Bad Kissingen
Kritik

Adventure-Golf in Bad Kissingen: Funkstille statt Baulärm

Spielplatz und alte Minigolf-Anlage im Luitpoldpark sollten bis Sommer umgebaut werden. Noch hat der Pächter nichts unternommen.
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Ein Bauzaun sperrt den Zugang zum Spielplatz seit einem Jahr ab, gebaut wird allerdings noch nicht. Foto: Benedikt Borst
Ein Bauzaun sperrt den Zugang zum Spielplatz seit einem Jahr ab, gebaut wird allerdings noch nicht. Foto: Benedikt Borst
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Ein Bauzaun steht seit gut einem Jahr an dem Spielplatz und der ehemaligen Minigolfanlage im Luitpoldpark. Ansonsten hat sich auf dem gut 8000 Quadratmeter großen Areal des Freistaates noch nichts getan. Dabei hatte die Staatsbad GmbH im vergangenen Sommer einen neuen Pächter für die in die Jahre gekommene Anlage präsentiert. Die Firma Tour Green aus Oberfranken kündigte an, mindestens 350 000 Euro in eine neue Freizeitattraktion zu investieren: einen "Adventure"-Golfplatz, also eine größer dimensionierte Minigolf-Anlage.

Bei einem Pressegespräch im August 2018 stellte die Firma ihr Konzept vor. Demnach hätten die Umbauarbeiten bereits im Frühjahr starten sollen, so dass die 18 Kunstrasenbahnen mit ihren Hindernissen den Gästen im Sommer zur Verfügung stehen. Einen Baustart gab es allerdings noch nicht. Bei Tour Green äußern sich die Verantwortlichen weder zum Sachstand des Projekts, noch zu den Gründen für die Verzögerung des Baubeginns. Der Geschäftsführer der Firma, Bodo Korczynski, hat weder auf mehrmalige Anrufe dieser Redaktion reagiert, noch auf eine schriftliche Anfrage geantwortet.

Die geplante Freizeitanlage und die Sperrung des beliebten Spielplatzes stoßen in Bad Kissingen auf großes Interesse. Auch bei der Heimatzeitung hat es zuletzt regelmäßig Nachfragen von Lesern zum Sachstand gegeben.

Viele Nachfragen, keine Antwort

Zwischen Verpächter und Betreiber herrschte offenbar ebenso Funkstille. Der Staatsbad GmbH ist wenig konkretes zum Sachstand bekannt. "Uns liegt keine Begründung über die Verzögerung vor", gibt Marketingleiterin Kathrin Betzen Auskunft. Nach dem letzten Kenntnisstand war der Baubeginn für März 2019 vorgesehen. Das ist zwischenzeitlich verstrichen. "Wir haben kürzlich um einen persönlichen Austausch gebeten. Das steht noch aus", sagt sie. Dieses Gespräch müsse nun abgewartet werden. Ziel sei, "dass in absehbarer Zeit das Areal wieder sinnvoll für Bevölkerung und Gäste für eine Freizeitnutzung zur Verfügung steht. Dass bis zum Baustart der Spielplatz vorübergehend wieder zugänglich gemacht wird, sei nicht möglich. Zum einen hat die Kurverwaltung keinen Zugriff, weil das Gelände inzwischen ja verpachtet ist. Außerdem werden die alten Spielgeräte seit der Sperrung vor mehr als einem Jahr nicht mehr Instandgehalten und sind nicht mehr nutzbar.

Der Skiclub Bad Kissingen ist von den Plänen für die Abenteuer-Golfanlage ebenfalls betroffen. Der Verein nutzt auf dem Gelände eine Sommerstockbahn sowie das ehemalige Verkaufskiosk. Dass der SCK die Stockbahn weiter bespielen dürfe, sei zu Beginn zugesichert worden, berichtet Vorsitzender Richard Fix. Unklar ist dagegen, wie es mit dem Materiallager im Kiosk ausschaut. Der Verein habe trotz mehrfacher Nachfragen keine Antwort vom Betreiber. "Wir wissen nicht wie es weitergeht und warten darauf, dass irgendeine konkrete Aussage kommt", sagt Fix. Die Situation sei nicht befriedigend.

Familien vermissen Spielplatz

Hermann Laudensack betreibt ein Hotel in der Nachbarschaft. Er findet es schade, dass sich bislang noch nichts in Sachen Abenteuergolf getan hat. "Es kann nur gut sein, wenn etwas für die Allgemeinheit kommt"; sagt er.

Das sehen viele Familien anders. Sie vermissen den großen, gut gelegenen Spielplatz, der auch mit öffentlichen Toiletten und gastronomischen Angebot punktete. "So eine Infrastruktur gibt es anderswo nicht", sagt zum Beispiel der Kissinger Familienvater Robert Schweibold. Ein rein-kommerzielles Freizeitangebot hält er an der Stelle für uninteressant. Auch Irmgard van de Weyer, Großmutter und ehemalige Lehrerin, sähe es lieber, wenn sich das Golf-Projekt zerschlägt und stattdessen der Spielplatz erhalten wird. Der sei bis zuletzt ein beliebtes Ausflugsziel für Kindergärten und Schulen gewesen. Sie kritisiert, dass die Kurverwaltung in den Kuranlagen kein Angebot für Kinder bereithält, obwohl sie auch Familien mit Kindern als Gäste anspricht.

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