Bad Kissingen
Konzert

Auch Sterne haben Schutzengel

Jenseits der üblichen Krippenspiele verbreitete das Singspiel "Großer Stern, was nun?" vorweihnachtliche Stimmung im Kurtheater Bad Kissingen.
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Was passiert, wenn der große Stern vom Himmel fällt? Das Kindersingspiel "Großer Stern, was nun?, zeigt es. Es war Teil des nachmittäglichen Konzerts im Kurtheater,unter dem  Motto "Adventliches und Besinnliches für Groß und Klein". Foto: Thomas Ahnert
Was passiert, wenn der große Stern vom Himmel fällt? Das Kindersingspiel "Großer Stern, was nun?, zeigt es. Es war Teil des nachmittäglichen Konzerts im Kurtheater,unter dem Motto "Adventliches und Besinnliches für Groß und Klein". Foto: Thomas Ahnert
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Sterne sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Vielleicht hat er nur mal kurz nicht aufgepasst oder ist vielleicht eingenickt. Ausgerechnet kurz vor Weihnachten hat sich der Große Stern am Himmel nicht mehr halten können und ist hinuntergefallen auf die Erde. Dabei hatte er, eigentlich wie immer, über Bethlehem strahlen wollen, wenn Christus geboren wird. Großer Stern, was nun? Da ist guter Rat teuer, plötzlich reimt sich auf "Bethlehem" auch mal "Problem". Aber die Abhilfe kommt, und zwar auf Flügeln. Offenbar haben auch Sterne ihre Schutzengel. Die nehmen den Stern und tragen ihn auf Flügeln an seinen angestammten Platz am Himmel, dass er zur rechten Zeit auch wieder strahlen kann. Gerade noch mal gut gegangen. Aber auf Schutzengel kann man sich halt verlassen.

Natürlich ist das eine harmlose Geschichte - denn man sollte sich nicht nur auf die Schutzengel verlassen. Aber Peter Schindler, Pianist, Organist, Komponist und Musikproduzent, hat 2007 daraus ein kleines Singspiel für Kinderchöre gemacht, das in einer knappen Viertelstunde die Möglichkeit bietet, einmal ohne Stall und Ochs und Esel, also jenseits der üblichen Krippenspiele, vorweihnachtlich Stimmung zu verbreiten. Dabei sind die sechs Lieder so gesetzt, dass sie die Kinder stimmlich nicht überfordern und ein-, aber auch mehrstimmig gesungen werden können. Die Melodien sind leicht zu merken - und eine ist auch schon bekannt: "Vom Himmel hoch da komm ich her" singen die Engel, als sie den Stern an seinen Platz transportieren. Man könnte das Lied da eigentlich umdichten: "Zum Himmel hoch, da muss ich rauf". Am Ende ist alles wieder an seinem Platz und in Ordnung. Und das zeigt auch die Musik: "Endlich ist der Stern zurück, nichts fehlt mehr zum Weihnachtsglück" ist ein kleiner Gute-Laune-Walzer.

"Großer Stern, was nun?" eröffnete das nachmittägliche Konzert im Kurtheater, das Brigitte und Burkhard Ascherl unter das Motto "Adventliches und Besinnliches für Groß und Klein" gestellt hatten und zu dem sie drei ihrer Chöre mitgebracht hatten: den Kinderchor und Jugendchor sowie den JuLifa-Chor. Die Kantorei ist im Augenblick gut ausgelastet mit der Vorbereitung zu Bachs Weihnachtsoratorium am 16. Dezember. Und natürlich kamen die Kinder als erste dran: Eine Gruppe spielte die tanzenden Engel, die den Stern retten, die andere sang im Hintergrund die Lieder, die das Geschehen kommentieren. Brigitte Ascherl war es gelungen, die beiden Gruppen zu großer Konzentration zu bringen, denn erste Auftritte vor Publikum - und dann gleich auf einer echten Theaterbühne - haben eigentlich ein enormes Ablenkungspotenzial.

Wobei man allerdings auch sagen muss, dass eines die Sache sehr beförderte: Die jungen Leute wurden von der Staatsbadphilharmonie begleitet. Christoph Staschowski hatte die von Peter Schindler komponierte Klavierbegleitung sehr lebendig und bunt für Orchester arrangiert, und die Truppe um Kapellmeister Burghard Toelke schien ihren Spaß daran zu haben, die Engel und den Chor zu begleiten. Die Jüngsten haben das vielleicht gar nicht bemerkt oder schnell wieder vergessen. Aber für die Älteren, vor allem für den Jugendchor, war das gemeinsame Musizieren mit einem Orchester sicher eine interessante und wichtige Erfahrung.

Dann kamen die bekannten und weniger bekannten Lieder. Burkhard Ascherl dirigierte den JuLifa-Chor bei John Rutters "Die wunderbarste Zeit" und Loonis McGlohons "Weihnachtliche Freudenzeit". Bei Irving Berlins "White Christmas" ließ sich der Chor auf der weichen Chromatik treiben, bei dem Spiritual "It's a birthday" artikulierte er die typische starke Rhythmik.

Mit einem Weihnachtslieder-Medley verschaffte das Orchester den Sängerinnen und Sängern eine Atempause. Die Frage, von wem dieses kurzweilige Arrangement stammt, muss offen bleiben. Es waren die ganzen Hits rund um den Weihnachtsbaum: Von "Alle Jahre wieder" und "Morgen kommt der Weihnachtsmann" über " O Tannenbaum" oder "Es ist ein Ros entsprugen" bis zum triumphalen "Tochter Zion" reichten die Zutaten. Und es machte einfach Spaß zuzuhören, nicht nur, weil das alles sehr abwechslungsreich arrangiert war, sondern auch, weil sich die Musiker von jedem lastenden weihnachtlichen Pathos fern hielten und auf die heitere Seite des Ereignisses zielten.

Der Jugendchor zeigte, wieder mit Klavierbegleitung, was man mit einer guten Förderung der Begabungen erreichen kann: mit dem stark rhythmisierten, in einzelne Silben zerlegte "Jubilate Deo" von Jay Althouse und dem stimmungsvollen Spiritual "This little light of mine" - obwohl es gar nicht so einfach ist, rhythmisch zu klatschen und trotzdem die Noten zu halten. Gemeinsam mit den Kindern gab es dann das zweistimmige "Stern über Bethlehem", wobei der Jugendchor die schwierigere, weil sehr hohe zweite Stimme übernahm. Das tat er auch bei "Leise rieselt der Schnee", das so gut strukturiert war, dass ein Effekt des leisen Glockenläutens eintrat. Als gemeinsam von allen Chören gesungener und vom Orchester begleiteter Abschluss kam noch einmal John Rutter zu Wort mit "Der Stern von Bethlehem".

Als Zugabe kam ja eigentlich nur ein Lied in Frage: "Jingle Bells". Da klatschte das Publikum mit. Der Stern leuchtete wieder. Die Adventszeit konnte beginnen.

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