Bad Kissingen
Engagement

Anna bringt Helfer nach Iringa

Gemeinsam mit drei anderen stellt Anna Wedler eine Organisation auf die Beine, die Freiwillige an Hilfsprojekte in Tansania vermittelt.
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Anna Wedler bei ihrer Arbeit im Day Care Center in Iringa mit Brighton und Joél.  Foto: Atanasia Bwen Mateo
Anna Wedler bei ihrer Arbeit im Day Care Center in Iringa mit Brighton und Joél. Foto: Atanasia Bwen Mateo
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"Projects with Africa" nennt sie sich: Die Organisation, die die 22-jährige Anna Wedler aus Bad Kissingen gemeinsam mit Margareta Merke (29), Laila Binkenstein (23) und Kristin Kautsch (32) ins Leben gerufen hat. Kennengelernt haben sich die vier über einen gemeinsamen Freund in Afrika. "Wir organisieren Auslandspraktika und Auslandsaufenthalte für Schüler, Schulabgänger, Studenten aber natürlich auch für Berufstätige", erklärt Anna Wedler im Gespräch. Aber wie ist es eigentlich dazu gekommen?

"Ich wollte schon immer nach Afrika", meint die gelernte Bürokauffrau. Nach der Ausbildung entschloss sie sich 2016 also, nach Iringa, Tansania, zu gehen, um dort einen Freiwilligendienst zu leisten. Ohne sich zu kennen, waren alle vier Frauen zu anderen Zeitpunkten mit der gleichen Organisation in Iringa und halfen in unterschiedlichen Projekten. Anna arbeitete in der Kindertagesstätte eines Waisenhauses und war dort mit einer Einheimischen für 42 Kinder im Alter von fünf Monaten bis fünf Jahren verantwortlich. Wieder daheim startete sie einen Spendenaufruf im Bekanntenkreis. Von dem zusammengekommenen Geld kaufte sie das Nötigste für die Kindertagesstätte, die sie 2017 erneut besuchte.

Gruppe wächst zusammen

Alle vier wohnten während ihres Aufenthalts bei Shedrack Mukuta, einem Einheimischen. "Durch das tägliche Zusammenleben ist zwischen ihm und jeder von uns eine enge Freundschaft entstanden", erzählt die Projektinitiatorin. Und es war Shedrack, der die vier letztlich zusammenbrachte. Denn Anna war mit der Organisation, die ihren Aufenthalt organisierte, nicht wirklich zufrieden. Ein Grund dafür: Das Geld, welches sie für den Aufenthalt habe zahlen müssen, sei zu einem großen Teil in Deutschland geblieben. Dabei sollte es ja eigentlich in den Aufenthalt und die Projekte selbst gesteckt werden.

"Ich konnte das nicht abschließen - wollte immer etwas in der Richtung machen", erklärt Anna. Shedrack, der wusste, dass auch Margareta diesen Wunsch hegt, stellte den Kontakt her. "Nach ein paar Wochen hat er dann gefragt, ob wir noch Leute brauchen, die uns bei der Verbreitung des Projekts behilflich sein können und uns die Kontakte von Kristin und Laila geschickt und aus der Idee, dass die beiden uns nur am Anfang helfen, wurde dann letztendlich unser Team."

Kampf gegen Plastikmüll

Gerade befindet sich das Projekt im Aufbau, da geht es vor allem um die Verbreitung - Marketing eben. Die vier skypen regelmäßig und besprechen, was als Nächstes ansteht. Laila ist für die Facebook-Seite, Kristin für die Instagram-Seite, Margareta für die Webseite und Anna für alles andere Anfallende zuständig. "Sobald dann mal alles läuft und wir Freiwillige vermitteln, hat jeder seine eigenen Projekte für dessen Praktikanten er zuständig ist."

Zurzeit bieten sie elf Projekte an, über die Interessierte sich auf der Homepage von "Projects with Africa" (zu finden unter www.projectswithafrica.com) informieren können. Diese reichen von Lehrtätigkeiten an einer Schule, über die Suche nach Recyclingkonzepten, bis hin zum Praktikum in einem Reisebüro. Letzteres knüpft an ein weiteres Standbein der Organisation an: "Neben den sozialen Projekten organisieren wir auch Reisen", erzählt Anna. Wenn jemand einfach nur gerne Urlaub in Tansania machen will, nutzt das Team die gesammelten Erfahrungen und das aufgebaute Netzwerk und organisiert auf Wunsch eine individuelle Reise.

Da im Moment nur die Kosten für das Marketing anfallen, finanzieren die vier noch alles selbst. Wer mit einen Spende helfen will, kann dies zum Beispiel auf "Gofundme" tun. Ansprechpartner für Spenden ist Anna Wedler. Sie ist über die E-Mail-Adresse info@projectswithafrica.com oder das Kontaktformular auf der Homepage zu erreichen. Die Spenden werden für Marketingmaßnahmen und die Projekte, sowie für Shedrack, ihren Mitarbeiter vor Ort, eingesetzt. Das Ganze ist außerdem gemeinnützig organisiert, das heißt das Geld, das die Freiwilligen für ihren Aufenthalt bezahlen, geht komplett in die Projekte vor Ort und den Aufenthalt an sich - also Strom, Wasser und Verpflegung. Wohnen können bis zu zwölf Freiwillige bei Shedrack in einer Doppelhaushälfte in Iringa.

"Die Freiwilligen erhalten nach dem Praktikum eine anerkannte, ausführliche Beurteilung über den Zeitraum, die ausgeführten Tätigkeiten, die Leistung und so weiter." Wichtig ist Anna, dass die Projekte nachhaltig sind. Dass die Hilfe der Freiwilligen wirklich gebraucht wird und dass den Einheimischen dadurch keine Arbeitsplätze genommen werden. Deshalb kennt das Team alle Projekte persönlich.

"Auch wenn Shedrack immer vor Ort ist, ist es uns wichtig, regelmäßig in Tansania zu sein und nach den Projekten, dem Haus und so zu schauen", sagt sie. Geplant ist deshalb ein Besuch pro Jahr. Im August übernimmt das Margareta und 2020 wird Anna selbst für vier bis acht Wochen vor Ort sein und nach dem Rechten sehen. "Mit unserem Projekt möchten wir die Verbindung und den Austausch zwischen Tansania und Deutschland fördern und Menschen einen Einblick in dieses unglaubliche Land und seine Leute bieten."

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