Bad Kissingen
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Ausbildungsmarkt Landkreis Bad Kissingen: Überraschung bei den Schreinern

Zum siebten Mal in Folge gibt es im Landkreis weniger Azubis als Lehrstellen. An der Berufsschule bleiben die Zahlen stabil - für eine positive Überraschung sorgen die Schreiner.
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Feinschliff am ersten Werkstück: Schreinerazubi Noah Vonroth (links) und Lehrer Emil Hadzic. Foto: Benedikt Borst
Feinschliff am ersten Werkstück: Schreinerazubi Noah Vonroth (links) und Lehrer Emil Hadzic. Foto: Benedikt Borst
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Es gibt nach wie vor mehr Lehrstellen als Azubis. Allein im Handwerk sind dieses Jahr unterfrankenweit 1000 Stellen unbesetzt geblieben. "Quer durch alle Gewerke vom Kfz-Mechatroniker bis zur Bäckereifachverkäuferin", berichtet Daniel Röper, Pressesprecher bei der Handwerkskammer Unterfranken. Immerhin habe sich die Zahl der Auszubildenden nach einem größeren Einbruch wieder stabilisiert. Zum vierten Mal in Folge konnten die Handwerksbetriebe in Unterfranken ein leichtes Plus bei den Ausbildungsverträgen registrieren.

Diesen Eindruck bestätigt auch Karin Maywald, Leiterin der Staatlichen Berufsschule in Garitz. "In den letzten vier Jahren sind die Schülerzahlen insgesamt stabil geblieben. Das gilt für alle Bereiche", sagt sie. Auch in der Gastronomie, also bei den Köchen, Restaurantfach- und Hotelfachleuten haben sich die Zahlen nach einem Kompletteinbruch vor acht Jahren inzwischen wieder auf niedrigerem Niveau gefangen. "Wir bekommen mit, dass die Betriebe sich schwer tun, aber sie finden Auszubildende", berichtet sie. Eine Überraschung sind heuer die Schreiner im Berufsgrundschuljahr: üblicherweise unterrichtet die Berufsschule hier 25 bis 30 Schüler pro Jahrgang, aktuell sind es 40. Maywald: "Da hat sich etwas verändert, wir wissen aber nicht warum."

Hoffnung auf eine Trendwende macht Röper dadurch nicht. "Das ist eine Schwankung, die wir vor allem in Holzberufen beobachten", erzählt er. Eine Erklärung dafür könne die Handwerkskammer nicht geben. Auf längere Zeit gesehen gleiche sich das jedoch meist wieder aus.

Viele Möglichkeiten für Bewerber

Die Agentur für Arbeit meldet das siebte Jahr in Folge für den Landkreis Bad Kissingen, dass es deutlich mehr Ausbildungsstellen als Bewerber gibt. Von Oktober 2018 bis Ende September 2019 hatten 703 Schulabgänger die Ausbildungsvermittlung der Agentur in Anspruch genommen, gleichzeitig hatten die Betriebe 1076 freie Lehrstellen gemeldet. Sowohl die Zahl der Auszubildenden, als auch der Lehrstellen ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. "Der Ausbildungsmarkt ist seit 2013 aus Sicht der Jugendlichen ein Bewerbermarkt", sagt Walter Seit von der Agentur für Arbeit. Auch schwächere Bewerber haben gute Chancen, einen Ausbildungsvertrag zu bekommen. Dass das für die Firmen kein Nachteil sein muss, zeige sich daran, dass die Abbruchquote in der Ausbildung über die Jahre nicht zugenommen habe.

Die Experten der Arbeitsagentur sind der Ansicht, dass sich daran in absehbarer Zeit nicht viel ändern wird. Selbst wenn die Firmen in den nächsten Jahren weniger ausbilden - die Prognosen zur demographischen Entwicklung seien eindeutig. "Wir erwarten, dass die Bewerberzahlen rückläufig bleiben", sagt er. Hinzu kommt: Das Gros der Azubis hat klassischerweise einen Mittel- oder Realschulabschluss. Während die Bewerberzahlen mit Mittelschulabschluss konstant bleiben, nehmen die der Realschüler ab. Hier bleibt der Trend, dass viele nach dem Abschluss weiterführende Schulen besuchen und keine Ausbildung anstreben.

"Eigentlich müsste jeder Bewerber eine Stelle kriegen", sagt Berufsberater Thomas Schlereth. Mit vielen freien Stellen und wenigen Bewerbern hat klassischerweise das Baugewerbe zu kämpfen: Sechs Bewerber stehen laut amtlicher Statistik 89 Lehrstellen im Hochbau gegenüber, 39 Lehrstellen waren Ende September noch unbesetzt. Aber auch gastronomische Berufe, das Baunebengewerbe (etwa Maler) und Bäckerei- und Metzgereifachverkäufer sind wenig attraktiv bei den Bewerbern. Begehrt bleiben hingegen Bürojobs oder MINT-Berufe, etwa in der Verwaltung (54 Bewerber auf 31 Stellen), in der Unternehmensorganisation, in der IT oder als Chemielaborant in einem der großen Labore im Landkreis.

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