Bad Kissingen
Projekt

Aus Frankreich ins Bad Kissinger Zentrum für Telemedizin

Arthur Aubrée landete auf der Suche nach einem Praktikum im Zentrum für Telemedizin. Der interdisziplinäre Ansatz reizte den 23-Jährigen, jetzt gestaltet er den Abschluss der Aufbauphase mit.
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Geschäftsführer Sebastian Dresbach (links) zeigt dem französischen Praktikanten Arthur Aubrée, wie sich Medizintechnik und moderne Kommunikationstechnik miteinander verbinden lässt. Foto: Ralf Ruppert
Geschäftsführer Sebastian Dresbach (links) zeigt dem französischen Praktikanten Arthur Aubrée, wie sich Medizintechnik und moderne Kommunikationstechnik miteinander verbinden lässt. Foto: Ralf Ruppert
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Seit knapp dreieinhalb Jahren arbeitet das Zentrum für Telemedizin (ZTM) an innovativen Lösungen, um Krankenhäuser, Ärzte, Pflegeeinrichtungen und Reha-Kliniken besser zu vernetzen. "Ende des Jahres sind die vier Jahre Aufbauförderung vorbei", berichtet Geschäftsführer Sebastian Dresbach, und: "Wir bündeln gerade die Ergebnisse der letzten Jahre, und wir sind an einem Punkt, an dem die Projektarbeit in konkrete Dienstleistung übergeht." Dabei wird
jede helfende Hand benötigt - und Praktikant Arthur Aubrée hat zwei davon aus Frankreich mitgebracht.
Der 23-Jährige Franzose ist ein echter Überflieger: Bereits mit 17 legte er das Abitur ab, ein Doppel-Diplom als Ingenieur hat er schon in der Tasche und aktuell bereitet er sich auf den Master vor. "In Frankreich gibt es keine Masterarbeit, sondern man schreibt über ein Praktikum Berichte und legt eine mündliche Prüfung ab", erzählt er. Für dieses Praktikum hat er sich international beworben, von den USA bis Finnland.

Gezielt in eine kleine Firma

Eine seiner Bewerbungen flatterte bei Dr. Asarnusch Rashid im Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe auf den Tisch. Weil der jedoch gerade auf dem Absprung zum ZTM war, zog es auch Arthur Aubrée in die Rhön. "Ich wollte in eine Firma mit verschiedenen Projekten", sagt der Franzose. Er hat den Vergleich, weil er schon bei den Großen der Software-Branche in der Forschung gearbeitet hat. Deshalb weiß er: "In kleineren Firmen kann man mehr machen."
Für das ZTM ist es der erste Praktikant mit wissenschaftlichen Erfahrungen: "Wenn so ein Kaliber kommt, muss man natürlich aufpassen, dass er nicht unabkömmlich wird", lobt Dresbach die Arbeit von Arthur Aubrée. Seine Hauptaufgabe sei aktuell, die Software zu "füttern". Denn: Neu am Zentrum für Telemedizin sind nicht die Geräte und Programme, sondern die Vernetzung: "In Frankreich arbeiten hier die Ärzte und dort die Informatiker", erzählt Aubrée aus seiner Heimat. Aus seiner Sicht ist das ZTM auf dem richtigen Weg: "Das ist auch mein Ding, ich mag es, mit verschiedenen Fachleuten zu arbeiten."Ihn begeistert die Zusammenarbeit etwa mit Experten des Rhön-Klinikums.

"Ganzheitlich aufgestellt"

"Wir sind hier ganzheitlich und breit aufgestellt", sieht auch Dresbach den Vorteil in der Vernetzung der mehr als 100 Partner. "Die ganze Region entwickelt da etwas, das richtig gut ist." Deshalb sei er sich sicher, dass es mit dem ZTM und dem geplanten "Netzwerk Medizin" auch über das Jahresende hinaus weiter geht. "Das Zentrum für Telemedizin hat hier richtig eingeschlagen, und die Signale aus dem Gesundheitsministerium sind gut."
Arthur Aubrée begleitet diesen Weg jetzt seit Mitte März und mindestens noch bis Ende August. "Er passt auch menschlich wunderbar hier rein", freut sich Dresbach über die Unterstützung. Dazu gehört auch, dass er perfekt Deutsch spricht, schließlich war er mit 15 Jahren schon einmal für ein halbes Jahr zum Schüleraustausch in Göttingen und vor drei Jahren für ein zehnwöchiges Firmen-Praktikum in Mannheim.
Eine Wohnung suchte sich der junge Franzose übers Internet und wurde auf einem Aussiedlerhof in Ramsthal fündig. In der dortigen WG fühlt er sich wohl, er spielt mit seinen Mitbewohnern Saxophon und Gitarre, geht zum Klettern, zum Volleyball-Training und zum Improvisationstheater im Haus erLebenskunst. Nur einen kleinen Kulturschock gab es: "In Frankreich fangen wir nicht so früh mit der Arbeit an", erzählt der 23-Jährige und lacht. Auch da ist er aber in der "Chrono-City" Bad Kissingen gut aufgehoben.

netzt hat 2010 den Grundstein für das Zentrum für Telemedizin (ZTM) gelegt. Seine Arbeit nahm das ZTM Anfang 2012 im Rhön-Saale-Gründerzentrum Bad Kissingen auf, aktuell sind dort fünf Mitarbeiter fest angestellt. Dem Verein gehören gut 60 Mitglieder an, vom Ärztlichen Kreisverband bis zum Zentrum für Telematik. Den Vorsitz hat Prof. Bernd Griewing, ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik Bad Neustadt. Im Beirat sitzen Politiker, Mediziner und Vertreter aus Industrie, Krankenkassen, Hochschulen und Rentenversicherungen.
Finanzierung Das Projekt ist vorerst auf vier Jahre angelegt, die Gesamtkosten sind auf 2,7 Millionen Euro veranschlagt. 90 Prozent übernimmt der Freistaat Bayern. Für 2012 wurden aus München 250 000 Euro, für 2013 rund 500 000 Euro und für 2014 weitere 347 000 Euro überwiesen. Im Juni folgt die vierte Rate aus München.

Info Weitere Informationen über das ZTM gibt es unter www. ztm-badkissingen.de.

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