Bad Brückenau
Sinntalbahn

Bad Brückenau: Ein Bahnhof ohne Gleise

In diesen Tagen werden die Schienen in Bad Brückenau herausgerissen. Für viele ist das längst überfällig, manche aber beobachten den Rückbau mit Wehmut.
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Am Bahnhof: Thomas und Christine Hildenbrand (von rechts) und Benjamin Wildenauer laufen auf dem Gleisschotter. Foto: Ulrike Müller
Am Bahnhof: Thomas und Christine Hildenbrand (von rechts) und Benjamin Wildenauer laufen auf dem Gleisschotter. Foto: Ulrike Müller
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Sie sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Thomas und Christine Hildenbrand gehörten zu den letzten Unterstützern der Sinntalbahn. Ein letztes Mal rollt Stahl auf Stahl, ein letztes Mal werden die Gleise der Sinntalbahn genutzt - von den Rückbaumaschinen. "Es ist bitter", entfährt es Thomas Hildenbrand. "Es tut weh, dass eine Infrastruktur, die ein ganzes Stück Lebensqualität für die Region bedeutet, ohne adäquaten Ersatz wegfällt", sagt Stadtrat Benjamin Wildenauer (SPD), der lange für den Erhalt der Strecke gekämpft hat.

Es herrscht reger Verkehr am Bahnhof Bad Brückenau Stadt, die Schienen werden endgültig zerlegt und abgefahren. Ein Radbagger, speziell ausgerüstet für Fahrten auf Straße und Schiene, transportiert die talaufwärts in Segmente zerlegten Schienenabschnitte auf zwei Loren zum Bahnhof, wo Schienen von Schwellen getrennt und zur Abfuhr gestapelt werden. Das Ganze geschieht relativ unbeachtet von der Bevölkerung, eine Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Anschlusses an die große, weite Welt geht nahezu unbeachtet zu Ende.

Umso bemerkenswerter, ist es doch erst zwanzig Jahre her, als mit viel Aufwand im Bereich der Ancenis-Straße noch die Schienen verlegt werden mussten, ja die Realisierung der Entlastungsstraße durch die Bahnlinie verzögert und zeitweise gar gefährdet war. Symbolträchtig daher das Rückbaufahrzeug beim Passieren des sogenannten "Ostbahnhofs". Hier haben Brückenauer Bürger Ende der 1990er Jahre ein Symbol der "guten alten Zeit" errichtet, als Brückenau sogar noch zwei Bahnhöfe vorweisen konnte.


Letzter Abschnitt wird schwierig

Inzwischen arbeiten sich die Gleisrückbauer schon Richtung hessischer Landesgrenze vor. "Das wird schwierig", sagt Timo Meißner vom gleichnamigen Unternehmen, das die Strecke gekauft hat. Der Abschnitt sei ziemlich zugewachsen, wenn alles reibungslos funktioniere, könnten die Arbeiter zum Jahresende Hessen erreicht haben. Der Frost jedenfalls sei kein Problem. Ganz verschwinden werden die Spuren der Eisenbahn aber nicht. Meißner hat angekündigt, Signale und Kilometersteine an der Strecke als Erinnerung stehen zu lassen.

Für die Hildenbrands freilich reicht das Erinnern nicht. "Wir sind überzeugt, dass man den Rückbau noch einmal bereuen wird", sagt Christine Hildenbrand und ihr Mann ergänzt: "Wenn die Spritpreise mal über drei Euro steigen, dann wären die Leute froh, wenn es die Bahn noch gäbe." Zum Schluss finden sie dennoch versöhnliche Worte. Wichtig sei, dass die Sache mit der Sinntalbahn einen Abschluss gefunden habe - wenn auch nicht den gewünschten.

Von Thomas Dill und Ulrike Müller


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