Bad Kissingen
Weltputzfrauentag

Alles schön sauber

"Ich bin überall zuhause, fühle mich überall daheim", sagt Karin Rüttiger, während sie mit einem blauen Mikrofasertuch über Ordner und Regale fährt. Die dreifache Mutter aus Oberbach arbeitet zügig und sorgfältig. "Ich gehe immer mit Herzblut an meine Arbeit heran, sonst könnte ich das nicht die ganzen Jahre über machen".
Artikel drucken Artikel einbetten
Karin Rüttiger aus Oberbach liebt ihren Job als Reinigungskraft. Die Mutter dreier Kinder putzt Büroräume, Autohäuser, Casinos und Schulen für eine Reinigungsfirma in Bad Kissingen.  Foto: Benedikt Borst
Karin Rüttiger aus Oberbach liebt ihren Job als Reinigungskraft. Die Mutter dreier Kinder putzt Büroräume, Autohäuser, Casinos und Schulen für eine Reinigungsfirma in Bad Kissingen. Foto: Benedikt Borst
Dann greift sie in ihre Tasche und kramt einen riesigen Bund mit Schlüsseln heraus. Derzeit betreue sie etwa 60 Objekte, größtenteils im Raum Würzburg. "Ich habe schon einen großen Radius", meint sie. Zwischen 200 und 250 Kilometer lege sie täglich bei ihren Touren zurück. Büroräume, Autohäuser, Casinos oder Schulen - Karin Rüttiger kennt sie alle von innen.
"Ich bin ein Allrounder, mich kann man überall hinschicken. Das ist der Vorteil, wenn man schon lange bei einer Firma arbeitet", meint die 45-Jährige, die 1998 bei dem Gebäudereinigungsbetrieb Scholl in Bad Kissingen angestellt wurde. Seitdem arbeitet sie in Vollzeit in der Unterhaltsreinigung - ihr Handwerk ist das, was gewöhnlich als Putzfrau bezeichnet wird. In der Branche wird der Begriff Putzfrau jedoch nicht gern gehört, hat er doch irgendwie einen abwertenden Beigeschmack. Reinigungsfachkraft klingt besser.


Viel Chemie im Lehrplan

"Wir sind ein mittelständischer Handwerksbetrieb, der in der Gegend von Aschaffenburg bis Bamberg tätig ist", erklärt Manfred Schmitt, Prokurist der Gebäudereinigung Scholl. Der Beruf des Gebäudereinigers sei ein anerkannter Ausbildungsberuf, bei dem schon Einiges gefordert werde. So stehe unter anderem viel Chemie auf dem Lehrplan.
Den Fachkräften wird beispielsweise eingeschärft, dass sie keinen Sanitärreiniger mit chlorhaltigen Mitteln mischen dürfen, erklärt Schmitt. Dann entstehe nämlich giftiges Senfgas. "Ein paar tiefe Atemzüge und du fällst um wie eine Fliege." Außerdem lernen die Fachkräfte, welche Verbindungen welche Verschmutzungen lösen. Generell gelte: säurehaltige Reinigungsmittel bei Verkalkungen und alkalische bei Öl und Fett.
Wegen der vielfältigen Materialien, die heute im Innenausbau verwendet werden, muss sich eine Reinigungskraft aber auch gut mit den verschiedenen Putzmitteln gut auskennen. Das fange schon bei Steinfliesen an. Marmor benötigt eine andere Pflege als Schiefer, Naturstein eine andere als Feinstein, glasierte Platten wiederum eine andere als unglasierte. Nimmt die Reinigungskraft das falsche Mittel, kann sie große Schäden anrichten. "Früher wurde dagegen fast alles mit Schmierseife geputzt", erklärt Schmitt. Mit Spaghetti-Mopp und Putzlappen. Heute gibt es Flächenwischer und Renigungsmaschinen.

Viele Kleinaufträge

Trotz aller Anforderungen sind vollzeittätige Fachkräfte in der Branche selten, die Bezahlung erfolgt im Niedriglohnbereich und betrifft vor allem Frauen. "Bei uns sind leider keine Reichtümer zu holen", sagt auch Schmitt. 60 Prozent seiner 150 Angestellten arbeiten als Geringverdiener, nur 40 Prozent haben eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Das liege vor allem an den typischen Kleinaufträgen, die den Großteil der Arbeit ausmachen. Morgens zwei Stunden vor Bürobeginn und nachmittags zwei Stunden nach Büroschluss putzen reiche nicht für mehr als einen Mini Job.
Für ungelernte Kräfte zahlt der Betrieb den tariflichen Mindestlohn von 8,82 Euro pro Stunde. Ein Facharbeiter verdient in der gleichen Zeit mindestens 11,68 Euro und liegt damit knapp über der bundesweiten Niedriglohngrenze von 10,36 Euro. Laut Schmitt tragen zu den niedrigen Einkommen vor allem der enorme Konkurrenz- und Preisdruck in der Branche bei.

Kleines Malheur

Davon lässt sich Karin Rüttiger aber nicht ihre Arbeit verleiden. Lachend berichtet sie von einem Malheur, das ihr kürzlich passierte. Sie wurde aufgrund eines technischen Fehlers in dem Büro, das sie gerade sauber machte, eingeschlossen. Weit und breit keine Hilfe in Sicht. "Ich hatte Glück, dass ich Handyempfang hatte", meint sie. So wurde sie nach zwei Stunden aus ihrer misslichen Lage befreit.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren