Bad Kissingen

AfD-Kandidatin gibt sich enttäuscht

Freia Lippold-Eggen ist entsetzt: "Mir bleibt die Spucke weg. Ich habe mit dem doppelten Prozentsatz gerechnet."
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Freia Lippold-Eggen gibt sich enttäuscht vom Ergebnis für die AfD: "Der Wähler hat sich so entschieden. Ob es gut für ihn war, wird sich in den nächsten vier bis fünf Jahren zeigen." Foto: Carmen Schmitt
Freia Lippold-Eggen gibt sich enttäuscht vom Ergebnis für die AfD: "Der Wähler hat sich so entschieden. Ob es gut für ihn war, wird sich in den nächsten vier bis fünf Jahren zeigen." Foto: Carmen Schmitt

Zusammen mit gut zwei Dutzend Parteimitgliedern verfolgt die AfD-Direktkandidatin die Hochrechnungen der Live-Schalte auf dem Fernseher. Schmunzeln auf den Gesichtern beim CSU-Ergebnis, Gelächter bei der nächsten Zahl unter dem roten Balken. Die elf Prozent für die AfD quittieren die Frauen und Männer bei der AfD-Wahlparty mit nur teils zufriedenen Mienen. Freia Lippold-Eggen lacht nicht: Das Ergebnis decke sich nicht mit dem Feedback, das sie in den letzten Wochen im Wahlkampf bekommen habe, erklärt sie. "Das passt nicht zu den Aussagen. Ich bin enttäuscht." Wie erklärt sie sich das Ergebnis? "Ich habe keine Erklärung dafür."

Am Tag der Wahl fällt viel von ihr ab, erzählt sie. An diesem Sonntag habe sie mal wieder ausgeschlafen und ein Weißwurst-Frühstück genossen. In den vergangenen Wochen war sie viel unterwegs, hatte viel Arbeit während des Wahlkampf: Plakate kleben, Plakate erneuern. "Es waren viele unschöne Beschimpfungen dabei." Mit einzelnen "dummen Bemerkungen und Beleidigungen" war sie auch in Unterhaltungen konfrontiert, berichtet sie. Aber: "Fast durchweg habe ich die Menschen positiv erlebt in persönlichen Gesprächen", sagt Freia Lippold-Eggen. Besonders "enttäuschte Frauen, die jahrelang CSU gewählt haben", seien ihr offen und interessiert begegnet. Am Nachmittag habe sie selbst in der Salinenstraße ihre Stimme abgegeben, erzählt die Direktkandidatin. Die Landtagswahl hat einen hohen Wert für sie.

"Scheinheiligkeit" sorgt für Wut

"Die Wahl ist für mich persönlich wichtig: Es ist ein Zeichen, wie es in Bayern, meinem Land, meiner Heimat, weitergeht." Ihr wäre am liebsten, "wenn die Leute hier das Sagen haben". Dass die AfD in den Landtag kommt, das sei ihr wichtig. "Ich möchte, dass diese Land in etwa so bleibt, wie als ich aufgewachsen bin."

Dass die AfD es in den Landtag schafft, damit habe sie gerechnet. Gut so, meint sie: "Damit Vielfalt herrscht." Bei dem Auftritt von Markus Söder in Bad Kissingen habe sie sich "persönlich angegriffen gefühlt", sagt sie. Bis dahin habe sie ihn gar nicht als unsympathisch empfunden. Was war passiert? "Mich hat diese Scheinheiligkeit aufgeregt. Auf der einen Seite übernimmt er unsere Wahlprogramm und auf der anderen Seite schimpft er auf uns. Ich war sehr wütend."

Den Grund für das AfD-Ergebnis bei der Wahl könne sie sich nicht zusammenreimen: "Ich kann nicht verstehen, dass Leute wütend sind, aber nicht zu Ende denken." Für den Ausgang macht sie auch die Berichterstattung in den Medien verantwortlich: Hetze und Diffamierung wirft sie der Presse vor. "Die Leute haben Angst, uns zu wählen." Freia Lippold-Eggen zieht bewusst den Vergleich zum Jahr 1933: "Da wurden die Leute auch manipuliert. Ich will nicht hören: Wir haben es nicht gewusst."

Und jetzt, nachdem das Ergebnis feststeht und der Wahlkampf vorbei ist? "Politik ist nicht alles: Es gibt noch etwas anderes im Leben." Jetzt habe sie wieder mehr Zeit für ihren Mann, die Familie, Hobbys. "Wir wollen uns wieder auf uns besinnen." Überhaupt: "Das ist Demokratie. Der Wähler hat sich so entschieden. Ob es gut für ihn war, wird sich in den nächsten vier bis fünf Jahren zeigen." Außerdem gilt das Motto: Nach der Wahl ist vor der Wahl. "Die Arbeit geht weiter." Jetzt für die Europawahl.

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