Bad Kissingen
Geschichte

Andreas Lohrey: Baumeister und Herr der Dampferle

Andreas Lohrey baute nicht nur die Bad Kissinger Stadtpfarrkirche, sondern übernahm auch die Schifffahrt auf der Saale. Seit nunmehr 135 Jahren verbinden Boote die Stadt mit der Saline.
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Die Bad Kissinger Stadtpfarrkirche gehört zu den größten Bauwerken des Baumeisters Andreas Lohrey, der aus Schonungen stammt, sich aber in Bad Kissingen niederließ und die Dampfschiffe übernahm.
Die Bad Kissinger Stadtpfarrkirche gehört zu den größten Bauwerken des Baumeisters Andreas Lohrey, der aus Schonungen stammt, sich aber in Bad Kissingen niederließ und die Dampfschiffe übernahm.
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In Zeiten von Wellness-Tempeln und Thermen ist es kaum vorstellbar, dass das Weltbad Bad Kissingen bis zur Eröffnung des Luitboldes 1880 keine medizinische Bademöglichkeit in der Stadt hatte: Kurgäste wie Otto von Bismarck mussten dorthin lange Zeit mit der Kutsche fahren oder zu Fuß gehen. Seit mittlerweile 135 Jahren gibt es ein weiteres Nahverkehrsmittel zwischen Stadt und Saline: das Dampferle, dessen Geschichte eng mit einem der bekanntesten unterfränkischen Baumeister, Andreas Lohrey (1843 - 1924), verbunden ist.

Die Idee für die Damperle stammt allerdings nicht von Lohrey, sondern vom Ingenieur und Reichs-Eisenbahnbaumeister Carl Friedrich Alfred von Paschwitz. Er beantragte am 15. November 1876 die Konzession für die Schiff-Fahrt auf der Saale, die ihm das Staatsministerium des königlichen Hauses am 5. Oktober 1877 erteilte. Paschwitz kaufte in Zürich ein Boot mit Dampfantrieb, das per Bahn nach Bad Kissingen geliefert wurde und nahm in der Saison 1878, also vor 135 Jahren den Betrieb auf.

Die untere Anlagestelle befand sich damals unterhalb der Ludwigsbrücke in Höhe des heutigen Regentenbaus. Flussaufwärts wollte Paschwitz ursprünglich bis vors Salinenbad in Höhe des Solesprudels fahren, wegen des Wehrs an der Solepumpe wurde die Anliegestelle allerdings an den heutigen Standort verlegt. Bereits nach der 2. Saison, am 1. Januar 1880 starb der Gründer der Dampfschiff-Fahrt auf der Saale im Alter von nur 42 Jahren.

Hier kommt Lohrey ins Spiel: Im November 1882 übernimmt er die Konzession von Paschwitz' Witwe und betreibt das Dampfboot weiter. Lohrey war für den Bau der Stadtpfarrkirche nach Bad Kissingen gekommen. Mit der Schiff-Fahrt kannte er sich laut der Frau seines Urenkels Dr. Helmut Fischer, Gudrun Fischer, wohl aus seiner Heimat Schonungen am Main aus. Zudem hatte er offenbar am Bau der Herz-Jesu-Kirche und vieler anderer Bauwerke gut verdient. So gut, dass er die Saale auf der Strecke zwischen Stadt und Saline mit Steinen aus seinem eigenen Steinbruch neu einfassen ließ. Die Uferbefestigung und vor allem die laute und qualmende Dampf-Maschine stieß aber wohl nicht bei allen Anliegern auf Zustimmung: 1883 wurde etwa in einem Betriebs-Reglement festgelegt, dass das Dampferle auf einer Teilstrecke nur mit halbem Dampf fahren durfte. Überliefert sind zudem Beschwerden, etwa vom Hotel Bristol: Damals gab es vor dem Gebäude wohl auf der anderen Saale-Seite eine weitere Anlegestelle. Erst mit dem Bau des Regentenbaus fuhren die Dampferle an der Einmündung des Mühlbaches ab - bis heute.

1883 kaufte Lohrey ein neues Boot, einen Schaufelrad-Dampfer, bereits 1889 schaffte er noch den Schraubendampfer "Saline" an. 1891 baute er zudem ein Wohnhaus an der Salinenpromenade mit Platz für die Boote und einer so genannten Slip-Anlage, über die die Boote zu Wasser gelassen wurden. Heute heben Kräne die beiden Boote jedes Jahr im Frühling in und im Herbst aus der Saale. Die Bootshalle ist allerdings bis heute die gleiche (siehe Titelseite).

Bis zu seinem Tod 1924 führte Andreas Lohrey den Betrieb. In einem Nachruf bescheinigte die Saale-Zeitung ihm ein "arbeitsreiches und von Erfolg gekröntes Leben". "Lohrey war ein Unternehmer großen Stils, den auch die Größe des Objekts nicht abschrecken konnte." Nach einigem Hin und Her ging die Konzession 1925 an Lohreys Schwiegersohn Dr. Otmar Fischer. Bis heute ist der Betrieb - später neu gegründet als "Saale-Schiffahrt GmbH" - in Familienbesitz. "Solange sich das trägt, werden die Dampferle weiter fahren", sagt Gudrun Fischer, die Frau von Lohreys Ur-Enkel Dr. Helmut Fischer.

Leben Andreas Lohrey wurde 1843 in Schonungen geboren. Am 9. Dezember 1924 starb er "nach kurzer Krankheit" in Bad Kissingen. Seine Todesanzeige weist ihn als Baumeister und ausdrücklich auch als Dampfschiffbesitzer aus. Lohrey wurde auf dem Bad Kissinger Kapellenfriedhof bestattet.

Wirken Zu den größten Projekten Lohreys gehören der Bau des Bahnhofs der Stadt Schweinfurt und der Herz-Jesu-Kirche (katholische Stadtpfarrkirche) in Bad Kissingen im Jahr 1882. Zudem errichtete der Baumeister Andreas Lohrey mit seinem Unternehmen zahlreiche Villen in Bad Kissingen, baute das Königliche Kurhaushotel in der Stadt um und errichtete die Kirche in Euerdorf, die Marienkapelle in Rannungen, die Kirche St. Katharina in Niederlauer, die Kirche in Hohenroth-Windshausen (je Landkreis Rhön-Grabfeld) sowie den Bahnhof von Oberwerrn (Landkreis Schweinfurt).


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