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Verkehr

"AniMot" warnt bei Schonungen vor Reh und Hase

Mit einem neuen Wildwarnsystem soll der hohen Zahl von Unfällen Einhalt geboten werden. Die Testphase im Bereich Schonungen dauert drei Jahre, danach könnten die Geräte auch im Landkreis Bad Kissingen zum Einsatz kommen.
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Im Beisein von zahlreichen Behörden- und Medienvertretern enthüllte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (4. von rechts) die Hinweistafel an der Teststrecke bei Schonungen.Foto: Karlheinz Franz
Im Beisein von zahlreichen Behörden- und Medienvertretern enthüllte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (4. von rechts) die Hinweistafel an der Teststrecke bei Schonungen.Foto: Karlheinz Franz
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Es gab Zeiten, da waren ganze Straßenzüge außerorts "geschmückt" mit silbern oder golden schimmernden Scheiben. Die Compact-Discs hingen insbesondere dort an Büschen und Bäumen, wo es immer wieder zu Wildunfällen kam. Geholfen haben die bei Scheinwerferlicht reflektierenden CDs nicht wirklich. Auch die blauen Reflektoren, die in der Folge häufig an Leitpfosten zu finden waren mit dem Ziel, Wild von den Straßen fernzuhalten, haben ihre Wirkung verfehlt. Das hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer Studie klar nachgewiesen. Alle Hoffnungen ruhen nun auf "AniMot". Das ist ein Sensor, der Verkehrsteilnehmer beim Auftauchen von Wild warnen soll.

AniMot ist ein Kunstwort aus animal (Tier) und motion (Bewegung) und stellt nach Firmeninformationen "die intelligente Lösung in der Wildunfallprävention dar, die im Zusammenspiel aus smarten, patentierten Komponenten und durchdachtem Warnkonzept den Markt revolutioniert, denn AniMot warnt den Verkehrsteilnehmer - nicht das unberechenbare Tier". Entwickelt worden ist das Wildwarnsystem innerhalb von gut zwölf Monaten vom Unternehmen "AniMot motion expert GmbH" mit Sitz in Neunkirchen/ Österreich.

Geschäftsführerin Sabine Schranz und Entwickler Robert Loder-Schranz stellten ihre Erfindung jetzt im Rahmen eines Medientermins im Beisein von Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) an der Bundesstraße 303 nahe Schonungen vor. Das kleine, unscheinbare Kästchen ist wie die bisherigen blauen Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten montiert. Läuft ein Tier - vom Hasen bis zum Hoch- oder Rehwild - in den Wirkungsbereich des Infrarotsensors, beginnen orangefarbene Leuchtdioden (LEDs) zu blinken und warnen die Verkehrsteilnehmer vor der nahenden Gefahr.

Rechtzeitige Warnung

Dank ausgeklügelter Technik kommunizieren die kleinen Geräte miteinander, so dass auch die Sensoren an den jeweils nächst gelegenen Leitpfosten zu blinken beginnen und frühestmöglich auf die Gefahr hinweisen. "Bei Tag sind die Leuchtintervalle schneller und kürzer, bei Nacht leuchten die LEDs immer für gut eine Sekunde", erklärt Robert Loder-Schranz. Seinen Worten zufolge haben die Sensoren einen Wirkungsbereich von 160 Grad und erfassen Wärmequellen bis zu knapp 30 Meter Entfernung. "Bei einem Leitpfostenabstand von 50 Metern erfassen wir somit alle Tiere und gegebenenfalls auch Menschen, die sich der Fahrbahn nähern."

Zwei kleine, satteldachförmig angebrachte Fotovoltaikzellen sorgen dafür, dass der kleine Akku im Inneren des Gerätes tagsüber ausreichend geladen wird. "Unser System ist so konzipiert, dass AniMot zwei komplette Monate ohne Aufladung durch Sonnenenergie durchhält", sagt der Entwickler des Gerätes. Über die Kosten wollte Loder-Schranz im Moment noch keine Angaben machen.

Pilotprojekt in Ecks Revier

Gerhard Eck, selbst Pächter des Jagdreviers im Bereich der Teststrecke zwischen Waldsachsen und Schonungen, verwies an die hohe Zahl gefallenen Wilds in diesem Bereich. "Wir erhoffen uns mit AniMot einen spürbaren Rückgang der Wildunfallzahlen und deutlich mehr Verkehrssicherheit." Der Innenstaatssekretär stellte eine Ausweitung auf weitere Wildunfall gefährdete Streckenabschnitte in Bayern in Aussicht, "wenn das Pilotprojekt positive Ergebnisse bringt". Aktuell sind fünf Streckenabschnitte in den Landkreisen Erding, Landshut, Schweinfurt und Wunsiedel mit 510 "AniMot"-Sensoren bestückt - 160 alleine im Streckenabschnitt Waldsachsen - Schonungen.

Mit dem Leiter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt, Leitender Baudirektor Dr.-Ing. Michael Fuchs, und zahlreichen weiteren Behördenvertretern enthüllte Eck eine Hinweistafel an der B303 und nahm die Teststrecke bei Schonungen damit zugleich offiziell in Betrieb. Drei Jahre lang wird das neue Wildwarnsystem nun auf seine Alltagstauglichkeit hin geprüft. Nach der Auswertung der Ergebnisse fällt die Entscheidung, ob "AniMot" in Bayern flächendeckend eingeführt wird.

In Anbetracht der zahlreichen Wildunfälle auf einer ganzen Reihe von Straßen innerhalb des Landkreises Bad Kissingen wären wirkungsvolle Wildwarnsysteme auch in der Region zweckmäßig. Dahingehend stimmen die Verkehrssachbearbeiter aller drei Polizeiinspektionen überein. Verkehrssachbearbeiter Lothar Manger von der Polizeiinspektion (PI) Bad Kissingen liegen 1050 Wildunfallmeldungen für den Landkreis aus dem Jahr 2018 vor. "2017 waren es sogar 1142, und im Jahr 2016 hatten wir 970 registrierte Wildunfälle." Immer wieder gibt es dabei auch Schwer- und Leichtverletzte, zudem entsteht beträchtlicher Sachschaden.

Rückgang gegenüber 2017

Während 2018 im Zuständigkeitsbereich der Kissinger Inspektion 550 Unfälle mit Wild zu verzeichnen waren, stehen bei Polizeihauptkommissar Klaus Wiesler von der PI Bad Brückenau 242 zu Buche. Für den Dienstbereich der Hammelburger Inspektion berichtet Polizeioberkommissar Ralf Peter von 258 Wildunfällen. Gegenüber 2017 kam es heuer im Dienstbereich Bad Brückenau zu drei Unfällen weniger, im Hammelburger Bereich waren es sogar 33 weniger. Die Bad Kissinger Inspektion verzeichnet mit 66 Wildunfällen weniger den deutlichsten Rückgang.

"Wir bewegen uns bei dieser Art von Unfällen weiter auf hohem Niveau", betont Lothar Manger. Eine Veränderung der Abschusszahlen und Maßnahmen der Straßenbaulastträger könnten zu einer Verringerung der Unfallzahlen führen, sind sich Verkehrsexperten sicher. Nicht zuletzt müssten die Kraftfahrer überall dort besondere Vorsicht walten lassen, wo Warnschilder auf Wildwechsel und erhöhtes Wildaufkommen hinweisen. Mehr auf

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