Laden...
Speicherz
Diskussion

Asyl: Wohin mit anerkannten Flüchtlingen?

Der Bayerische Gemeindetag Bad Kissingen sprach über Schwierigkeiten bei der Wohnungsvermittlung, den Umgang mit Frauen und Haftungsfragen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die beiden Brüder Luqman (links) und Nasradin stammen aus Syrien. Sie leben mit ihrer Familie in der Unterkunft in Motten. Foto: Ulrike Müller/Archiv
Die beiden Brüder Luqman (links) und Nasradin stammen aus Syrien. Sie leben mit ihrer Familie in der Unterkunft in Motten. Foto: Ulrike Müller/Archiv
+1 Bild
Der Kreisverband des Bayerischen Gemeindetags hat sich im Gasthof "Zum Biber" versammelt, es geht ums Thema Asyl. Stefan Seufert, der Koordinator für Asyl am Landratsamt, ist wichtig, dass die Gemeinden darauf vorbereitet sind, dass nach der Ankunftswelle die Anerkennungswelle folgt. "Wenn die Gemeinden ein Drehbuch für die Integration entwickeln und die Bevölkerung mitnehmen, dann ist die Angst ein ganzes Stück genommen", sagt Seufert.


Gleichbehandlung für alle

In Kürze heißt das für ihn: Sprache, Arbeit, Wohnung. Sobald anerkannte Asylbewerber die Unterkunft verlassen, ist der Landkreis nicht mehr für sie zuständig. Findet eine Familie keine Wohnung, steht die Kommune in der Pflicht. "Helfen Sie bei der Wohnungssuche? Steuern Sie ein bisschen, in welchem Ortsteil, in welcher Straße etwas frei ist?", spricht Seufert die Bürgermeister direkt an. Da meldet sich einer zu Wort.

"Viele haben Angst, an Flüchtlinge zu vermieten", sagt der Nüdlinger Bürgermeister Harald Hofmann (CSU) und schlägt vor, ob nicht die Kommune Wohnraum anmieten und an Flüchtlinge weitervermieten könne. Seufert nickt. Dann sagt er "Ich halte nichts davon." Eindringlich rät er den Gemeinden, anerkannte Asylbewerber nicht anders zu behandeln als andere Bürger. Dennoch gelte es, die Dinge in die Hand zu nehmen.


Haftpflicht: Wenige Fälle im Kreis

Vorschläge gibt es bereits. Am Besten wäre, wenn Flüchtlinge mit dem Jobangebot bei der Arbeitsvermittlung gleich den Kontakt zu nahe gelegenen Wohnungen bekommen. "Wir sind darauf angewiesen, dass ihr uns sagt, wo Wohnungen frei sind", wirbt Landrat Thomas Bold (CSU), dass auch hier eine enge Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Kommunen erfolgt. "Es gibt die Möglichkeit, dass die Hartz IV-Miete direkt aufs Konto des Vermieters überwiesen wird", ergänzt Seufert.

Was Haftungsfragen angeht - manche Kommunen versichern ihre Asylbewerber pauschal, um Ärger bei Haftschutzfragen vorzubeugen - so positioniert sich Seufert eindeutig: Dann müsste die Gemeinde auch andere ihrer schwächeren Bürger versichern. Im Landkreis habe es erst sehr wenige Fälle gegeben, die meist hätten gelöst werden können. Und dann geht es um ein richtig schwieriges Thema.


Integration von Frauen

"Bei uns waren die Frauen zuerst gut integriert", berichtet Patricia Schießer (CSU) aus Euerdorf. Doch inzwischen hätten ihre Männer ihnen den Kontakt zu deutschen Frauen verboten. Und dann sprechen die Bürgermeister - meist Männer in eher fortgeschrittenem Alter - über die Gleichbehandlung von Mann und Frau, als sei Europa von jeher eine Bastion der Frauenrechte und Chancengleichheit gewesen. "Wer zu uns kommt, möge akzeptieren, dass auch wir eine Kultur haben", stellt Gotthard Schlereth (CSU), Vorsitzender des Kreisverbandes und Bürgermeister von Oberthulba, klar. Von heute auf morgen, darin sind sich alle einig, könne man die kulturellen Werte der Neuankömmlinge jedoch nicht verändern. Das brauche Zeit.


1250 Asylbewerber sind im Landkreis Bad Kissingen aktuell untergebracht.

36 Unterkünfte, darunter sechs Gemeinschafts- und zwei Notunterkünfte, gibt's im Landkreis Bad Kissingen.

17 Kommunen von 26 im Landkreis ha ben Asylbewerber aufgenommen.

Kommentare (2)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren