Bad Kissingen
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Auf der Suche nach Spuren Balthasar Neumanns im Landkreis Bad kissingen

Eine Studie soll klären, was der Barock-Baumeister alles in der Region hinterlassen hat - und wie es besser vernetzt werden kann. Dagegen gibt es bei der "Strecke 46" schon ein Konzept.
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Balthasar Neumann (Bildmitte, dargestellt von Otmar Lutz) ist eine der historischen Persönlichkeiten beim Rakoczyfest. Gemeinsam mit Apotheker Georg Anton Boxberger (rechts Darsteller Erwin Back) entdeckte er die Rakoczy-Quelle 1737 neu. Zudem hinterließ er in Franken zahlreiche Baudenkmäler.  Foto: Benedikt Borst
Balthasar Neumann (Bildmitte, dargestellt von Otmar Lutz) ist eine der historischen Persönlichkeiten beim Rakoczyfest. Gemeinsam mit Apotheker Georg Anton Boxberger (rechts Darsteller Erwin Back) entdeckte er die Rakoczy-Quelle 1737 neu. Zudem hinterließ er in Franken zahlreiche Baudenkmäler. Foto: Benedikt Borst
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Saale-Verlegung und Neufassung der Rakoczy-Quelle in Bad Kissingen, Brunnenbau in Bad Bocklet, altes Rathaus in Ebenhausen oder Kirche Eltingshausen: Der Barock-Baumeister Balthasar Neumann (1687-1753) hinterließ auch im Landkreis Bad Kissingen zahlreiche Spuren. Deshalb beteiligt sich die Lokale Aktionsgruppe (LAG) mit Leader-Mitteln an einer Studie, die die "kulturhistorische Inwertsetzung" seines Erbes untersuchen soll. Insgesamt sind 90 600 Euro veranschlagt, aus Bad Kissingen kommen davon 5475 Euro an Leader-Mitteln.

"Star-Architekt seiner Zeit"

Selbst für die Mitglieder des LAG-Lenkungsausschusses waren einige Spuren Neumanns neu: "Das wusste ich gar nicht, das ist ja spannend", wunderte sich etwa die Bad Brückenauer Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU), dass in der Gemeinde Oerlenbach gleich zwei Gebäude stehen, die Neumann geplant hat. Der dortige Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) ist selbst gespannt, was bei der Studie heraus kommt: "Ob das irgendwann touristisch genutzt werden kann, weiß ich auch nicht." Die Gemeinde hat das 1725 erbaute Rathaus in Ebenhausen von 2000 bis 2002 für mehr als eine Million Euro saniert. Heute sind dort Trachtenverein und Musikkapelle untergebracht.

Als "echten Star-Architekten seiner Zeit" bezeichnete Cordula Kuhlmann, Leiterin des Regionalmanagements, Balthasar Neumann. Er sei zudem gelernter Landschafts- und Wasserbaumeister gewesen. In Bad Kissingen ließ er 1737 die Saale verlegen, um Platz für Kuranlagen zu schaffen, dabei entdeckte er zusammen mit dem örtlichen Apotheker Georg Anton Boxberger (1679-1765) den Rakoczy-Brunnen wieder.

Kreis Schweinfurt federführend

In der Studie gehe es zunächst um eine Bestandsaufnahme: "Das muss wissenschaftlich fundiert aufgearbeitet werden", sagte Kuhlmann. Ob und wie daraus ein vermarktbares Produkt entstehen könne, sei vorher nicht absehbar. Allerdings betonte Kuhlmann auf Nachfrage von Thorn Plöger, Geschäftsführer der Rhön GmbH, dass alle Projekt-Partner Interesse daran hätten.

Neben der LAG Bad Kissingen sind im Landkreis auch die Stadt Bad Kissingen, die Staatsbad GmbH, die Gemeinde Oerlenbach sowie die Staatsbad und Touristik GmbH Bad Bocklet beteiligt. Überregional ist der Landkreis Schweinfurt federführend, weitere Partner sind die Landkreise Bamberg, Hassberge und Kitzingen sowie der Verein "Kulturerlebnis Fränkische Schweiz". Beteiligt ist unter anderem die Stadt Würzburg, die dortige Residenz gilt als das bekannte Bauwerk Neumanns und ist als Unesco-Weltkulturerbe anerkannt. Für die Studie ist ein Jahr angesetzt.

Wesentlich konkreter sind die Pläne bereits für die "Strecke 46", einem knapp 70 Kilometer langen Autobahn-Abschnitt parallel zur A 7. Laut dem Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich handelt es sich bei den Überresten der 1937 begonnen Reichsautobahn um das längste Bodendenkmal Europas. Entsprechend lang ist die Liste der Partner: von der Gemeinde Zeitlofs über die Bayerischen Staatsforsten und den Naturpark Spessart bis zum Verein "Arbeitsgemeinschaft Autobahngeschichte". Bereits jetzt gebe es in Gemünden eine große Nachfrage nach Mountainbike-Touren entlang der Strecke.

Zerstreut wurden die Sorgen, dass "Ewig-Gestrige" die Überreste der Reichsautobahn für die Verherrlichung der NS-Zeit nutzen. Bürgermeister Friedrich versicherte, dass es den Besuchern eher um die technische Baugeschichte gehe. Oswald Türbl aus Schondra schlug vor, an den Stationen auch auf Aspekte wie das Arbeitslager hinzuweisen, "damit das nicht zum Wallfahrtsort wird".

Für Gesamtkosten von rund 242 300 Euro sollen entlang der Strecke 46 mehrere Spurensucher-Pfade entstehen. Broschüren, eine Homepage und ein mobiles Angebot runden das Konzept ab. Die LAG Bad Kissingen beteiligt sich mit 28 500 Euro aus ihren Leader-Mitteln. Weil Friedrich bereits jetzt Führungen leitet, scherzte Landrat Bold nach der einhelligen Zustimmung: "Damit ist geklärt, was der Kollege nach seiner Bürgermeisterzeit macht."

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