Garitz

Anerkennung: Friedbert Reichert kennt die halbe Vereinsgeschichte

Die Garitzer Feuerwehr ehrte zu ihrem großen Jubiläum nicht nur langjährige Feuerwehrleute, sondern auch Mitglieder und Förderer der Jugendkapelle. Von einem umgebauten Post-Omnibus und der ersten Druckspritze
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Grund zum Gratulieren: Friedbert Reichert ist seit 75 Jahren Mitglied bei der Garitzer Feuerwehr. Er hat fast auf den Tag genau die halbe Vereinsgeschichte erlebt, geprägt und mitgestaltet. OB Kay Blankenburg, Kommandant Ralf Schubert und die vielen Gäste der großen Feier zeigen Anerkennung.  Fotos: Peter Rauch
Grund zum Gratulieren: Friedbert Reichert ist seit 75 Jahren Mitglied bei der Garitzer Feuerwehr. Er hat fast auf den Tag genau die halbe Vereinsgeschichte erlebt, geprägt und mitgestaltet. OB Kay Blankenburg, Kommandant Ralf Schubert und die vielen Gäste der großen Feier zeigen Anerkennung. Fotos: Peter Rauch
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"Der Besuch von Wirtshäusern während eines Brandes ohne Genehmigung des Kommandanten oder des Zugführers ist strengstens verboten", so nachzulesen in den weit über hundert Jahre alten Statuten der Freiwilligen Feuerwehr Garitz. Mit einem Festkommers in der Turnhalle wurde am Wochenende sowohl die Gründung der Wehr vor 150 Jahren und die der Jugendkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Garitz vor 50 gebührend gefeiert.

1842 wurde nach einem verheerenden Brand in Hamburg der Grundstein für das gesamte moderne Feuerwehrwesen in Deutschland gelegt. Zuerst in den Großstädten, aber schon 27 Jahre später gründeten auch die Garitzer ihre Freiwillige Feuerwehr, ließ 2. Kommandant Georg Schmitt die zahlreichen Gäste gleich zu Beginn seiner Begrüßung wissen. Und gekommen waren viele: ein Drittel des Stadtrates, allen voran Oberbürgermeister Kay Blankenburg, Kreisbrandrat Benno Metz und Kreisbrandmeister Steffen Kiesel von der Kreisfeuerwehrführung, für die Kissinger Wehr Stadtbrandmeister Michael Wolf, sowie die Kommandanten oder Stellvertreter fast aller umliegenden Wehren bis hin zu Ramsthal und Ebenhausen - und natürlich viele Garitzer, von denen an diesem Abend viele gehrt werden sollten.

Erste Vereinsfahne noch erhalten

Am 28. Oktober 1869, vor fast auf den Tag genau 150 Jahren - wurde im Beisein der Gemeindeverwaltung die Feuerwehr Garitz gegründet. Zehn Tage später entstand in der ersten Generalversammlung die Satzung. Die Satzung ordnet dieses Gemeinwesen von Anfang so gut an, dass sie nach Einsichtnahme bei höherer Stelle mit der Bemerkung zurückgegeben wurde "gegen die Organisation der Feuerwehr zu Garitz, welche für diesen Ort angelegt ist, ist keine Erinnerung zu machen". Erster Ausrüstungsgegenstand war eine Feuerdruckspritze, die der damalige Ortsvorsteher von der Kissinger Saline gebraucht kaufen konnte. Die 28 Wehrmänner erhielten von privat ein Jahr später die erste Vereinsfahne, die heute noch erhalten ist. Die Zahl der aktiven und passiven Mitglieder stieg stetig und schon 1947, nur zwei Jahre nach Ende des Weltkrieges, wurde die erste Motorspritze, fünf Jahre später eine zweite angeschafft. Richtig motorisiert wurde die Garitzer Wehr 1955, als ein gebrauchter Post-Omnibus in Eigenregie zum Löschfahrzeug umgebaut wurde. Knapp zehn Jahre später kam mit einem Opel Blitz dann das erste "richtige" und neue Löschfahrzeug in die damals noch selbstständige Gemeinde. Auch der Garitzer See wurde in dieser Zeit als Löschweiher seiner Bestimmung übergeben.

Am 100-jährigen Stiftungsfest nahmen unter Kommandant Herbert Reichert 85 Wehren teil, die Jugendkapelle wurde gegründet und aus dem Festerlös konnte die Feuerwehr ein Mehrzweckfahrzeug samt Anhänger und Zubehör kaufen. Ähnlich verhielt es sich zehn Jahre später als zum 110-jährigen zusätzlich noch ein Plantanz ausgerichtet wurde. Mit dem finanziellen Erlös konnte die Ausrüstung erheblich verbessert werden: Seit 1980 stehen der Wehr drei Fahrzeuge zur Verfügung, die Mitte der siebziger Jahre in die neue Unterkunft in der Seehofstraße 19a umgezogen sind. 1993 öffnete sich die Wehr auch für Frauen im aktiven Feuerwehrdienst. 20 Jahre später stand der erste Tanklöscher in einer der Fahrzeugboxen. Wie viele andere Fahrzeuge der Garitzer Wehr vor ihm, wurde er gebraucht gekauft und in Eigenregie nicht nur auf Vordermann, sondern auf die aktuelle Norm eines TLF2000 gebracht. All dies ließ Kommandant Ralf Schubert wissen und, dass sich Garitz augenblicklich auf 52 Aktive verlassen kann.

Einsatz im Dorfleben

Kreisbrandrat (KBR) Benno Metz: "Für die Menschen hier in Garitz und darüber hinaus ist diese Wehr ein Glücksfall, ist sie doch seit 150 Jahren ein Teil des Gemeinwesens. 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr bedeuten ehrenamtlichen und selbstlosen Einsatz über fünf Generationen hinweg". Als "einen wertvollen Teil der Dorfgemeinde" bezeichnete auch stellvertretender Landrat Emil Müller die Garitzer Wehr. Damals, vor 150 Jahren hatten die Wehren mit reiner Brandbekämpfung eine andere Mission, heute gäbe es für sie ein anderes Portfolio: "Sie bringen sich ein in ein Umfeld, so dass das dörfliche Leben funktionieren kann und mit Leben erfüllt wird", so der Kommunalpolitiker.

Große Einsatzbereitschaft und große Jugendarbeit bescheinigte auch OB Kay Blankenburg den Garitzer Floriansjüngern, die sich nicht alleine auf den Sicherheitsgedanken beschränken, sondern auch integraler Bestandteil des Vereinslebens, eben "Garitzer Spirit" sei. Ausdrücklich hob das Stadtoberhaupt einen Mann hervor, der mit seiner inzwischen 75-jährigen Feuerwehrmitgliedschaft exakt die halbe Vereinsgeschichte zum Teil sogar aktiv in der Vorstandschaft mitgestaltet hat: Ehrenmitglied Friedbert Reichert.

Der Garitzer ist am 15. Juli 1944 der Feuerwehr Garitz beigetreten. Jetzt wurde er für seine 75-jährige Vereinsgeschichte vor großem Publikum und mit großer Anerkennung geehrt - so wie viele andere verdiente Mitglieder an diesem Abend (siehe Info-Kasten). Nicht nur aktive und passive Mitglieder der Wehr wurden geehrt, sondern auch Mitglieder und Förderer der Jugendkapelle der Freiwilligen Feuerwehr, die an diesem Tag ihr 50-jähriges Bestehen feiern konnte. So ernannte der Kapellenvorstand unter seinem Vorsitzenden Fabian Schopf und Jakob Martens Christa Reichert, Ewald Söder, Walter Dück und Arnold Hubert zu ihren Ehrenmitgliedern. Christa Reichert war fast 20 Jahre lang Betreuerin der Kapelle, ebenso lang war Ewald Söder Dirigent, Walter Dück war fast zehn Jahre lang, von 1994 bis 2003 Vorsitzender der Kapelle. Arnold Hubert war 1. Posaunist für 40 Jahre, daneben 15 Jahre lang Kassier und bei allen Festen ein "sehr fleißiger Helfer hinter dem Tresen". Einer wurde aber nicht vergessen, durch den erst die Idee zur Gründung einer Feuerwehrkapelle geboren wurde - Herbert Reichert. Er war vor 50 Jahren Kommandant der Garitzer Wehr und ihm ist es zu verdanken, dass die Garitzer als eine der wenigen Wehren eine eigene Musikkapelle besitzen.

Herbert Reichert wurde von den Verantwortlichen der Feuerwehrkapelle zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Wie Fabian Schopf erläuterte, war der damalige Grundgedanke, dass die Jugend von der Straße geholt werden sollte. Dies sei nach 50 Jahren noch genauso wichtig wie damals. Weitere Grußworte zum Jubiläum von Kapelle und Feuerwehr kamen von den Kameraden aus Bad Kissingen, der Patenwehr aus Ramsthal, vom Vereinsring und Pfarrer Edwin Ziegler.

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