Bad Kissingen
Urlaub

Auf Rädern durch die Rhön

Eine Gruppe von Menschen mit Handicap unternahm eine Radtour von Bad Brückenau nach Bad Kissingen. Am Ziel angekommen, gab es noch eine Ausstellung über Liege- und Sesselrädern, Trikes und Velomobilen für die Teilnehmer.
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Manfred Lorösch und Sieglinde Griebel aus Detter mit ihrem Liege-Dreirad-Tandem.  Fotos: Peter Rauch
Manfred Lorösch und Sieglinde Griebel aus Detter mit ihrem Liege-Dreirad-Tandem. Fotos: Peter Rauch
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Eine Radtour von Bad Brückenau über Gemünden und Hammelburg nach Bad Kissingen ist für einen geübten Radler schon in einem Tag zu bewältigen. Handelt es sich dabei allerdings um Menschen mit einem Handicap, die auf Grund ihrer Behinderung auf ein dreirädriges Liegefahrrad oder einen Rollstuhl mit vorgesetztem Elektromotor angewiesen sind, so ist diese doch rund 100 Kilometer lange Tour nicht unter drei bis vier Tagen zu schaffen.

So hält der Rhön-Express-Radweg am Startpunkt Bad Brückenau noch einigermaßen was der Name verspricht, aber die Rhön ist eben kein Flachland, sondern besticht auch durch Bergrücken und weite Täler. Sinntal- und Saaletalradweg hören sich zwar gut an, sind landschaftlich auch wirklich reizend, aber eben zum Teil auch geschottert und damit recht anspruchsvoll sowohl für die dreirädrigen Biker, wie auch für die mitfahrenden Rollstuhlfahrer.

Die Tour wurde veranstaltet und ausgerichtet von der MS-Gruppe Bad Brückenau unter Mithilfe des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs aus Fulda. Im vergangen Jahr wurde in Bad Brückenau eine Multiple Sklerose Gruppe ins Leben gerufen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, unter ihrem Dach alle Brückenauer mit körperlichen Behinderungen zu vereinen und gemeinsame Ausflüge zu unternehmen. Schon im Gründungsjahr fanden erste Touren statt, nun organisierte André Pfister eine Viertagestour für die Selbstfahrer, die dabei in speziell ausgesuchten Hotels und Pensionen übernachteten.

Sieglinde Griebel, eine der 13 Teilnehmerinnen, ist gesundheitlich eingeschränkt und hat sich daher von Anfang an der Brückenauer Gruppe angeschlossen. Ihr Lebensgefährte Manfred Lorösch besitzt ein "normales" Liegedreirad und nun galt es zu überlegen, wie man gemeinsam an der Tour teilnehmen könne. "Meine Männer, also Lebensgefährte Manfred und Organisator André Pfister, erfanden dann das Liegerad-Tandem für mich", und erklärt, dass statt eines Anhängers, wie er häufiger für weltreisende Radler genutzt wird, ein zweites Liegedreirad angehängt wird. Im Gegensatz zum "Vorspann" hat dieses sogar einen kleinen Elektromotor. "Dennoch musste das über vier Meter lange Gefährt, wie auch einige der Rollstühle, stellenweise geschoben werden", sagte Manfred Lorösch aus Detter.

Große Herausforderung

Vor allem der Saaletalradweg in Höhe des Golfplatzes sei für alle Teilnehmer eine große Herausforderung gewesen. "Anspruchsvoll weil viertätig, aber wunderschön, weil immer wieder durch Stadt- oder Biberführung unterbrochen", sei die ganze Unternehmung gewesen. "Es war für mich eine unwahrscheinliche Bereicherung hier, mit zum Teil wildfremden Menschen, die ich vorher noch nie gesehen hatte, diese viertägige Tour zu erleben und zu genießen", fasst Behindertenbeauftragter Andreas Knüttel seine Eindrücke zusammen. Auch Knüttel, der seit Jahren im Rollstuhl sitzt, gehört zu den Gründern des Bad Brückenauer MS-Tisches. Für diese Tour, an der sogar Körperbehinderte aus Kassel, Dortmund und Würzburg teilnahmen, hat er vor seinen mit dicken Profilreifen versehenen Rolli einen "E-Pilot", einen Elektromotor, angekuppelt, dennoch bestätigt, dass alle Teilnehmer "schon ein bisschen sportlich sein müssten um hier teilnehmen zu können". Als besonders schön empfand er auf dem Rhön-Express-Rad-Weg die Biberführung, den Sinntalradweg "als einen Abschnitt purer Natur" und die sprichwörtliche Eselsgeduld der Stadtführer in Hammelburg und Gemünden. Für kommendes Jahr hat André Pfister eine Tour von Bad Brückenau in Richtung Bad Neustadt ins Auge gefasst "dabei setzen wir aber teilweise, wie hier heute zur Rückfahrt, einen Bus ein, denn über die Rhöner Bergkuppen ist es doch zu steil". Endpunkt der viertägigen Tour von Bad Brückenau war die Bad Kissinger Rehaklinik Bavaria, wo die Teilnehmer nicht nur eine Erfrischung und Stärkung erwartete. In der hauseigenen Sporthalle erwartete sie auch eine - allerdings nur eintägige - Ausstellung von Liege- und Sesselrädern, Trikes und Velomobilen, Fahrzeuge mit unterstützendem Elektro-Antrieb für Menschen mit Behinderung, die dennoch das Leben genießen und mobil sein wollen.

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