Bad Brückenau
Portrait

Bad Brückenau hat eine neue Gemeindereferentin

Johanna Schießl ist die neue Gemeindereferentin in Bad Brückenau. Im Gespräch erzählt sie von ihren Erlebnissen auf den Philippinen, ihrer Vorliebe für James Bond und was sie von Papst Franziskus erwartet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Johanna Schießl ist gerade erst von den Philippinen zurück. In Bad Brückenau warten viele neue Aufgaben auf sie. Foto: Ulrike Müller
Johanna Schießl ist gerade erst von den Philippinen zurück. In Bad Brückenau warten viele neue Aufgaben auf sie. Foto: Ulrike Müller
Kein Auto. Kein Fernseher. Kein Facebook. Dafür ab und an ein James Bond. "Die finde ich einfach gut gemacht", sagt Johanna Schießl - und das hätte man so gar nicht von einer Gemeindereferentin erwartet. Seit Mitte März unterstützt Schießl die Pfarreiengemeinschaft St. Georg. Dabei ist sie eigentlich noch gar nicht richtig angekommen in Deutschland.

Von 2008 bis Anfang dieses Jahres lebte Schießl auf den Philippinen. Ihr Lebenstraum.
"Das wollte ich schon immer." Sie arbeitete mit der schweizer Organisation "Bethlehem Mission Immensee" zusammen und unterstützte das pastorale Team der Diözese Bontoc-Lagawe im Norden des Landes. Außerdem führte Schießl Trainings mit Kindergärtnerinnen im Umgang mit häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch durch. Ihr Ziel: "Das Selbstbewusstsein der Frauen fördern, speziell von Müttern."

Kultur der Langlebigkeit eintwickeln

Zurück in Deutschland nimmt sie vor allem eines wahr: "Die Stille und Leere der Städte." Der demografische Wandel, dem sich Bad Brückenau auf allen Ebenen ausgesetzt sieht, beschäftigt sie. "Ich finde es ganz toll, dass es hier ein Kino gibt", schwärmt sie. Senioren- Kino könne sie sich vorstellen. Oder auch eine Reihe mit alten italienischen Film-Klassikern. Zum Beispiel.

Aber das ist schon viel zu weit vorgegriffen. In erster Linie ist Schießl Seelsorgerin. Die Hälfte ihrer Arbeitszeit gehört den Senioren in den Altenheimen der Stadt. Außerdem ist sie zu jeweils einem Viertel in der Pfarrei Bad Brückenau und in der Ehe- und Familienberatung in Bad Neustadt tätig. Der erste Satz, den sie über ihre Arbeit sagt, lautet: "Seelsorge ist in erster Linie Begegnung auf Augenhöhe, weil das was mit Respekt zu tun hat."

Blickwinkel des Südens

Zum anderen habe Seelsorge aber immer auch mit System-Fragen zu tun. Viele Probleme kämen daher, dass "im System ein Mangel ist, für den die Menschen nichts können". Niedrige Löhne. Steigende Armut. Entsolidarisierung. Und das ist der Punkt, an dem sie sich mit Papst Franziskus trifft.

"Es war ja nicht zu erwarten, dass da der große Liberalismus ausbricht", sagt sie - Frau und Theologin - und setzt dann noch einmal an. Sie will es positiv sagen. "Der Name Franziskus bürgt für ein Herz für die Armen, ein Herz für die Schöpfung und ein Herz für einen einfachen Lebensstil." Das finde sie gut. Der neue Papst bringe den "Blickwinkel des Südens" mit. Mit den Erfahrungen aus ihrer Zeit auf den Philippinen heraus könne sie das nur unterstützen.

Demenz-Erkrankte im Fokus

Konkrete Ziele hat sich Schießl noch nicht gesteckt, aber Wünsche hat sie. Insbesondere liegen ihr Demenz-Erkrankte am Herzen. "Natürlich haben diese Menschen ein Bedürfnis nach Nähe, Achtsamkeit und Zuwendung. Ist doch Wurscht, ob sie's wieder vergessen", bezieht Schießl Position. Bevor sie auf die Philippinen ausreiste, arbeitete sie zehn Jahre als Seelsorgerin in der Psychiatrie in Lohr am Main.

Schon damals wurde ihr klar: "Ich möchte mit den Menschen arbeiten, die am ehesten hinten herunterfallen." Mit psychisch Kranken, mit der indigenen Bevölkerung auf den Philippinen. Mit Demenz-Erkrankten.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren