Bad Brückenau
Stadtrat

Bad Brückenau: Planer stellen Ärztehaus vor

Das umstrittene "Medzentrum Bad Brückenau" beschäftigt die Räte. Noch ist nicht entschieden, wo gebaut werden soll. Die Bürgermeisterin bevorzugt den Standort im Park.
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An dieser Stelle möchten die Planer das Ärztehaus im Georgi-Park errichten. Vier Bäume müssten wohl dafür weichen. Grafik: designplus Planungsgesellschaft mbH
An dieser Stelle möchten die Planer das Ärztehaus im Georgi-Park errichten. Vier Bäume müssten wohl dafür weichen. Grafik: designplus Planungsgesellschaft mbH
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Die Planer des Ärzte- und Gesundheitszentrums, das neben der Capio Franz von Prümmer Klinik entstehen soll, stellten in der Sitzung des Stadtrats am Dienstagabend die ersten Vorplanungen vor. Den Neubau favorisieren sie unmittelbar vor dem Eingangsbereich der Klinik, quer zur Straße, im Georgi-Kurpark. Rund 3200 Quadratmeter verteilt auf drei Geschosse sollen entstehen, von denen etwa 3000 Quadratmeter vermietet werden würden.

In einem umfassenden Vortrag skizzierte Alexander Bechtler, Rechtsanwalt der HFBP Rechtsanwälte aus Gießen und Sprecher des Medzentrums Netzwerks, die Veränderungen in der Gesundheitsbranche. Die Grenzen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung der Patienten würden zunehmend verschwimmen. Zudem fänden viele Ärzte auf dem Land nur schwer einen Nachfolger. "Wir kümmern uns darum, dass sich junge Ärzte für die Praxen interessieren", sagte Bechtler.

Die Initiative für den Neubau hatte Sabine Hein, Verwaltungsdirektorin der Prümmer Klinik, ergriffen. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) im Krankenhaus stoße schon lange an seine Grenzen. Es würde ins neue Ärztehaus einziehen. Hein wünscht sich möglichst kurze Wege, damit die Ärzte zwischen Klinikalltag und Gesundheitszentrum hin- und herwechseln können. Eindeutige Aussagen über weitere Mieter oder potenzielle Neuansiedlungen im ärztlichen Bereich fielen aber nicht. Architektin Gesine Schmidt versprach immerhin, die Baumreihe entlang des Weges durch den Kurpark nicht anzutasten.

Stadträte hinterfragen das Projekt

"Wir sind keine Heuschrecken und auch keine Immobilien-Spekulanten", betonte Bechtler. Für das Ärztehaus sei die Gründung einer Projektgesellschaft angedacht, an der sich auch Bürger beteiligen könnten. Die Räte stellten dennoch einige kritische Fragen. "Sind zusätzliche kassenärztliche Zulassungen überhaupt möglich?", fragte Dirk Stumpe (PWG). Im hausärztlichen Bereich sei das nicht der Fall, bekam er zur Antwort.

Für Stumpe war klar: Für jeden Arzt im Medzentrum steht irgendwo eine Praxis leer."Denken Sie mal weiter: Wer kauft diesen Sitz?", konterte die Klinik-Chefin und machte deutlich, dass es für viele junge Ärzte nicht attraktiv sei, eine Praxis mit hohem Modernisierungsbedarf zu kaufen. Neue Räume, berufliche Herausforderungen durch einen Einsatz im nahe gelegenen Krankenhaus und mehr Flexibilität seien in heutiger Zeit bei Medizinern gefragt.

Was die Fachärzte angeht, so stellte Karlheinz Schmitt (CSU) in den Raum: "Warum sollten diese Ärzte plötzlich nach Bad Brückenau kommen?" Die Versorgung sei im Umkreis von 30 bis 50 Kilometern gut. Adelheid Zimmermann (FDP) sprach sich nicht grundsätzlich gegen ein Ärztehaus aus. Jede Praxis, Apotheke oder das Sanitätshaus würden aber in der Innenstadt fehlen. "Wir brauchen einen funktionierenden Ort", sagte sie mit Nachdruck.

Die zentrale Frage aber stellte Hartmut Bös (CSU). Gegenüber der Klinik steht der alte Bahnhof leer. Das Gebäude gehört der Stadt, über die Nutzung ist noch nichts entschieden worden. "Was spricht dagegen?", fragte Bös, warum das medizinische Zentrum nicht einfach auf der anderen Straßenseite gebaut werden könnte. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) schilderte den Räten, dass das Gebäude erst untersucht werden müsste. Ein Gutachten über das Tragwerk und eventuelle Schadstoffe stehe an. Zudem könnte ein Ärztehaus auf dieser Seite wie ein "Riegel" vor dem Bahnhofsgelände sein, das die Stadt mit Parkplätzen, Wohnmobilstellplatz und Radweg neu gestalten möchte.

Die Bürgermeisterin schloss die Debatte mit einem Appell ab. Mit deutlichen Worten stellte sie sich hinter das Projekt. Das Ärztehaus sei nicht nur wichtig für die Stadt, sondern für die gesamte Region, deshalb "bitte ich die Stadträte, sich in diese Richtung Gedanken zu machen", sagte Meyerdierks. Ein Vertreter der Ärzte kam nicht zu Wort. Emanuel Fritschka (PWG), Stadtrat und Vorsitzender des Bad Brückenauer Ärztevereins, fehlte entschuldigt.

3 Geschosse soll das Ärzte- und Gesundheitszentrum haben. Das Gebäude wird damit nicht höher als die benachbarte Prümmer Klinik.

3000 Quadratmeter Nutzfläche sind im Gespräch. Die Grundfläche beträgt in der momentanen Vorplanung 46 mal 24 Meter.



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