Zeitlofs
Theater

Alfred Büttner "Korbtheater": Ein Stück über die Liebe

Mit seinen Holzpuppen spielt Alfred Büttner für Senioren. In seinen Stücken spricht er sensible Themen an. Zum Beispiel die Liebe im Alter...
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Ein-Mann-Theater: Von unten bewegt Alfred Büttner die Puppen, während er gleichzeitig die Dialoge spricht. Fotos: Ulrike Müller
Ein-Mann-Theater: Von unten bewegt Alfred Büttner die Puppen, während er gleichzeitig die Dialoge spricht. Fotos: Ulrike Müller
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"Es ist schon ein Kreuz mit dem Alter." Mathilde Hofmann ist neu im Altersheim und jeder Tag scheint ihr gleich zu sein. "Ich vermisse mein Haus, meinen Garten...", klagt sie. Und obwohl Mathilde nur eine Holzpuppe ist, wissen die, die ihr zuhören, genau, was sie meint. Aufmerksam schauen die Bewohner vom Haus Rafael in Zeitlofs auf den überdimensionierten Strandkorb, das "Korbtheater" von Alfred Büttner. Das Bild zeigt eine alte Dame, die in ihrem Heimzimmer sitzt. Allein.

Alfred Büttner kommt aus Waigolshausen und ist seit 22 Jahren hauptberuflich mit dem Drehkorbtheater unterwegs. Im Rahmen der "Aktion Herbstsonne" spielt er im Haus Rafael. "Die Sehnsucht nach Nähe ist unglaublich groß", sagt er. Immer wieder spüre er die Einsamkeit, die viele Menschen, für die er spielt, mit sich herumtragen. Büttner spielt für Senioren. Er will ihnen Mut machen und zeigen, dass ein Heim nicht die Endstation ist. Deshalb spielt er "Es ist nie zu spät!" - ein Stück über die Liebe im Alter.

"Man müsste noch einmal 20 sein"

"Der Onkel Doktor sagt, ich darf nicht küssen. Ich habe dafür ein viel zu schwaches Herz", sagt Mathilde. Und küsst dann doch. Und immer, wenn sich die Türen aus Weidengeflecht schließen, schallt Applaus durch den Raum. Dann spielt die Technik den alten Schlager "Man müsste noch einmal 20 sein" ein, und noch bevor die erste Zeile erklingt, spricht eine Frau in der ersten Reihe schon die Worte mit.

Ziemlich weit hinten sitzt Karin Karouch. "Weil wir nicht mehr ins Theater gehen können, kommt die Kultur zu uns", sagt die Leiterin von Haus Rafael. Die Vorstellung sponsert die Wäscherei Leimeister aus Schweinfurt, bei der Haus Rafael Kunde ist. Auch Karouch kennt das Bedürfnis nach Nähe bei den Bewohnern. Eine Hand auf der Schulter. Ein aufmunternder Blick. Ein Scherz mit dem Zimmernachbarn.

Für viele ein Tabu

Mathilde küsst Robert, einen ehemaligen Operetten-Star und der Schwarm ihrer Jugend. Und dann landen die beiden im Bett. "Wenn ich in Ostdeutschland spiele, ziehe ich die Puppen aus", erzählt Büttner. Andernorts, etwa in Niederbayern, ist seine Schluss-Szene schon fast ein bisschen zu gewagt. "Ich finde, das Thema ist noch viel zu viel tabuisiert", sagt Karouch.

Auf dieses Tabu stößt auch Alfred Büttner. "Die Menschen erzählen mir von ihrer Liebe, oft ist es unerfüllte Liebe", erzählt er. Und wenn sich zwei Senioren mögen, dann finden sie oft nicht den Mut, zueinander zu stehen. Aber einmal war er zu einer Hochzeit in Passau eingeladen. Sein Stück war für ein Paar im Publikum der Anlass, ihre Beziehung öffentlich zu machen. "Acht Wochen später haben die beiden geheiratet."

Eine Fortsetzung von Mathilde und Robert gibt es übrigens im September. Dann spielt Alfred Büttner wieder im Haus Rafael. Diesmal heißt das Stück "Die Reise".


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