Bad Kissingen
Feuerwehr

Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis Bad Kissingen üben im Container

Atemschutzgeräteträger werden immer öfter gebraucht. Grund sind die vielen Kunststoffe, die heute überall verbaut werden und bei Bränden giftige Stoffe freisetzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für viele Atemschutzgeräteträger ist der feststoffbefeuerte Brandübungscontainer die erste reale und nahe Begegnung mit dem Feuer.Peter Rauch
Für viele Atemschutzgeräteträger ist der feststoffbefeuerte Brandübungscontainer die erste reale und nahe Begegnung mit dem Feuer.Peter Rauch
+23 Bilder

590 mal rückten die Feuerwehren im Landkreis Bad Kissingen zu reinen Brandeinsätzen aus. Für einige der insgesamt 105 Freiwilligen Wehren gab es nur einen einzigen, oder wie in Aura und Ramsthal gar keinen Löscheinsatz. Zwar ist in den vergangen Jahren der Anteil der Brandeinsätze am Einsatzaufkommen der Feuerwehren insgesamt zurückgegangen, aber, "in fast 90 Prozent aller Brände wurden dabei Atemschutzgeräteträger eingesetzt", erklärt Stadt- und Kreisbrandinspektor Harald Albert bei einer Übung der Feuerwehren des Landkreises Bad Kissingen sowie der Bundeswehrfeuerwehr im Atemschutzzentrum in Oberthulba.

Es würden heute so viele Kunststoffe im Automobilbau, in Küchen- oder in Zimmereinrichtungen verbaut, dass selbst kleine Brände viel Qualm und damit auch viele andere gefährliche Stoffe freisetzen können, erklärte Harald Albert. Deshalb hätten bereits 2015 der Landesfeuerwehrverband und das Innenministerium mit dem "Fire-Dragon" einen feststoffbefeuerten Brandübungscontainer geschaffen, der eine Trainingsmöglichkeit unter realistischen Bedingungen bietet. Für viele, gerade jüngere Geräteträger, sei der Brandübungscontainer oftmals das erste Zusammentreffen mit einem "richtigen Feuer" und helfe so, unter fachkundiger Aufsicht, Erfahrungen zu sammeln, um später Fehlentscheidungen zu vermeiden. Denn hier könne eine realitätsnahe Brandbekämpfung unter umluftunabhänigem Atemschutz geübt werden.

Durch die Verwendung von Holz - es werden pro Durchgang sieben handelsübliche Spanplatten in Türgröße "verheizt" - entsteht die für einen Zimmerbrand typische Hitze- und Rauchentwicklung. Die Trainingseinheiten vermitteln unter anderem, wie Brandverläufe richtig eingeschätzt werden können. Die Realbrandausbildung ergänzt damit die Ausbildung von Atemschutzgeräteträgern und gibt ihnen somit eine zusätzliche Handlungssicherheit.

Bevor die Gruppe jedoch erstmals den Brandcontainer betreten konnte, musste sie erst noch in den theoretischen Unterricht. Ausbilder und Instruktor Thomas Schumm, der im Altlandkreis Bad Brückenau geboren wurde und heute bei Schweinfurt lebt, bildet seit rund 17 Jahren Feuerwehrkräfte aus. Mit dem Brandübungscontainer tourt er, vermittelt vom Landesfeuerwehrverband, durch ganz Bayern.

Nach rund zwei Stunden im Klassenzimmer, hier im Atemschutzzentrum des Landkreises in Oberthulba, betreten die acht Probanden erstmals den noch kalten Container. Dennoch liegt beißender Brandgeruch in der Luft, Decken und Wände sind schwarz von Ruß, und der dünne Mundschutz hält nur Schwebeteilchen ab. Schumm erklärt der Gruppe, wo und wie es später im Container brennen wird, wie mit kurzem Sprühstrahl die Flammen niedergehalten werden und auch, dass draußen vor der Containertüre zwei weitere Feuerwehrmänner zur Sicherheit stehen.

Dann wird das Löschen geübt, mit dem Hohlstrahlrohr im Freien vor dem Container - jeder gibt damit einige kurze Wasserstöße ab und Ausbilder Schumm verweist darauf, dass man im Ernstfall das Haus weder fluten, noch hier das Holzfeuer ganz löschen soll, denn jeder in der Gruppe soll einmal dran kommen. Erst danach wird die Schutzkleidung mit Helm, Brandschutzhaube und Atemgerät angelegt. Bei jedem einzelnen überprüft Schumm, ob jedes Teil hundertprozentig sitzt und geschlossen ist, denn wenn erst einmal die Spanplatten mit einem Gasbrenner entflammt sind, entwickeln sich schnell Temperaturen von mehreren hundert Grad.

Nun wird reih um gelöscht, die Männer sitzen oder knien am Containerboden, der bei weitem nicht so heiß ist, wie die Luft unter der Decke. Hier entsteht dann schnell auch ein "Flashover", ein Durchzünden der Brandgase an der Decke. Nachdem auch diese Situation gemeistert ist, wird die Containertüre geschlossen, und innerhalb von Sekunden ist trotz des wieder aufflammenden Feuers kaum noch etwas zu sehen. Qualm und Rauch sind innerhalb weniger Minuten so stark, dass gerade noch so der nächste Mann anhand seiner phosphorizierenden Streifen erahnt werden kann. Nach gut zehn Minuten, für viele "eine Ewigkeit", kommt dann die ganze Gruppe stark nach Rauch riegend, aber wohlbehalten aus dem Container wieder.

Jeder möchte am liebsten sofort das schwere Atemgerät abwerfen, die Maske vom schweißnassen Kopf reißen: Aber in der Nachbearbeitung wird gelehrt, dass ein überhitzter Körper erst langsam wieder auf "null gefahren werden soll". Also heißt es erstmal, das Hitzeschutzjackett ausziehen, dann Helm und Gerät ablegen. Die Panoramamaske wird erst nach Minuten abgelegt, wenn sich der Körper wieder leidlich klimatisiert hat.

Insgesamt 64 Atemschutzgeräteträger aus dem gesamten Landkreis haben in dieser Woche im Brandcontainer geübt. Insgesamt können die Wehren hier auf knapp 1000 Atemschutzgeräteträger zurückgreifen, keine zehn Prozent davon sind Frauen.Dabei haben sie doch einen Vorteil gegenüber ihren männlichen Kollegen: Tragen die nämlich einen Bart sind sie als Atemschutzträger ungeeignet und werden nicht zum vorgeschriebenen Lehrgang zugelassen.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren