Bad Kissingen
Nachgefragt

Auch nach neun Jahren noch kein Investor für das Bad Kissinger Kurhaushotel in Sicht

Heinz Stempfle vom Hotel- und Gaststättenverband bezweifelt, dass noch ein Investor gefunden wird.
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Der Protest nutzte nichts: Am 7. Juli 2010 sprachen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Franz Josef Pschierer (damals Finanz-Staatssekretär, später Wirtschaftsminister) mit den Steigenberger-Beschäftigten und Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Trotzdem wurde das einzige Bad Kissinger Fünf-Sterne-Hotel im Oktober 2010 geschlossen. Bis heute gibt es keine Lösung für die Brachfläche. Foto: Edgar Bartl/Archiv
Der Protest nutzte nichts: Am 7. Juli 2010 sprachen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Franz Josef Pschierer (damals Finanz-Staatssekretär, später Wirtschaftsminister) mit den Steigenberger-Beschäftigten und Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Trotzdem wurde das einzige Bad Kissinger Fünf-Sterne-Hotel im Oktober 2010 geschlossen. Bis heute gibt es keine Lösung für die Brachfläche. Foto: Edgar Bartl/Archiv
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Selbst Ministerpräsident Markus Söder (CSU) scheint mit seinem Latein am Ende zu sein: "Alles was staatlich leistbar ist, haben wir gemacht", sagte er beim Staatsempfang des Kissinger Sommers zum Thema Kurhaushotel. Als Finanzminister war er vier Jahre lang für die Ausschreibung verantwortlich. 2018 wechselte dann die Zuständigkeit vom für die Staatsbäder zuständigen Finanz- ins neue Bauministerium, zunächst unter Ilse Aigner, seit November 2018 geführt von Hans Georg Reichhart. Für die Ausschreibung ist die Immobilien Freistaat Bayern (Imby) zuständig. "Die bisherigen Verhandlungen der Imby mit den Interessenten konnten zu keinem erfolgreichen Abschluss gebracht werden", kommentiert eine Sprecherin des Ministeriums auf Nachfrage den aktuellen Stand.

Erstes Gebäude bereits 1739

Die Brachfläche direkt neben dem Kurgarten hat eine wechselvolle Geschichte: Hofbaumeister Balthasar Neumann ließ dort im Jahr 1739 im Auftrag des Würzburger Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim das erste Gebäude errichten. 1828 wurde die Unterkunft für Domkapitel und Adel um den heutigen "Neumann-Flügel" ersetzt. Das eigentliche Hauptgebäude des "Königlichen Kurhaushotels" direkt am Kurgarten folgte erst Mitte des 19. Jahrhunderts.

Nach dem Krieg renovierte der Freistaat die Gebäude und verpachtete sie 1959 an die "Steigenberger"-Kette. Im Jahr 2010 kam dann der Paukenschlag: Finanz-Staatssekretär Franz Josef Pschierer kündigte den Pachtvertrag, weil es keine Einigung über Investitionen vor allem in den Brandschutz des Gebäudes gab. Das kam dem Freistaat und der Stadt teuer: Der Freistaat musste der Hotel-Kette eine Entschädigung und den Sozialplan für die rund 70 Beschäftigten zahlen, später auch noch den Abriss des Gebäudes und des benachbarten Kurgastzentrums. Der Staatsbad GmbH entgehen seit neun Jahren Kurtax-Einnahmen und die Stadt verlor die Kaufkraft der Hotel-Gäste.

Seit 2014 sucht der Freistaat nun nach einem Investor für ein neues Hotel dort: Zunächst noch für das komplette, rund ein Hektar große Grundstück samt Kurhausbad und Neumann-Flügel. Ende 2015 kündigte dann Markus Söder (damals noch als Finanzminister) an, dass Kurhausbad und Neumann-Flügel für 45 Millionen Euro zum neuen Standort des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) umgebaut werden. Im Mai 2016 wurde deshalb nur noch der rund 5000 Quadratmeter große südliche Teil des Grundstücks als möglicher Hotel-Standort angeboten. Neu war damals, dass 40 Prozent Wohnungen möglich sind. Ermöglicht wird die gemischte Nutzung durch eine Neufassung der Kurgebietssatzung und der Übertragung von Wohnflächen, die für die LGL-Außenstelle nicht benötigt werden.

"Mehrere Interessenten"

Laut Bauministerium befindet sich die Imby aktuell "in Gesprächen mit mehreren Interessenten". Weiter heißt es aus München: "Insbesondere aufgrund der Komplexität des Grundstückszuschnitts ist der Interessentenkreis naturgemäß klein." Die Imby habe bereits "mit einer Vielzahl von Interessenten" Verkaufsverhandlungen geführt, teilt das Bauministerium weiter mit. Zudem stehe die Imby mit allen beteiligten Behörden wie der Stadtverwaltung, der staatlichen Bäderverwaltung und der Denkmalschutzbehörde "in fortwährendem Austausch, um die Bebauung des Areals durch einen geeigneten Investor so schnell wie möglich zu gewährleisten".

Besuch statt Neujahrsempfang

Hoffnung geschürt hatte ein Besuch des Bad Kissinger Oberbürgermeisters im Februar im Bauministerium: OB Kay Blankenburg (SPD) schwänzte sogar den Neujahrsempfang der Stadt, um nach München zu fahren. Zum Ergebnis schwiegen aber beide Seiten. Auf Nachfrage bezeichnet nun eine Sprecherin des Bauministeriums die aktuellen Gespräche als "sehr vielversprechend", Details aus den laufenden Verhandlungen gibt es allerdings keine. Der Freistaat wolle den Verhandlungspartnern "absolute Diskretion" bieten. Nur soviel: "Eine Frist im Sinne einer ,Deadline' gibt es aufgrund der komplexen Situation nicht."

Der amtierende Bürgermeister Anton Schick (DBK) betont, dass zwar der Freistaat "Herr des Verfahrens" sei, aber die Stadt unterstütze die Bemühungen natürlich: "Wir würden sofort handeln, wenn sich eine Chance bietet". Sprich: Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan die Voraussetzungen für eine Genehmigung schaffen.

Keine große Hoffnung mehr hat dagegen der Bad Kissinger Hotelier Heinz Stempfle, gleichzeitig Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. Nach neun Jahren ohne das einzige Fünf-Sterne-Hotel in der Stadt geht er sogar noch weiter: "Die Frage ist, ob wir dort überhaupt brauchen ein neues Hotel brauchen." Aus Stempfles Sicht sei mit rund 1,6 Millionen Übernachtungen ein "Limit" für die Stadt erreicht. Er gehe nicht davon aus, dass sich die Zahlen noch viel weiter steigern lassen. Und: "Das Publikum hat sich geändert", sieht Stempfle nur noch eine kleine Gäste-Klientel für Luxus-Hotels. Die meisten Gäste seien mit den vorhandenen Hotel-Kategorien bis vier Sterne zufrieden.

Bettenzahl steigt wieder

Zudem seien bereits etliche neue Betten angekündigt, allen voran das Thermen-Hotel neben der "Kisssalis". Nach der Jahrtausend-Wende hatte Bad Kissingen zunächst Betten verloren: Im Jahr 2000 gab es laut Staatsbad GmbH 355 Betriebe mit insgesamt 9631 Betten. Im Jahr 2017 waren es nur noch rund halb so viele Betriebe mit zusammen weniger als 6700 Betten. Im vergangenen Jahr kamen dann unter anderem durch das Hotel "Fontana" im ehemaligen VdK-Kurzentrum wieder neue Betten dazu, zum Jahreswechsel waren es 6951.

Deshalb ist Stempfle skeptisch, ob sich ein weiteres Hotel - egal mit wie vielen Sternen - am Kurgarten oder überhaupt ein Fünf-Sterne-Hotel in Bad Kissingen tragen würde. "Damals wäre ich froh gewesen, wenn das Steigenberger nicht geschlossen worden wäre, aber heute weiß ich nicht, ob wir es brauchen."

Die Brachfläche des abgerissenen Kurhaushotels wird aktuell noch als Stellfläche für den Umbau des Neumann-Flügels benötigt. Wie sie nach dem Abschluss der Bauarbeiten Ende 2021 genutzt oder gestaltet wird, ist aktuell offen. Im vergangenen Jahr hatte das Finanzministerium eine "interimsweise städtebauliche Gestaltung" der Fläche angekündigt. Was das genau heißen soll, blieb unklar. Laut Ministerium müsse es nur "jederzeit mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand revidierbar sein". Sprich: Auf der Fläche sollen keine Fakten geschaffen werden, die einen Hotel-Investor abschrecken.

Viele gegen Gestaltung des Areals

Viele Bad Kissinger befürchten dagegen, dass ein Aufhübschen des Grundstücks dafür spricht, dass der Freistaat die Hoffnung auf einen Investor aufgibt. Denn wie sagte schon Schriftsteller Henry Miller: "Aber auf dieser Erde ist, wie die Franzosen zu sagen pflegen, nichts dauerhaft - nur das Provisorium."

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