Bad Brückenau

Bad Brückenau: Ein kurzer Moment Pause

In der Urlaubszeit gönnen sich viele Gäste eine Auszeit in Bad Brückenau. Aber warum sollten nicht auch Einheimische von der Kompetenz vor Ort profitieren? Der letzte Teil unserer Sommerserie.
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Ein Blick, zwei Perspektiven: Spiegelung auf einer regennassen Treppe. Foto: Ulrike Müller
Ein Blick, zwei Perspektiven: Spiegelung auf einer regennassen Treppe. Foto: Ulrike Müller
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Wer kennt das nicht: Den Moment, in dem man wahrnimmt, dass die Felder schon wieder abgeerntet sind. Dabei hatte man noch gar nicht registriert, dass das Korn schon hoch und reif steht. "Oft funktioniert man im Alltag nur noch, und nimmt überhaupt nicht mehr wahr, was um einen herum passiert", sagt Anne Kruse, und schon ihre Stimme strahlt Ruhe aus. Der Workshop, den sie zusammen mit Guido Sauer leitet, dreht sich um das Thema "Achtsamkeit".

Knapp ein Dutzend Patienten der Weckbecker-Klinik hört ihr aufmerksam zu. Doch Kruse redet gar nicht lange, sondern schickt die Leute gleich raus in die Natur. "Es geht jetzt nicht darum, zu wandern oder an ein Ziel zu kommen", sagt sie. "Es geht nur darum, zu schauen und wahrzunehmen, was man sieht." Und dann ziehen die Leute los. Es ist ungemütlich draußen - und das ist schon die erste Wahrnehmung. Eine Frau nimmt einen verblühten Lavendelzweig in die Hand, ein Mann blickt hinauf zu einem mächtigen Baum. "So alt...", murmelt er. "Zwei Kriege hat er erlebt und steht noch so aufrecht."


Religiöse Aspekte

Die Methode, mit der Anne Kruse arbeitet, heißt MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction). Ein US-amerikanischer Molekularbiologe hat das Konzept ursprünglich für die Schmerztherapie für chronisch kranke Menschen entwickelt. Inzwischen ist seine Strategie der Stressreduktion durch Achtsamkeit auch in Europa angekommen. Dabei ist die Idee nicht ganz neu.

"Die Praxis der Achtsamkeit hat eine lange Tradition im Buddhismus. Sie zieht sich aber durch alle Religionen", sagt Guido Sauer, Heilpraktiker für Psychotherapie an der Klinik. Er hält Kurse über Burnout und Neuorientierung oder Abschiednehmen und Neubeginn. Schon mit kleinen Übungen könne man trainieren, seine Umgebung wahrzunehmen und bewusst in der Gegenwart zu leben. Und manchmal reicht da schon ein Blick aus dem Fenster.


Praxistipp: Einen Moment innehalten...

Morgens beginnt der Tag schon besser, wenn man bewusst das Haus verlässt und sich am Arbeitsplatz einen kurzen Moment Zeit nimmt, um anzukommen.

Zeitlupentempo Kleine Übungen können dabei helfen, über den Tag Ruhe zu bewahren. Ein paar Beispiele: Erst nach dem zweiten oder dritten Klingeln zum Telefonhörer greifen; beim Essen aus dem Fenster schauen und nicht auf den Bildschirm; die Treppe nicht hinauf- oder hinunterspringen, sondern bewusst langsam laufen; einmal damit experimentieren, auf der Autobahn rechts zu fahren und etwa fünf Kilometer unter der Höchstgeschwindigkeit zu bleiben.

Konfliktsituationen meistert man einfacher, wenn man sich bemüht, zuerst die eigenen Gefühle wahrzunehmen, bevor man auf den anderen reagiert. So fällt die eigene Antwort vielleicht etwas reflektierter aus.

Abends Anstatt vor dem Fernseher zu parken, kann man den Tag noch einmal Revue passieren lassen.
Guido Sauer

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