Bad Kissingen
Gesundheit

Am liebsten Barfuß unterwegs

Auf der Jagd nach Elektronen Erden: Barfuß auf Wiesen und Waldboden laufen macht gute Laune und hält gesund, davon ist Christian Rott überzeugt.
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Christian "Chris" Rott geht am liebsten barfuß.  Fotos: Anja Vorndran
Christian "Chris" Rott geht am liebsten barfuß. Fotos: Anja Vorndran
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Nach einem heftigen Gewitter mit Donnergrollen, Blitz und Regen geht Christian Rott besonders gerne in den Park. Dazu streift er vorher seine Schuhe ab und läuft langsam barfuß eine Runde auf dem nassen Gras. Er macht das, um sich zu erden, es fühlt sich gut an. Und, davon ist er überzeugt, damit fängt er jede Menge negativ geladener Ionen ein, die zusätzliche Elektronen enthalten. Auf der Jagd nach negativen Ionen, stellt man sich die Szene im Garten also vor, aber ganz so ist es nicht. Christian "Chris" Rott nutzt vielmehr die Gunst der Stunde, wenn es vor Ort richtig gekracht hat.

Gerade auf nassem Gras nach einem Gewitter funktioniert die Aufnahme der negativen Ionen besonders gut. Angewiesen auf Blitz und Donner in Bad Kissingen ist er aber nicht, "denn weltweit treffen alle paar Minuten rund 5000 Einschläge die Erde und laden sie mit negativen Ionen auf, und die sind wichtig", so Rott. Der Mensch ist - vereinfacht ausgedrückt - positiv geladen und so liegt nichts näher als das Ganze zum Neutralisieren zusammenzuführen, um sich gut zu fühlen, erklärt er. Unter Erdung verstehe man die Verbindung des eigenen Körpers mit der Erde. Dadurch könne ein elektrischer Ausgleich von freien Elektronen stattfinden. Das körperliche Wohlbefinden werde gesteigert und die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt. Der Ausgleich der elektrischen Energie zwischen dem menschlichen Körper und der Erde finde direkt durch Barfußlaufen im Gras, am Strand, oder ersatzweise durch Hilfsmittel wie ein Erdungslaken für das Bett statt.

Seit sechs Jahren läuft Rott ohne Schuhe durch die Gegend, nur im Winter trägt er bei Kälte Fußbekleidung. Bei Minusgraden stapft er zumindest für ein paar Minuten im Schnee, um sich zu erden. Nein, esoterisch angehaucht ist der der 41-Jährige nicht, aber bodenständig und naturverbunden. Er ist schlank, durchtrainiert "und spirituell", fügt der ausgebildete Wellness-Therapeut, der heute für eine chinesische Firma als Verkaufsleiter für Online-Sales arbeitet, hinzu. Als Pionier auf dem Gebiet "Earthing" gilt Clint Ober. Der Entwickler des Erdungskonzeptes fand heraus, dass die Erdoberfläche aus negativ geladenen Ionen besteht, die zusätzliche Elektronen enthalten.

Diese Elektronen, sagt er, sind in der Lage, positive Ladungen wie beispielsweise die der freien Radikale im menschlichen Körper zu reduzieren. Freie Radikale zirkulieren im Körper auf der Suche nach Elektronen, um sich zu vervollständigen und können dabei auch gesunde Zellen zerstören. Sobald sich diese mit den freien Elektronen der negativ geladenen Ionen der Erde verbinden, sind diese "gesättigt" und tragen nicht mehr länger zu entzündlichen Prozessen im Körper bei.

Durchblutung verbessert sich

Das Thema ist inzwischen auch in der Medizin angekommen: Über eine Thermokamera lässt sich beobachten, dass nach rund zwei Stunden Erden die Durchblutung verbessert wird. "Ohne Schuhe im Gras laufen aktiviert auch die Venenpumpe", erklärt Rott. Das An- und Entspannen der Muskeln bei der Bewegung komprimiert die Venen, das führt zu einem verbesserten Rückfluss des Blutes, so einfach ist das.

Er sitzt im Garten unter einem Mirabellenbaum, die Hände um die Knie geschlungen, die Füße locker im Gras und streichelt eine Katze. "Früher sind wir viel mehr barfuß gelaufen", erinnert er an die Vergangenheit und daran, dass Schuhe Luxus und aus Leder waren. "Gummisohlen schneiden den Menschen komplett von der Erde ab", erklärt er. Nachgewiesen ist, dass Barfußlaufen die Muskulatur stärkt, dass es durch das geändertes Gehverhalten zu einer verbesserten Haltung kommt und die Füße unempfindlicher werden. Zudem wird das Immunsystem gestärkt.

Hartnäckig hält sich das Vorurteil der wachsenden Hornhaut, je häufiger man barfuß geht. "Stimmt absolut nicht", sagt Christian Rott und zeigt demonstrativ seine Fußsohlen "sie sind weich wie Hundepfoten". Abends schrubbt er die Füße mit einer Wurzelbürste und pflegt sie mit Kokosöl. Er ist also richtig gut zu Fuß. Wer nicht mehr gehen kann, sollte auf einem Stuhl sitzend wenigstens fünf Minuten pro Tag die Füße auf die Erde stellen, rät er. Immer wieder wird er gefragt, ob das nicht gefährlich sei, das Barfußlaufen, er könnte in Scherben treten oder in einen Hundehaufen, oder ein spitzer Stein könnte ihn verletzen. Bisher sei das alles je ein Mal vorgekommen in all den Jahren - passiert ist nichts. Bei einer längeren Strecke auf Asphalt - er eignet sich nicht zum Erden - streift Christian Rott seine Barfußschuhe über. Sie sitzen wie eine zweite Haut und bieten, ähnlich wie Fingerhandschuhe, jeder Zehe einen eigenen Platz. "Gerade hier in Bad Kissingen ist es herrlich barfuß zu laufen", lobt er die Wiesen in der Au und den Luitpoldpark, in dem er immer wieder auch mit seiner Freundin die Mittagspause verbringt.

Boden unter Füßen spüren

Hierher lockt ihn auch das Rasenlabyrinth, auf dem unterschiedliche Beläge zu spüren sind - er geht es immer wieder gerne. Natürlich ist barfuß laufen weder Allheilmittel noch Medizin, aber es nutzt doch eher, als es schadet. "Suchen Sie wieder den Kontakt mit der Erde, um diese positiven Erdungsfrequenzen täglich aufzunehmen", lautet sein Rat. Eines passiert auf jeden Fall: Es macht Spaß den Boden unter den Füßen zu spüren.

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