In diesen Tagen zeigt sich der Sommer von seiner besten Seite. Die Sonne scheint, kein Wölkchen am Himmel und das Barometer knackt endlich wieder die 30 Grad-Marke. Da kommt uns der Sommerschlussverkauf (SSV) doch gerade recht: Bunte und luftige Sommerbekleidung, auf die wir bisher so gut wie verzichten mussten, zu deutlich reduzierten Preisen. Das lockte auch Jennifer Zeising in die Innenstadt. Sie zog gestern los, um noch ein paar Schnäppchen für sich zu gewinnen. "Vielleicht ist ja was dabei", hofft die 20-Jährige.
Noch vor ein paar Tagen sah das alles ganz anders aus. Da war der Sommer vor allem eins: durchwachsen. Das ärgerte nicht nur Jennifer oder uns Ottonormalverbraucher, sondern auch den Einzelhandel in Bad Kissingen. Das Sommergeschäft fiel in mehreren Läden nämlich eher mau aus.
"Wir sind nicht zufrieden, es könnte besser sein", sagt Ruth Paul vom Schuhgeschäft Ger lach. Viele Sommerschuhe warten noch auf ihren Besitzer. "Man sieht es ja auch am Lagerbestand. Wir haben die ganze Zeit gehofft, der Sommer kommt noch", ergänzt Kollegin Traudl Lell.
Und auch Birgit Müller vom Badeshop Kaulberg hat wegen des bisher enttäuschenden Sommers einen geringeren Umsatz als sonst: "Ich habe wetterbedingt schon weniger verkauft. Aber klar, ich kaufe mir keine Sommerware, wenn draußen nur 15 Grad sind." Sie hofft jetzt auf die Restsommer-Wochen. "Ganz okay" dagegen verlief das bisherige Sommergeschäft laut Sebastian Mützel, Juniorchef in der Modegalerie Mützel.
"Diesen Sommer wurde insgesamt schon weniger verkauft", fasst Ralf Ludewig, Bezirksvorsitzender des Einzelhandelsverbands, die Geschäfte in Bad Kissingen zusammen. Der Saisonauftakt im April und Mai sei noch gut gelaufen. Doch gerade in den Monaten Juni und Juli, in denen viele Gäste in der Kurstadt zu Besuch sind, sei es verregnet und kühl gewesen. Während des "Sausommers" habe der Textileinzelhandel auch mit verschiedenen Aktionen versucht, das Geschäft zu verbessern. Ludewig: "Wir haben zum Beispiel Jacken günstiger gemacht, weil die haben die Leute ja bei dem kalten Wetter gebraucht."

"Uns fehlt das Steigenberger"


Doch die häufig noch vollen Lager schieben Ludewig und einige Ladeninhaber nicht allein aufs Wetter. Die Schließung einiger Hotels, vor allem des Steigen berger Kurhaus Hotels, habe laut Ludewig ebenso dazu beigetragen, dass sich die Gästestruktur der Kurstadt verändert habe. "Wir merken ganz extrem, dass Hotelgäste fehlen. Wir haben deutlich weniger Frequenz", beklagt auch Mützel. Für ihn sei es eine Schande, dass die Stadt es nicht hinbekomme, ein neues Hotel zu eröffnen. Müller sieht das genauso: "Das gehobene Publikum fehlt." Ebenso bestätigen Paul und Lell: "Uns fehlt das Steigenberger."
Das derzeitige Hochsommerwetter zum Beginn des SSV sei trotzdem ein immenser Vorteil. Es komme nicht nur dem Einzelhandel zugute, sondern auch dem Verbraucher. "Das ist die beste Zeit. Wer sparen will, findet jetzt die größte Auswahl an reduzierter Sommerware", sagt Ludewig. Zwischen 30 und sogar 70 Prozent Rabatt sei während des SSV alles dabei. "Und man kann nicht nur kann Schnäppchen machen, sondern auch schon mal in die Herbstmode reinschnuppern", wirbt Ludewig. In den nächsten zwei bis drei Wochen rechnet er mit einem deutlichen Zuwachs an Kunden. Ende August sei mit der Hochsommer-Ware dann aber endgültig Schluss.

Sommerschlussverkauf:

Branchen Seit der Gesetzesänderung 2004 gibt es beim SSV keine Beschränkungen mehr auf bestimmte Sortimente. So beteiligen sich auch Möbel- oder Elektrogeschäfte. "Beim großen Saisonfinale kann jeder mitmachen. Der Handel braucht den SSV, um Platz für die neue Herbstware zu schaffen", sagt Bernd Ohlmann, Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern. Trotz der Rabattaktionen der letzten Wochen ist er vom SSV überzeugt. Denn jetzt gebe es nicht nur vereinzelte Rabatte, sondern Schnäppchen auf breiter Front.

Dauer Der Sommerschlussverkauf (SSV) dauert zwei Wochen und endet am Samstag, 4. August. Saisonschlussverkäufe können seit Inkrafttreten der Reform grundsätzlich nach Belieben durchgeführt werden, werden aber weiterhin zu ähnlichen Zeiten wie bisher durchgeführt.