Bad Kissingen
Stadtwerke

Altlasten weg, Neubau kommt

Wegen Benzol und Teer im Boden mussten 10 000 Kubikmeter Erdreich entsorgt werden. Jetzt steht dem 5,8-Millionen-Euro-Projekt auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke Bad Kissingen nichts mehr im Weg.
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Vom Verwaltungsgebäude aus hat Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer einen guten Blick auf die Baustelle. Der Nachteil: Die Vibrationen durch das Verdichten des Untergrundes sind deutlich zu spüren.
Vom Verwaltungsgebäude aus hat Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer einen guten Blick auf die Baustelle. Der Nachteil: Die Vibrationen durch das Verdichten des Untergrundes sind deutlich zu spüren.
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In einem Glas bilden sich kreisförmige Wellen, eine Kaffeetasse klappert auf der Untertasse: Die Bauarbeiten hinter dem historischen Verwaltungsgebäude der Bad Kissinger Stadtwerke sind nicht nur sicht- und hörbar, sondern sogar spürbar. Und spürbar ist auch, dass Stadtwerke-Geschäftsführer Manfred Zimmer ein großer Stein vom Herzen gefallen ist, weil es endlich los gehen kann: "Wir haben knapp 10 000 Kubikmeter belastetes Material entsorgt, die Geologen haben das Gelände am 20. Februar als altlastenfrei begutachtet." Noch am gleichen Tag starteten die Vorbereitungen für den 5,8 Millionen Euro teuren Neubau.
Soweit waren die Stadtwerke schon einmal: Im Mai 2014 begann das Neubau-Projekt am Stammsitz des Strom-, Wasser- und Gas-Versorgers in der Würzburger Straße. Die alten Lager und Werkstätten wurden zügig abgerissen, dann kam im Juli der jähe Bau-Stopp: Benzol und Teer wurden gefunden.

Erbe der Gas-Produktion

Die Thüringer Gasgesellschaft hat dort über Jahrzehnte aus Steinkohle, die per Bahn angeliefert wurde, Koks und Kokerei-Gas hergestellt. "Das Gas wurde dann ins örtliche Gas-Netz eingespeist", berichtet Zimmer. In der Zeit vor der Elektrifizierung seien damit auch Laternen betrieben worden. Erst Mitte der 1960er Jahre wurde auf Ferngas umgestellt.
Dieses Erbe war durchaus bekannt, die Stadtwerke hofften jedoch, dass das Grundstück ohne Sanierung bebaubar ist. Erst beim Abriss des letzten alten Gebäudes kam die böse Überraschung zum Vorschein. Also mussten dutzende Bodenproben untersucht und ein Sanierungskonzept erstellt werden. Erst beim Ausgraben selbst habe sich das ganze Ausmaß der Belastung gezeigt: Großflächig musste Boden entsorgt werden, in einem Bereich wurde das Erdreich bis in eine Tiefe von sechs Metern ausgetauscht. Rund 900 000 Euro habe die Sanierung gekostet, aber: "Wir sind guter Dinge, dass wir dafür unsere Rechtsvorgängerin, die Thüringer Gasgesellschaft, heranziehen können", hofft Zimmer, die Kosten abwälzen zu können. Dafür sei alles dokumentiert worden, trotzdem gehe er von einem längeren Rechtsstreit zur Durchsetzung der Forderung aus.
Abgesehen von den hohen Kosten ist Zimmer froh, dass das Benzol und die teerhaltigen Stoffe jetzt weg sind: "Wir haben eine schwelende Zeitbombe entschärfen können." Gerade als Trinkwasser-Versorger sei es wichtig, Gefährdungen für das Grundwasser und die Umwelt allgemein zu beseitigen.
Unangenehmer Nebeneffekt: Bei der Altlasten-Sanierung hat sich herausgestellt, dass der Boden weniger tragfähig ist als erhofft. Deshalb werden die Gebäude nun tiefer gegründet. Trotzdem freut sich Zimmer jetzt auf den Neubau: "Bereits seit 1976 steht auf der Agenda, dass wir uns zentralisieren." Aktuell seien die 102 Mitarbeiter auf vier Standorte verteilt: Von der Zentrale in der Würzburger Straße über die ehemalige Gärtnerei Zaak und das alte E-Werk in der Oskar-von-Miller-Straße bis zum Blockheizkraftwerk in der ehemaligen Kaserne. "Das ist alles sehr gedrängt untergebracht."

Lager und moderne Technik

In den Neubau soll vor allem die "technische Truppe" mit Materialverwaltung, Lager sowie Schalt- und Netzleitwarte einziehen. Durch die Konzentration hofft Zimmer auf Synergieeffekte, die langfristig die Investition von 5,8 Millionen Euro rentabel machen. Geplant sind eine 10-Kilowatt-Photovoltaikanlage auf dem Dach und ein Blockheizkraftwerk mit rund 50 Kilowatt elektrischer und 90 Kilowatt Wärme-Leistung.


Zahlen und Daten rund um die Stadtwerke


Gesellschaft Die Stadtwerke Bad Kissingen GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Bad Kissingen. Sie versorgt vor allem die Stadt Bad Kissingen mit Strom, Gas, Fernwärme und Wasser, betreibt die beiden Parkhäuser in der Innenstadt und organisiert den öffentlichen Personennahverkehr. Außerdem sind die Stadtwerke Eigentümerin der KissSalis-Therme.

Verbrauch Im Strommarkt liefern die Stadtwerke ihren rund 16 000 Kunden etwa 90,6 Millionen Kilowatt-Stunden pro Jahr. Beim Erdgasvertrieb haben die Stadtwerke rund 9500 Kunden, die zusammen 463,3 Millionen Kilowattstunden im Jahr abnehmen. Im Bereich Wasser beziehen rund 4700 Kunden im Stadtgebiet rund 1,8 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. rr

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