dabei die in Bayern geltende 10-H-Regelung ignoriert. Sie sieht vor, dass zwischen einem Windrad und dem nächsten Ort das Zehnfache der Höhe der Anlage einzuhalten ist.

"Ich habe schon Verständnis für die Windkraft", sagt Jakob Euba aus Volkers. Wofür er aber kein Verständnis habe, sei, dass die bayerische Regelung an der Grenze nicht mehr gelte. Auch Ortsvorsteherin Heike Kötzner gefällt das nicht. "Diese Regel wurde doch für den Schutz des Menschen gemacht", sagt sie. Ganz privat hat sie eine Stellungnahme verfasst und die Volkerser via E-Mail informiert. Auch der Naturschutz spielt für sie eine Rolle. "Wir Einheimische und die Touristen leben von Erholung und Entspannung."

Rechtlich aber haben die Bürger nichts in der Hand. In den Anwendungshinweisen zur 10-H-Regelung steht eindeutig, dass das Gesetz nicht für Windkraftanlagen in Nachbarstaaten oder anderen Bundesländern gilt - auch nicht, wenn es um den Abstand zur bayerischen Wohnbebauung geht.

Oben auf dem Volkersberg sieht man sie schon, neun Windräder auf der Breiten First. Es könnten weitere dazukommen. Elke Müller von der Bürgerinitiative Pro Sinntal warnt bereits vor elf neuen Windrädern zwischen Züntersbach und Schwarzenfels. In Altengronau am Grauberg seien Anlagen in ähnlicher Größenordnung geplant, nahe bei Rossbach.


Stellungnahmen in Arbeit

Er habe keine Kenntnis über einen solchen Genehmigungsantrag, sagt Eckart Michna, Hauptamtsleiter der Gemeinde Sinntal. Was aber den Planungsentwurf des Regierungspräsidiums angeht, so wird die Gemeindevertretung Sinntal am Montag eine Stellungnahme verabschieden. Motten und Zeitlofs haben das schon getan - und sich deutlich gegen die Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraft in unmittelbarer Nachbarschaft ausgesprochen.

Auch die Stadt Bad Brückenau hat eine Stellungnahme nach Darmstadt geschickt. Dem Stadtrat werde das Schreiben noch zur Kenntnisnahme vorgelegt, sagt Willi Scheller vom städtischen Baubüro. "Die Ausrichtung der Stadt Bad Brückenau ist Kur und Tourismus. Da passen Windräder nicht dazu", ergänzt Scheller, was der Grundton des Schreibens sei. Das Staatsbad Brückenau hat ebenfalls widersprochen und auch der Landkreis Bad Kissingen arbeitet an einer Stellungnahme.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Klaus Hofmann, Rektor von Haus Volkersberg und Leiter der Jugendbildungsstätte, hält sich bedeckt. Ob die Diözese Würzburg eine Stellungnahme zum Teilplan Erneuerbare Energie plane, sei ihm nicht bekannt. "Bei uns hat sich noch kein einziger Gast über die Windräder beschwert", sagt Hofmann. Weder im Gespräch noch in der automatisierten Befragung habe es Rückmeldungen dazu gegeben.

Bis zum 19. Mai sind die Pläne im Internet einsehbar. Stellungnahmen können bis zum 2. Juni ans Regierungspräsidium Darmstadt, Wilhelminenstraße 1-3, 64283 Darmstadt, geschickt werden. Mail: Stellungnahmen-TPEE@rpda.hessen.de.