Bad Kissingen
Geschichte

Auf dem Bau fürs Kurhausbad von Bad Kissingen

Anton Schick Seniors Großvater hat 1926 am damals größten Kurmittelhaus in Europa mitgebaut. Den Baufortschritt hat er auf vielen Bildern dokumentiert. Ein Blick ins Bildarchiv der Firma Schick und in alte Auftragsbücher.
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Anton Schick Senior mit einem alten, handgeschriebenen Auftragsbuch aus der Bauzeit des Kurhausbades. Foto: Benedikt Borst
Anton Schick Senior mit einem alten, handgeschriebenen Auftragsbuch aus der Bauzeit des Kurhausbades. Foto: Benedikt Borst
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Anton Schick Senior blättert durch ein altes Auftragsbuch. "Neubau Staatliches Kurhausbad", hat sein Großvater Anton Schick (1877 - 1949) in akkurater, sauberer Handschrift über den Seitenkopf geschrieben. Darunter listen sich Namen der Handwerker, die 1926 für die Firma Schick am damals größten Kurmittelhaus in Europa gearbeitet haben. Für die damals erst 22 Jahre alte Firma war das staatliche Bauprojekt in der Prinzregentenstraße ein Großauftrag. "Mein Opa hat jeden Morgen die Baustelle besucht", erzählt Schick Senior. Mit seinem Notizbuch bewaffnet hat er die jeweils anstehenden Aufgaben durchgesprochen, Personal eingeteilt und den Materialnachschub organisiert.

Guter Kontakt zu Max Littmann

Der Großvater stammte aus dem Spessart, aus einfachen Verhältnissen. Nach seiner Ausbildung in Würzburg zum Steinmetzmeister arbeitete er zunächst unter dem bekannten Kissinger Architekten Carl Krampf als Bauleiter. 1904 gründete er seine eigene Firma, erwarb sich Referenzen und baute gute Beziehungen zu dem großen Münchner Architekten Max Littmann auf. Der wiederum griff gern auf Schick zurück, als es darum ging, den Regentenbau und das Kurhausbad zu errichten. "Das waren für ihn die wichtigsten Bauvorhaben. Auf sie war er sehr stolz", sagt Schick Senior, der das Unternehmen seit 1965 leitet und bis heute Sohn Anton Schick junior in der Geschäftsführung unterstützt.

Die erste Rechnung im Firmenarchiv dokumentiert, dass Schick das zuvor auf dem Grundstück des Kurhausbades stehende "Haus Engelhardt" abgebrochen hat. Littmann hatte die Bad Kissinger Baufirma mit den Erd-, Maurer-, Zimmerer- und Natursteinversetzarbeiten beauftragt. "Der Natursteinsockel stammt aus unserem Muschelkalk-Steinbruch bei Wirmsthal", berichtet der 79-Jährige. Der ist heute allerdings nicht mehr in Betrieb.

Kipplader statt Schubkarre

Den Verlauf auf dem Bau hat der Großvater ausführlich in Bildern festgehalten. Zu sehen ist eine für die damalige Zeit fortschrittliche Baustelle. Das fängt schon dabei an, wie die Erde aus der Baugrube abtransportiert wurde. Die Arbeiter benutzten zum Beispiel Kipplader und Lastenaufzüge, um die Erde auf die Pferdefuhrwerke zu verladen. "Das war fortschrittlich, weil man es nicht mit der Schubkarre fahren musste", erklärt Schick Senior. Zwei Kubikmeter Erde ging auf so einen Pferdeanhänger. Zum Vergleich: Ein normaler Lkw schafft zehn Kubikmeter Erde.

Im Kurhausbad wurde Stahlbeton verwendet, etwa bei den gewendelten Treppen. Verantwortlich dafür war eine Firma aus Augsburg. "Die Treppen wurden vor Ort geschalt, mit Bewehrungsstahl versehen und dann gegossen", sagt der Diplom-Ingenieur. Stahlbeton war damals noch ein vergleichsweise neue Werkstoff, auf vielen Baustellen hätten die Arbeiter frei Schnauze und per Hand gemischt. Für das Kurhausbad wurde er hingegen maschinell hergestellt und die Qualität wurde vor Ort überwacht.

Schick weiß noch von einer weiteren Besonderheit: "Ungewöhnlich war der große Anteil an Installationen für das Heilwasser aus speziellen Gussrohren." Die Rohre mussten besonders korrosionsbeständig sein, damit sie dem aggressive Kissinger Heilwasser standhielten.

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