Althausen
Ortskernrevitalisierung

Aus dem Schweinestall wurde ein Traumhaus

Sabine und Frank Mauer haben aus einem landwirtschaftlich genutzten Haus in Münnerstadt ein wunderschönes Domizil für die Familie geschaffen. Für Verena Mörsner, Innenentwicklungsmanagerin im Landkreis Bad Kissingen, ist das ein ideales Vorzeigeobjekt.
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Plausch auf der Terrasse des Hauses (von links): Helmut Blank, Frank Mauer, Elisa Mauer, Verena Mörsner, Noah Mauer, Sabine Mauer und Hermann Brust.  Foto: Thomas Malz
Plausch auf der Terrasse des Hauses (von links): Helmut Blank, Frank Mauer, Elisa Mauer, Verena Mörsner, Noah Mauer, Sabine Mauer und Hermann Brust. Foto: Thomas Malz
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Das Gespräch findet mitten im Schweinestall statt. Im Wohnzimmer steht der Bulldog, daneben das Dieselfass. Natürlich ist es nicht so, aber so wäre es noch vor ein paar Jahren gewesen. Aus einem zuletzt rein landwirtschaftlich genutzten Gebäude am Reifenberg in Althausen ist ein außergewöhnliches, ganz individuelles Wohnhaus entstanden, mit viel Platz, auch im Außenbereich. Und alles nach den eigenen Wünschen.
"Die habe ich geäußert, mein Mann hat versucht sie umzusetzen", sagt Sabine Mauer. Aber: "Man muss Kompromisse eingehen."

Genau in diesem Haus hat Sabine Mauer die ersten drei Jahre ihres Lebens verbracht, dann haben die Eltern nebenan neu gebaut. Das alte Haus wurde als Stall, Abstellraum, Holzlager und Kornlager genutzt.

Zu Sabine gesellte sich Frank, später kamen Elisa und Noah dazu. Die Familie wohnte im Haus von Sabines Eltern. "Es war klar, dass das nur eine Zwischenlösung ist", sagt sie. Bei der Suche nach einem möglichen Eigenheim schlossen die Mauers das inzwischen fast leer stehende Gebäude nebenan in ihre Diskussion mit ein und entschieden sich schließlich dafür. Sie haben es nie bereut, würden es heute wieder tun.

Fast alles selbst gemacht

Einerseits hing Sabine Mauer an dem Haus, in dem sie ihre ersten Jahre verbracht hatte, andererseits gehörte der Familie Grundstück und Haus. "Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt, schon immer ein Schmuckstück darin gesehen", sagt sie. Frank Mauer ist zudem Bautechniker. "Ich habe fast alles selbst gemacht." Hilfe hat er sich teilweise bei der Planung geholt und natürlich bei statischen Berechnungen.

Von 2008 bis 2010 hat der Umbau gedauert, wobei eigentlich nur die Außenwände stehen blieben. Eine Bodenplatte, Strom, Wasser oder Abwasser gab es zuvor auch nicht und die Raumaufteilung bei einem nur 7,7 Meter breiten, dafür aber 18 Meter langen Haus ist ebenfalls nicht so einfach. Und ganz billig ist so etwas natürlich auch nicht. "Es gibt immer Kosten, an die man gar nicht denkt", meint Sabine Mauer und Ehemann Frank fügt hinzu, dass ein Neubau als Fertighaus wohl etwas billiger gewesen wäre.

Den ideellen Wert gesehen

Doch Sabine Mauer hat immer den ideellen Wert des alten Hauses gesehen, konnte ihren Mann schließlich überzeugen. Nach den zwei Jahren Bauzeit ging es ins besondere Eigenheim, das zudem noch energetisch einen sehr hohen Standard hat. Die Mauers haben sich für eine Innendämmung entschieden, dadurch konnte die Fassade erhalten bleiben. Frank Mauer schwärmt beispielsweise von der guten Luft in der Wohnung, die er dem Lehmputz zuschreibt.

"Man hat seine Ruhe", sagt Frank Mauer. Ruhe und viel Platz, obwohl sich das Haus im Altort befindet, trotzdem ist es auch abgeschieden. "Viele finden uns gar nicht", erklärt Sabine Mauer. Die beiden Althäuser sind sich einig, dass sie so etwas in einem Neubaugebiet nicht bekommen hätten. Die Kinder profitieren ganz besonders davon.

"Aus einer alten Hofstelle ist etwas Neues geschaffen worden, was man so nicht gedacht hätte, sagt Nachbar und Ortsreferent Hermann Brust (CSU), der Sabine Mauer schon von Kindesbeinen an kennt. Er habe nie daran gezweifelt, dass die Beiden es schaffen.

Ein Glücksfall

Für Innenentwicklungsmanagerin Verena Mörsner sind die Mauers ein Glücksfall. Einerseits weil sie ein so tollen Projekt im Altort umgesetzt haben, andererseits weil sie in die Öffentlichkeit gehen. "Es ist gar nicht so einfach, jemanden zu finden"

"Mitten im Ort - mitten im Leben" heißt das Leader-Projekt der EU, an dem sich der Landkreis Bad Kissingen beteiligt. In einer ersten Phase sind alle Baulücken und Leerstände erfasst worden, erklärt Verena Mörsner. Anschließend wurden Haus- und Grundstücksbesitzer angeschrieben, beispielsweise nach ihrer Verkaufsbereitschaft befragt. Weil das nun schon drei Jahre her ist, werden die Daten derzeit aktualisiert. In einer zweiten Phase soll eine Immobilienbörse entstehen, in der Kaufinteressenten, in Frage kommenden Objekte finden können. Die Innenentwicklungsmanagerin hofft, dass die Immobilienbörse im Herbst fertig ist.

Bei der Bestandsaufnahme von Leerstand durch den Landkreis waren die Bürgermeister der jeweiligen Gemeinden und die Ortssprecher natürlich dabei gewesen. Daraus resultiere auch der Antrag von Fabian Nöth (Neue Wege), ein Programm ins Leben zu rufen, aus dem die Sanierung alter Häuser in den Ortskernen unterstützt wird, erläuterte Bürgermeister Helmut Blank (CSU). Innerhalb der NES-Allianz in Zusammenarbeit mit dem Amt für ländliche Entwicklung werde dieses Programm gerade erstellt. Die Mauers haben keinen Nutzen mehr davon, der Bürgermeister will sich aber dafür einsetzten, dass Unterstützung kommt, "zumindest in einer anerkennenden Form."

Helmut Blank verweist wie schon zuvor Verena Mörsner auf ein großes Problem: "Es gibt kaum jemanden, der verkaufen will." Oder es seien unrealistische Preisvorstellungen vorhanden. Die sehr niedrigen Preise für alte Häuser halten die Besitzer vom Verkauf ab. Private Baugrundstücke werden auch nur selten verkauft. Aber Helmut Blank kann auch ein paar Beispiele aufzählen, wo Auswärtige Häuser in den Ortsteilen gekauft haben.

Wichtige Öffentlichkeitsarbeit

Für Verena Mörsner ist die Öffentlichkeitsarbeit deshalb so wichtig. Dazu zählt sie auch den DonnersTalk, eine Informationsveranstaltungsreihe, für Eigentümer, Bauherren und Innenentwicklungsinteressierte. Am Donnerstag, 13. Juni, geht es um energieeffizientes und umweltschonendes Bauen. Beginn ist um 19 Uhr im Sparkassen-Pavillon in Bad Kissingen. Referent ist Jürgen Unser.

Für Verena Mörsner, gehören Bürgerbusse oder Dorfläden, wie sie es teilweise schon gibt, ebenfalls zum Innenentwicklungsmanagement. Dass sich das Engagement wirklich lohnen kann, zeigt sich am Beispiel der Familie Mauer. Frank Mauer arbeitet übrigens in der Bauverwaltung des Marktes Maßbach. So weiß er auch beruflich, wie wichtig die Revitalisierung der Ortskerne ist. Auch dort ist das Problem schon intensiv angegangen worden.

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