Bad Kissingen
Tiere

Auch ein Hund muss in die Schule

Mit "Clooney " auf Tour: Hunde und ihre Erziehung, das ist nicht immer ein leichtes Spiel. Dafür braucht es vor allem viel Geduld, weiß Hundehalterin Birgit Bollwein.
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Birgit Bollwein mit ihrem Hund Clooney im Rosengarten.
Birgit Bollwein mit ihrem Hund Clooney im Rosengarten.
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Sie sah sein Foto im Internet und schon war es um sie geschehen, sie war sofort verliebt. Sie wusste gleich, es ist für immer. Vor acht Wochen kam er dann aus Griechenland nach Bad Kissingen und lebt seitdem bei Birgit Bollwein und ihrer Familie. Eines ist klar: Er darf nur ins Bett, wenn Frauchen es erlaubt. Ein Hund ist ein Hund, er wird nicht vermenschlicht und, er muss sich an Regeln halten. Gerade das scheint vielen Menschen, die sich einen Hund anschaffen, nicht klar zu sein: Ein Hund, egal ob groß oder klein, macht Arbeit und das über viele Jahre hinweg. Je nach Rasse muss er zudem entsprechend gefordert werden und das kann anstrengend sein.

"Ein Hund ist kein Spielzeug oder Sportgerät", fasst Bollwein zusammen, "er ist auch kein Ersatz für ein Kind oder einen Mann, er ist ein eigenständiges Wesen". Der erste Impuls beim Blick in die großen Welpenaugen und beim Streicheln über das weiche Fell löst bei den meisten Menschen einen Reflex aus: Will ich haben. Auch, wer einen Hund oder eine Katze nur kurze Zeit in Pflege nimmt, kann dem Trugschluss unterliegen, dass doch alles ganz einfach sein kann.

Früher gab es eine klare Rollenverteilung: Tiere blieben draußen, Bello bewachte Haus und Hof, die Katze hielt das Grundstück von Mäusen und Ratten frei. Dafür gab es mal ein Schälchen Milch und für den Hund einen Brocken Fleisch. Heute leben Tiere viel enger mit den Menschen zusammen, gerade in Stadtwohnungen ist der Kontakt automatisch näher zum Menschen als bei einem Freigänger. Clooney, der Hund von Birgit Bollwein, lebt mit in der Familie. Es ist ihr dritter Hund und sie ist froh, dass sie Erfahrung in der Erziehung mitbringt.

Von der Straße ins Heim

Clooney kam von der Straße ins Heim und dann über "SOS Hundeseelen in Not" e.V. von Griechenland nach Bad Kissingen. Gerade lernt er ohne Leine zu laufen, alles eine Übungssache. Die Übung mit und ohne Leine findet mindestens drei Mal am Tag statt. "Wer sich einen Hund zulegen will", sagt die 54-Jährige, "sollte vorher genau prüfen, ob er die Zeit dafür hat". Früh, Mittag und am Abend ist Gassi gehen angesagt. Beim Spaziergang mit Leine steht an diesem Tag ein Besuch am Mulitmediabrunnen in Bad Kissingen an. Um die Mittagszeit ist hier viel los und das ist gut so. Clooney lernt, weder auf die Enten, die verführerisch nahe vor seiner Nase ins kühle Nass verschwinden, zu reagieren und auch die vielen fremden Menschen quasi links liegen zu lassen. Er macht Platz und Sitz und wird für sein vorbildliches Verhalten sofort mit einem Leckerchen belohnt. Mit auf den Spaziergängen dabei ist auch immer eine Tüte, in der sein Kot gesammelt wird. Wer das zu eklig findet, der sollte sich schnell vom Gedanken Hundebesitzer zu werden, verabschieden - ordentliche Frauchen und Herrchen lassen die Hinterlassenschaften nicht in der freien Natur liegen. Sich draußen zu lösen, musste Clooney lernen, als Straßen- und Zwingerhund kannte er Gassigehen nicht und hat seine Geschäftchen anfangs in der Wohnung erledigt.

"Mit Übung und Leckerli wurde er aber schnell stubenrein", freut sich sein Frauchen. Damit Clooney, immerhin eine Mischung aus mehreren großen Rassen, genügend Auslauf findet, sind er und seine menschliche Freundin rund zwei bis drei Stunden unterwegs - täglich. Wenn Birgit Bollwein krank ist, schnappen Mann oder Kind nach der Leine um Clooney seinen Auslauf zu ermöglichen. Im Urlaub kommt der Hund mit, oder er lebt bei einem Hundesitter.

Die Kostenfrage

Bevor ein Hund ins Haus zieht, sollte abgeklärt werden, wer sich kümmert, wenn man selbst einmal ausfällt. Auch der Vermieter kann schnell einen Strich durch die Rechnung machen oder, wer umzieht, hat mit einem Hund an der Hand bei der Wohnungssuche oft schlechte Karten. Und dann spielt Geld auch noch eine Rolle: Der Tierarzt kostet, das Futter kostet - und wenn das Tier eine chronische Krankheit oder eine Unverträglichkeit entwickelt, einen Unfall hat und operiert werden muss, kann das richtig teuer werden.

Was gar nicht geht, ist, den Hund ausschließlich vom Tisch weg zu füttern oder ihm Kuchen und Schokolade zu geben. Die Zusatzstoffe in den Speisen machen ihn krank und fett. Gerade bei einem jungen Hund spielt die Erziehung eine wichtige Rolle: "Der Mensch muss die Sprache des Hundes lernen", ist Bollwein überzeugt und "jeder Hund braucht Regeln." Wenn er die nicht bekommt, dann macht der Vierbeiner was er will.

Ununterbrochen Japsen, Jaulen, Kläffen, Bellen, Toben, wenn es an der Türe klingelt oder Besucher anspringen - auch wenn es vor Freude ist - das geht gar nicht. Clooney lernt, in solchen Situationen auf seinem Hundeplatz, ein Korb mit einer Decke darin, zu bleiben, bis er die Erlaubnis bekommt aufzustehen. Hundeerziehung ist kein Hexenwerk, erfordert aber - je nach Alter oder Befindlichkeiten des Vierbeiners - jede Menge Zeit, Geduld, Feingefühl, Führungsstärke und Liebe.

Da Hunde Rudeltiere sind, wollen sie ihrem Chef, dem Herrchen oder Frauchen, gefallen, möglichst immer dabei und möglichst nahe sein. "Klar will Clooney mit auf das Sofa oder ins Bett", lacht Bollwein. Ob der vierbeinige, befellte Gefährte das darf, entscheidet aber immer der Mensch und nicht der Hund. Wann immer sie Fragen hat, wendet sich Bollwein an eine Hundetrainerin und übt in Einzelstunden.

Jedes Tier ist anders

In einer Gruppe zu trainieren, das war dem jetzt schätzungsweise acht Monate altem Rüden anfangs zu viel. Zu groß war noch der Stress, hervorgerufen durch den Umzug, die fremde Umgebung, Autos, Treppen, neue Menschen, eine andere Sprache. Jedes Tier sei individuell und habe seine Rechte, so Bollwein, und "kein Tier sollte vermenschlicht werden". Fehlprägungen, davon ist sie überzeugt, kommen bei einem gesunden Hund vom Menschen und nicht vom Hund. Anja Vorndran

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