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Kothen
Gedenktag

200 Mal pure Wiedersehensfreude in Werberg

Vor 50 Jahren wurde die Gemeinde Werberg im Truppenübungsplatz Wildflecken "abgesiedelt". Menschen, die hier gelebt haben, trafen sich jetzt.
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Helga Taronna, Gerda Stirnweiß und Bärbel Withelm trafen sich diesmal direkt im ehemaligen Werberg, obwohl sie alle drei Monate ihr eigenes persönliches Werberger Treffen in Aschaffenburg halten. Fotos: Stephanie Elm
Helga Taronna, Gerda Stirnweiß und Bärbel Withelm trafen sich diesmal direkt im ehemaligen Werberg, obwohl sie alle drei Monate ihr eigenes persönliches Werberger Treffen in Aschaffenburg halten. Fotos: Stephanie Elm
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Es war ein ganz besonderes Werberger Treffen. Nicht nur das Gedenken an die letzte Absiedelung vor 50 Jahren war ursächlich, die Mit-Organisatoren hatten sich dieses Jahr besonders ins Zeug gelegt, um den ehemaligen Werbergern ein Jubiläumsfest der besonderen Art zu bieten.
Das unerwartet schöne Wetter wurde nur noch überboten von circa 210 Besuchern, die sich einfach nur freuten. Sie sahen ihre ehemaligen Nachbarn, Klassenkamerden und Freunde wieder, mit denen sie eine gemeinsame Vergangenheit und "viel Freiheit in Werberg" verbindet.


Drei Freundinnen

Aus Aschaffenburg hatte es Helga Taronna (geborene Rauch), Gerda Stirnweiß (geborene Neumayer) und Bärbel Withelm (geborene Hiller) an die Orte der gemeinsamen Kindheit gezogen. Ein Wort gab das andere, eine Erinnerung erweckte die nächste, Mädchenstreiche kamen ans Tageslicht. Helga Taronna hat nachts gerne Jungs auf dem Friedhof erschreckt: "Die Jungs waren solche Schisser!". Sie war schon mal dem Ausgehverbot durch das Küchenfenster entkommen, um sich mit Gerda und Bärbel zu treffen. Da die Landschaft um Werberg hügelig und damals unbewaldet war, konnte sie genau sehen, wann die Eltern auf dem Heimweg waren, und rechtzeitig durch das Küchenfenster wieder heimkehren. Die Freundinnen gingen zusammen in die Schule und denken heute noch voller Hochachtung an ihren Lehrer Huth.


Treffen in Aschaffenburg

Heuer sind sie mal wieder nach Werberg gekommen. Viel regelmäßiger treffen sie sich in ihrer neuen Heimat. Zufällig hatten sie sich in Aschaffenburg wiedergefunden und veranstalten nun alle drei Monate ihr eigenes persönliches Werberger Treffen.
Die unerwartet hohe Besucherzahl verteilte sich im gesamten Dorfgebiet. Überall waren Bildertafeln ehemaliger Häuser an der Stelle aufgestellt worden, wo die Gebäude gestanden hatten. Heimatforscher Matthias Elm hatte seit sieben Monaten Bilder aus Werberg gesammelt und für das Werberger Treffen ausgedruckt. Das Interesse, das alte Wohnhaus noch einmal zu sehen, war unter den Besuchern groß. Auch um die Klassenfotos aus der Schule bildete sich stets eine große Menschentraube.
Matthias Elm bot auch eine historische Führung an. Wahrscheinlich seit dem 12. Jahrhundert stand als erstes Bauwerk ein Wehrturm zur Sicherung der fuldisch-würzburgischen Grenze auf dem Basaltkegel. Die spätere Erweiterung konnte von den Hügeln gut eingesehen werden, so dass die Burganlage 1444 eingenommen wurde. Den ersten Entwurf zum Kirchenbau hatte "Seine Majestät König Maximilian Joseph" 1849/1850 überarbeitet. Nach seinen Wünschen wurde die Kirche gebaut und 1880 durch einen höheren Glockenturm erweitert. Nach der letzten und endgültigen Absiedelung 1966 sprengten im Jahr 1973 Soldaten der Bundeswehr die leer stehenden Häuser, verweigerten jedoch die Sprengung der Kirche. Dies wurde danach US-Soldaten aufgetragen.


Gang durch die alte Heimat

Richard Haydu und Klaus Penner führten nach "Werberger Art" durch die "unvergessene Heimat". Beide sind selbst in Werberg aufgewachsen und kennen immer noch jede Ecke, die sie mit den Besuchern wieder und auch neu beschritten.
Am Beispiel Werberg hatte Isabelle Geck das Thema "Dorfentwicklung" für Jugendliche ausgearbeitet. Zu der Gruppe gesellten sich auch einige geschichtsinteressierte Erwachsene. Das Verständnis, dass An- und Absiedelung die Menschen teils stark belastet haben musste, war allen anzumerken.


Mit vielen Besuchern gerechnet

Auf eine höhere Besucherzahl als gewöhnlich hatte sich Bundeswehr-Kantinenwirt Michael Vieres mit seiner Frau Claudia und Tochter Franzi für dieses Werberger-Treffen eingerichtet. Seit sechs Jahren übernimmt er die Bewirtung der Werberger. "Hier geht eine Euphorie um", zeigte er sich begeistert von der großen Verbundenheit der ehemaligen Dorfbewohner. Das Gedenken an die Absiedelung vor 50 Jahren begingen die Werberger und ihre Gäste mit einer Andacht auf dem Friedhof von Werberg.


Mahnende Worte

Diakon Wilfried Beck sah die An- und Absiedelung von Werberg verknüpft mit dem nationalsozialistischen Regime und mahnte: "Wo Kriege das kleinste Quentchen Glück zerstören, haben sie ihre Berechtigung verloren." Die Musikkapelle Kothen und Familie Kunkel aus Weißenbach gaben der Andacht den musikalischen Rahmen. Stellvertretender Landrat Alfred Schrenk (SPD) nannte sich einen "langjährigen Freund der Werberger Treffen". Die hohe Besucherzahl liege auch in dem guten Programm der Mit-Organisatoren begründet. Jochen Vogel (CSU), Bürgermeister von Motten, rief den Anwesenden zu "Halten Sie die Erinnerung wach." Die Kinder und Enkel der Werberger sollten wissen, "wo ihre Wurzeln liegen".


Erinnerungsstücke überreicht

Bad Brückenaus Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) brachte den Werbergern aus dem Nachlass von Oskar Kirchner Fundstücke der Werberger Ruine mit. "Der schönere Platz ist bei Euch in der Werberger Stube." sagte sie und überreichte die Kleinode Ewald Kleinhenz,. Herbert Nowak (OWII), 3. Bürgermeister von Wildflecken, sagte, alle im Truppenübungsplatz abgesiedelten Orte verbinde eine "große Geschichte. Viele Menschen haben hier ihre Wurzeln."


Werberg: Das ist die Geschichte

Ursprünge Die Gemeinde Werberg ist das älteste Dorf auf dem Gebiet des Truppenübungsplatzes Wildflecken gewesen. Die Anfänge gehen auf eine fuldische Burg aus dem 13. Jahrhundert zurück.

Mittelalter 1799 wurde die Schule gebaut, 1850 wurde die dem Heiligen Kilian geweihte Kirche errichtet. Ein Friedhof befand sich am Burgfelsen. Die Bewohner lebten von Landwirtschaft und Obstanbau.
Die Räumung Geräumt werden musste Werberg am 15. April 1938, damals lebten in der Gemeinde 264 Menschen. Grund war der Bau des Truppenübungsplatzes, auf dessen Gebiet das Dorf lag. Die Bewohner ließen sich bei Bad Brückenau, im Raum Offenbach oder in Niederbayern nieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Dorf mit 356 Leuten wiederbesiedelt. 1966 mussten sie ihr Dorf wieder verlassen.
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