Hammelburg
Stadtleben

Aus der Region frisch auf den Tisch

Seit 20 Jahren verkaufen heimische Landwirte am ersten Samstag eines Monats in Hammelburg ihre Waren auf dem Bauernmarkt. Die mögliche Einführung eines grünen Wochenmarkts sorgt für Gesprächsstoff.
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Gemüse und Obst aus biologischem Anbau von Landwirt Hans Pfülb  aus Fuchsstadt präsentiert Katrischa Pfülb beim   Bauernmarkt.   Foto: Gerd Schaar
Gemüse und Obst aus biologischem Anbau von Landwirt Hans Pfülb aus Fuchsstadt präsentiert Katrischa Pfülb beim Bauernmarkt. Foto: Gerd Schaar
Es ist regnerisch und kalt am Samstagmorgen. Wer nicht unbedingt seine Einkäufe erledigen muss, bleibt lieber zuhause. "Da ist es doch eine Wohltat, in die gemütliche Markthalle zu gehen und dort in aller Ruhe einzukaufen", sagt Maria Schneider. Sie gehört zu den Stammkunden des Bauernmarktes, der vor allem von Einheimischen besucht wird. An elf Ständen bieten die Landwirte ihre Produkte an. "Da weiß man, wo es herkommt", meint Schneider. Zudem schätzt sie das persönliche Gespräch, kennt man sich doch seit vielen Jahren.
"Es kommen aber auch Kunden von weiter her, die ihren Einkauf mit einem Kurzurlaub in der Hammelburger Gegend verbinden", erzählt Rainer Alles, Vorsitzender des Bauernmarktvereins. Seit 2005 sind die Verkaufsstände in der Markthalle, die vor ihrem Umbau Feuerwehrgerätehaus war. Bis dahin fand der Markt im oft zugigen Rathausdurchgang statt.

"Nicht kaputt machen"


Die mögliche Einführung eines grünen Wochenmarkts ist natürlich auch bei den Leuten vom Bauernmarkt ein Gesprächsthema. "Grundsätzlich habe ich nichts gegen einen solchen Markt", sagt Rainer Alles. Doch sollte der gemeinsame Termin von Bauern- und Flohmarkt beibehalten werden. "Die Kombination ist einzigartig. Da muss man weit fahren, um so etwas noch einmal zu finden", bekräftigte der Vereinsvorsitzende. Es gebe Besucher, die von weither anreisten. "Das sollte man nicht kaputt machen", unterstrich Rainer Alles.
"Mein Umsatz wird nicht im selben Maße steigen wie mein personeller Mehraufwand an Auf- und Abbauarbeiten", glaubt Schnapsbrenner Manfred Lutz aus Windheim. Er würde daher lieber bei der bisherigen Regelung bleiben. Auch Landwirt Michael Zeitz aus Dittlofsroda meint: "Einmal monatlich Bauernmarkt könnte ausreichen."
Aus seinem Naturlandbetrieb mit 30 Milchkühen kommt der schmackhafte Käse, der in Handarbeit aufwändig gefertigt wird. "Wir sind mittlerweile am Ende unserer Käsekapazitäten angelangt", berichtet Ehefrau Birgid. Ihren Käse stellt sie ohne jegliche Zusätze her, nur Kräuter und Blumen gehören bei manchen Sorten dazu. Ihre Kinder haben früher mitgeholfen, doch wohnen sie nun zum Teil weit weg. "Doch wenn Bauernmarkt ist, kommt von dort immer noch Hilfe", ist sie froh.

Vor 20 Jahren für viele ein Exot


Gefragt sind auch Gemüse, Kartoffeln und Obst von Hans Pfülb aus Fuchsstadt. Alles stammt aus eigenem Anbau. "Ich bin seit 20 Jahren dabei und lege von Anfang an großen Wert auf Bio und Naturland", betont Pfülb. Seine ersten Vermarktungserfolge hatte er mit Bio-Gemüse. Vielen galt er damals noch als Exot. Auch er schätzt die Gemeinschaft des Bauernmarktvereins, der für ihn wie eine große Familie ist. "Vom Gewinn aus dem Markt allein kann keiner leben, aber es ist ein erfreuliches Zubrot", unterstreicht Pfülb.
"Am Anfang ging es schleppend", erinnert sich Pfülb. Da lief der Bauernmarkt in Bad Kissingen besser als in Hammelburg. "Doch jetzt sind wir sehr zufrieden, zumal die Stadt den Markt gut unterstützt", sagt er.
Entstanden ist der Bauernmarkt vor 20 Jahren auf Initiative des damaligen Landwirtschaftsamtes. "Karl-Heinz Suhl war von Anfang an unser Betreuer", dankte Rainer Alles bei einem Stehempfang am Samstagabend für Suhls Engagement. Eine Österreichfahrt brachte 1991 die Gründungsidee, eine finanzielle Förderung wurde über das 5b-Programm möglich. Suhl gratulierte den Marktbetreibern für ihr Durchhaltevermögen.
"Die landwirtschaftlichen Produkte der Region dort auch zu vermarkten, ist ein Ziel der neuen Integrierten Ländlichen Entwicklung", machte Bürgermeister Ernst Stross (SPD) deutlich. Auf dem Bauernmarkt gebe es nicht nur frische Ware, sondern auch den persönlichen Bezug zum Erzeuger. Sein Herzblut habe der städtische Marktleiter August Brendan für den Bauernmarkt fließen lassen, lobte Stross. Landwirte und Ehrengäste spendeten Brendan einen kräftigen Applaus.
Vorsitzender Rainer Alles betonte das gute Miteinander der Direktvermarkter. Für Probleme würden stets gemeinsame Lösungen gefunden. Dem Stehempfang in der Markthalle ging eine Dankandacht in der Stadtpfarrkirche voraus. Wortgottesdienstleiter Claus Schmitt, Kassier und Sprecher des Bauernmarktvereins, dankte für Offenheit und gegenseitiges Vertrauen. Unter Leitung von Monika Albert gestaltete der Frauenchor "InTakt" aus Burkardroth den musikalischen Rahmen.


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