Bad Brückenau
Interview

Bad Brückenau: Wird die Therme neu gebaut?

Baumängel, zurückgehende Besucherzahlen und der Konflikt um die Kegelbahn: Wie steht es um die Zukunft der Therme Sinnflut? Stadtwerke-Chef Michael Garhamer gibt Antworten.
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Lena Schleyer aus Schweinfurt arbeitet in der Therme Sinnflut. Im Rahmen ihres dualen Studiums der Freizeitwirtschaft hat sie die Badegäste befragt. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus. Das freut Stadtwerke-Chef Michael Garhamer. Foto: Ulrike Müller
Lena Schleyer aus Schweinfurt arbeitet in der Therme Sinnflut. Im Rahmen ihres dualen Studiums der Freizeitwirtschaft hat sie die Badegäste befragt. Das Ergebnis fällt überwiegend positiv aus. Das freut Stadtwerke-Chef Michael Garhamer. Foto: Ulrike Müller

In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete die Therme Sinnflut einen Besucherrückgang um etwa zehn Prozent. Das Alter des Gebäudes - der Kernbau stammt aus dem Jahr 1969 - ist unübersehbar geworden. Schon lange steht die Frage nach der Zukunft des Familienbades an der Sinn im Raum. Im Interview spricht Stadtwerke-Chef Michael Garhamer über die anstehende Sanierung, die veränderte Preispolitik und die Konflikte um die Kegelbahn.

Herr Garhamer, wann wird die Sinnflut endlich umfassend saniert?

Michael Garhamer: Wir haben die Vorplanungen abgeschlossen. Der Sanierungsbedarf ist doch größer als ursprünglich angenommen. Aktuell führen wir Gespräche mit der Regierung von Unterfranken wegen einer Förderung.

Wird die Therme abgerissen?

Nein. Der Außenbereich des Freibads, die Saunalandschaft, das Blockheizkraftwerk und der neue Parkplatz sind in einem guten Zustand und bleiben erhalten. Der Baukörper stammt allerdings aus dem Jahr 1969 und die Technik ist auch immerhin mehr als 24 Jahre alt.

Wird das Kerngebäude neu gebaut?

Das wissen wir noch nicht. Das hängt von der Einschätzung der Regierung von Unterfranken ab.

Ob nun Teilsanierung oder Generalsanierung, Besucher und Beschäftigte müssen sich sicher auf ein Schließung einstellen

Übergangsweise ja, wobei wir für unsere Beschäftigten Lösungen finden werden. Auch der durchgängige Betrieb der Sauna wäre denkbar.

Wann geht es los?

Wir streben den Jahreswechsel 2020/21 an. Aber das ist natürlich von den Förderzusagen der Regierung von Unterfranken abhängig.

Schweben Ihnen auch konzeptionelle Änderungen vor?

Grundsätzlicher Art eher nicht. Der Schwerpunkt ist das Schulschwimmen. Insgesamt 133 Klassen in Bayern und Hessen liegen in unserem Einzugsgebiet. Das hat die Regierung von Unterfranken errechnet. Die Therme Sinnflut bleibt darüber hinaus ein Familienbad und bietet gleichzeitig mit der Saunalandschaft auch Wellness an.

Nach der Sanierung wird der Kegelkeller endgültig Geschichte sein. Warum können Sie ihn nicht in den Plänen berücksichtigen?

Im Keller befindet sich auch die Technik für das Schwimmbad. Ich hätte gedacht, dass die heutige Technik kleiner ausfällt. Aber das Gegenteil ist der Fall. Wir haben einen zwei- bis dreifachen Platzbedarf. Die Kegelbahn an einer anderen Stelle im Gebäude unterzubringen, das bekommen wir nicht gefördert. Ich glaube, es gibt keinen, der sich über diese Situation freut.

Vor eineinhalb Jahren hat die Therme die Preise erhöht. Seitdem gibt es Vergünstigungen vor allem für Kunden der Stadtwerke. Sind die Besucherzahlen seitdem eingebrochen?

Wir mussten unser Zahlungsmodell umstellen, weil es in der Vergangenheit einfach zu viele Vergünstigungen in Form von Freikarten und so weiter gab. Wir haben zehn Prozent weniger Besucher als vor fünf Jahren. Die Zahl der zahlenden Besucher ist aber konstant geblieben. Unterm Strich hat sich das neue Preismodell für uns sogar gerechnet.

Hat die Therme Sinnflut insbesondere hessische Kunden mit dieser Preispolitik verprellt?

Anfangs hat es diese Thematik mal gegeben. Aber inzwischen höre ich keine Kritik mehr. Unsere Kundenbefragung hat ergeben, dass der überwiegende Teil unserer Besucher mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden ist. Allerdings ist diese Befragung nicht repräsentativ.

Viele einheimische Familien ärgern sich darüber, dass es keine Sommerkarte mehr gibt. Stattdessen bezahlt eine Mutter mit zwei Kindern 18,50 Euro - wenn sie keine Kundin der Stadtwerke ist.

Das Problem ist doch, dass wir den Eintritt ins Freibad und in die Therme nicht trennen können. Wer einmal zahlt, kann das gesamte Angebot nutzen, und zwar ohne zeitliche Begrenzung. Nach der Sanierung soll das anders werden. Dann wird es einen günstigen Tarif geben, der nur die Nutzung der Außenbecken im Sommer abdeckt. Viele Kunden nutzen bereits die Dauerkarte mit 20 Prozent Rabatt und für Kunden der Stadtwerke gibt es bis zu 40 Prozent Rabatt in allen Schulferien in Bayern und Hessen. In diesen Fällen würde eine Mutter mit zwei Kindern also 14,80 Euro beziehungsweise 11,10 Euro bezahlen.

Manchen ist es generell zu kalt im Bad. Wird hier Energie auf Kosten der Aufenthaltsqualität gespart?

Davon höre ich zum ersten Mal. Angeordnet ist das auf jeden Fall nicht. Wir wissen, dass es ein Problem im Kleinkindbereich gibt. Das ist baulich bedingt und liegt daran, dass sich die Luft an der Glasfront abkühlt und so ein Zug entsteht. Das wird nach der Sanierung anders sein. Dass es generell zu kalt wäre, ist weder in unserer Kundenbefragung noch als E-Mail bei uns eingegangen. Ich persönlich empfinde es als eher sehr warm im Bad, aber entscheidend ist für uns das Kundenwohl.

130.000 Besucher ungefähr nutzten im vergangenen Jahr die Therme Sinnflut. Darunter sind 32.000 Besucher der Saunalandschaft.

133 Schulklassen in Bayern und Hessen liegen im Einzugsgebiet der Therme Sinnflut. Nur wenige kommen allerdings zum Schwimmunterricht.

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