Bad Brückenau
Musik

Bad Brückenau: Seltenes Konzert mit Bläserquintett

Das Hochschulpodium gibt mit dem Anya Quintett den Stiefkindern der Klassik eine Plattform
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Das Anya Quintett   Raluca Tihon (Flöte), Anna Kopp (Oboe), Moritz Mihm (Klarinette), Lena Nell (Fagott) und Anna Werner (Horn). Foto: Jonathan Hock
Das Anya Quintett  Raluca Tihon (Flöte), Anna Kopp (Oboe), Moritz Mihm (Klarinette), Lena Nell (Fagott) und Anna Werner (Horn). Foto: Jonathan Hock

Einen schönen Querschnitt durch die Original-Literatur für Bläserquintett präsentiert im Hochschulpodium am Samstag, 27. April 2019 das Anya Quintett. Es handelt sich um fünf Studierende der Hochschule für Musik Würzburg: Raluca Tihon (Flöte), Anna Kopp (Oboe), Moritz Mihm (Klarinette), Lena Nell (Fagott) und Anna Werner (Horn). Das Konzert im Kuppelsaal des Dorint Resort & Spa Bad Brückenau beginnt um 20 Uhr, auf dem Programm stehen Werke von Jacques Ibert, Franz Danzi, György Ligeti, Carl Nielsen und Denes Agay.

Wie viele französische Komponisten des 20. Jahrhunderts vermied auch Jacques Ibert die radikalen Experimente seiner deutschen Kollegen mit der Atonalität. In Form, Harmonik und Melodik blieb er traditionell bis vorsichtig modern, andererseits war Musik für ihn stets "Ausdruck eines inneren Abenteuers". Im Gefolge von Darius Milhaud lernte er die subtilen Farben der Polytonalität schätzen, also das gleichzeitige Spiel in mehreren Tonarten. In den 1930 komponierten "Trois pièces brèves" (Drei kurze Stücke) für Bläserquintett wird dieses Spiel mit den Tonarten zart angedeutet und bewirkt nie harmonische Härte, sondern nur interessante Farbigkeit.

Der deutsche Frühromantiker Franz Danzi ging aus der Mannheimer Schule hervor. Er entwickelte sich zu einem Vorreiter der deutschen Oper und Mentor Carl Maria von Webers. In seinen Instrumentalwerken ahmte er den Stil Mozarts nach, würzte ihn aber mit den chromatischen Experimenten und suchte nach neuen klangfarblichen Möglichkeiten. Solche eröffneten sich ihm in der Gattung Bläserquintett - er schrieb insgesamt neun Bläserquintette, deren erste um 1821 als Opus 56 in Paris und Berlin herauskamen.

Spätestens seit Regisseur Stanley Kubrick 1999 das zweite Stück aus György Ligetis Klavierzyklus "Musica Ricercata" als Soundtrack zu seinem Film "Eyes wide shut" verwendete, wurde die Klaviermusik des Ungarn auch einem großen Zuhörerkreis bekannt. Ligetis suggestiv um ein markantes Kernmotiv kreisende Musik eignet sich perfekt, um die surrealen Stimmungen eines Films zu untermalen. Aus sechs Klavierstücken jenes frühen, noch in Ungarn komponierten Klavierzyklus" formte Ligeti nach der 1956 erfolgten Emigration in den Westen seine Sechs Bagatellen für Bläserquintett.

Carl Nielsen, den man aufgrund seiner Sinfonik den "dänischen Strauss" genannt hat, schrieb nur ein einziges bedeutendes Kammermusikwerk für Bläser: das Quintett op. 43. Wie die Strauss'schen Bläserwerke verdankt es seine Entstehung der Inspiration durch Mozart, wobei es ein reiner Zufall war, dass Nielsen ausgerechnet an jenem Herbstabend 1921 bei seinen Freunden vom Kopenhagener Bläserquintett vorbeikam, als diese Mozarts Kammermusik probten. Wenige Monate später hatte er sein Werk vollendet. Es wurde am 30. April 1922 in Göteborg zum ersten Mal aufgeführt.

Einen beschwingten Schlusspunkt setzt das Anya Quintett mit den "Five Easy Dances" des US-amerikanischen Komponisten und Arrangeur Denes Agay. Einzelne Sätze dieses Werkes lauten Polka, Tango, Bolero, Waltz und Rumba.

Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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